IBIZA - Die Insel der Schönen und Reichen


Hier also geht Jochen von Bord und fliegt nach Hause. An einen Platz in einer der hier recht zahlreichen Marinas denken wir erst überhaupt nicht. Wir ankern lieber in der Bucht vor dem Hafen und nehmen unser neues Dingi. Das alte, es hat Kathrin und mich all die zwei Jahre tapfer begleitet, hat sich leider in Wohlgefallen aufgelöst. Tausend mal geflickt und am Ende sogar mit Silicon abgedichtet, war nichts mehr zu machen. Unser Neues, handlicher und wesentlich kleiner, ist aber auch nicht schlecht. Nur eben kleiner, was man beachten sollte, wenn man den Motor an- oder abbauen will. Ich tu`s jedenfalls nicht und schwupp liegt Boot samt mir und dem Außenborder auf dem Kopf. Dumm nur, er war schon locker und ist nun erst einmal ein U- Bootmotor in 5 - 6 Meter in der Tiefe. Jochen, unser Taucher ist ja leider nicht mehr da, so werde ich wohl in die Tiefe müssen. Aber, da ich ja eh schon im Wasser bin, ist alles recht schnell erledigt: Strick angebunden und hochgezogen; 5 Minuten! Ich werde mir bei Gelegenheit mal eine rote Zipfelmütze besorgen.

Jetzt geht es weiter in Richtung Gibraltar. Das letzte Stück durch die Meerenge ist recht kompliziert. Da eine gewaltige Strömung herrscht, gilt es genau auf die Gezeiten zu achten. Doch erst einmal müssen wir in Cartagena, einem spanischen Hafen leider noch einen Nonstop einlegen. Da hat man nun einen nigel-nagel-neuen Generator und nichts nützt´s! Strom ist auf den meisten Segelbooten immer eines der größten Probleme. Navigationsleuchten,, Computer und Autopilot fressen eine Menge Energie. Somit läuft eigentlich täglich der Notstromer. Sollte er jedenfalls. Unserer tut dies auch, nur entschließt er sich mit einem mal, aufzuheulen und Strom im Übermaß zu produzieren. Dann sagt er gar nichts mehr. Und zu allem Unglück hat dies natürlich auch unser Batterieladegerät nicht überlebt. In Cartagena jedenfalls hat das einzige Geschäft, das uns weiter helfen könnte, leider geschlossen, die Marina ist recht teuer, so legen wir lieber wieder ab und versuchen im nächsten Hafen, San Jose unser Glück. Weit ist das nicht und wir steuern bei ca. 7 Bft Wind von achtern in den wahrscheinlich kleinsten und dazu noch überfülltesten Mittelmeerhafen überhaupt. Platz zum Wenden gibt es kaum, doch mit etwas Schwung sollte es gehen. Noch schnell den Rückwärtsgang zum Aufstoppen und der Bautenzug reist! Also - Stoppen war denn wohl nichts, doch beinahe hätte es noch bis zum Tankdock gereicht, eben nur beinah. Nun schiebt uns der Wind recht rasant in das Innere der Marina. Doch Glück im Unglück: wir bleiben schon an einer der ersten Yachten am Ankergeschirr hängen und verheddern uns erst einmal ordentlich. Es sind auch sofort genügend Helfer zur Stelle, ein Schlauchboot der Marina eilt herbei und ruck-zuck sind wir nun doch, ohne größeren Schaden angerichtet zu haben, am Tankdock vertäut. Der Bautenzug ist rasch besorgt, nur ein neues Ladegerät, das finden wir auch hier nicht. So sind wir nach nur zwei Tagen wieder flott und tasten uns langsam aber zur Abwechslung mal mit gutem Wind in Richtung Gibraltar. Also - langweilig ist es hier nicht. Ständig haben wir nette Begleitung. Delphine und Schwertfische ohne Ende.

Man könnte es ja mal mit der Angel versuchen, doch was um alles in der Welt wollen wir hier mit einem Merlin anfangen. Noch dazu wo unser Kühlschrank ja schon in der Südsee seinen Dienst quittiert hat.
Gibraltar ist, dank guter Strömung auch schnell bezwungen und der Atlantik empfängt uns mit ziemlichen Wellen und Eiseskälte. Die Heizung läuft beinahe im Dauerbetrieb. Man, hier ist doch Juli und somit doch wohl Hochsommer!

Jetzt heißt unser nächstes Ziel Lissabon. Noch liegen wir eigentlich recht gut in der Zeit und sollte nichts Außergewöhnliches passieren, werden wir pünktlich in der Ostsee erscheinen. Der Wind allerdings legt uns mächtige Steine, oder hier Wellen in den Weg. Genau aus Norden kommend, zwingt er uns immer wieder zu gewaltigen Schlägen aufs offene Meer, um dann langsam und schräg wieder zurück zu segeln. Aber wir kommen voran.

Ein kurzer Zwischenstopp in einem kleinen Urlauberort: wir lernen zwei nette Amerikaner kennen, die ausgerechnet zum Wellenreiten nach Portugal gekommen sind (dabei sind doch nun wirklich die besten Wellen an der Westküste -USA!), und noch ein Stopp in Lissabon - jetzt nehmen wir unseren letzten Abschnitt vor der Biskaya in Angriff. Der Wind bläst nun immerhin schon mit 8 Bft immer noch genau aus Norden (da wollen wir hin…) und so segeln wir erst einmal zwei Tage und gute 250 nm Richtung Nord West. Wenden und versuchen so viel wie möglich Höhe zu machen. Alles geht auch ganz gut und wir kommen recht schnell voran. Nur, wenn´s zu gut läuft, sollte man lieber etwas aufpassen. In der letzten Nacht, ein Knall, dann ein Geflatter und Geschlage, natürlich 3.00 Uhr am Morgen, ich stürze an Deck und finde nur noch die Reste unserer gerade erst geflickten Genua vor. Ein gewaltiger Schlaz teilt sie beinahe in zwei Teile. Das ist dann aber nun wirklich nicht so gut. Zwar haben wir zum Glück noch einen Ersatz, doch wie sollen wir den an den Mast bekommen. Ich denke, beim Bergen des kaputten Segels entsteht eventuell noch größerer Schaden und sie ist vielleicht überhaupt nicht mehr zu reparieren. Lassen wir das also lieber und steuern so wie wir sind den nächsten Hafen an. Das dauert dann zwar etwas länger, ist aber sicherer. So sollten wir morgen, natürlich zum Sonnabend in Porto sein.

Am Ende haben wir uns dann doch anders entschieden. Warum den schönen Sprit vergeuden, wenn´s auch anders geht. Es ist allerdings etwas anstrengend, bei 8 Bft eine Rollgenua zu bergen und Ersatz an den Mast zu bringen. Ich überlege zum wiederholten mal, ob Staghalter nicht doch besser als eine Rollgenuar sind. Jedenfalls hüpft unsere PERITHIA nur so durch die Wellen, Am Bug, wo nun mal die Arbeit zu erledigen ist, geht es wie im Fahrstuhl meterweise auf und ab. Ich setze mich hin, verkeile mich irgendwie und bin so halt manchmal unter und manchmal über Wasser. Doch es klappt alles recht gut uns so können wir wieder segeln. Ab in die Biskaya. Bester Wind von achtern schiebt uns dann auch recht zügig unserem Ziel, Brest am Eingang des Englandcanal entgegen. Hier wird jetzt auch Eisi, unser Smutje von Bord gehen. Brest hat eine wirklich schöne Marina und es ist doch wirklich interessant, wo man überall Leute trifft, die unsere Webseite kennen. Eisi jedenfalls ist von Bord, ich gehe erst einmal die Kombüse auffüllen und halte mich gar nicht so lange auf. Es tut mir ein wenig leid, ich habe hier mit meinem Nachbarsegler eine wirklich nette Bekanntschaft gemacht. Aber was nützt es, „Rund Stubber“ ruft. Auf in den Ärmelkanal mit seinen doch ziemlichen Strömungen. Und ich muss schon sagen: Einhandsegeln hat auch was für sich! Es ist halt nur etwas mühsam, sämtliche Manöver alleine durchzuführen.

Alleine dafür, den Genacker nach oben zu bringen, brauche ich gut und gerne 30 Minuten. Von runter wollen wir mal lieber gar nicht erst reden. (eine geschlagene Stunde, ich sollte etwas im System ändern). Das mache ich dann auch ziemlich schnell. Mitten in der Nacht um 3.00 wache ich auf und wundere mich. Irgendetwas klingt doch hier anders. Ich stecke den Kopf aus der Luke- aha. Da hat sich doch tatsächlich der Wind gedreht (der Windpilot arbeitet nur noch sporadisch) und mein schöner Blister weht nicht mehr nach vorne, wie sich das eigentlich gehört, nein er klebt am Mast. Das Groß schiebt uns trotz allem munter weiter und macht das Wirrwarr da oben nur noch schlimmer. Ich hüpfe also erst einmal in meine dicken Winterklamotten; wie gesagt es ist nicht unbedingt sommerlich hier, und berge das Main. So und nun erst einmal eine Analyse: Überstürzt zu handeln bringt hier überhaupt nichts. Was ich auf Anhieb sehe, das Fall zum bergen liegt schon mal auf dem Deck, gar nicht so gut. Irgendetwas hat sich wohl auch im Radar verheddert, auch nicht unbedingt so schön, da dort auch die Decksbeleuchtung ist. So ist es zu allem Überfluss auch noch recht dunkel. Ich schnappe mir also erst einmal meine chinesische Grubenlampe (Stirn-) und versuche so etwas Licht in die Angelegenheit zu bekommen. Es bleibt wohl leider nur die klassische Variante um hier alles wieder klar zu bekommen. Also über Bord mit dem Ding. Das geht recht einfach, nur da wir treiben, und das durch die Strömung auch noch recht schnell, habe ich mit einem Schlag über 100 m² Segeltuch unterm Kiel. Wenn sich hier was vertüdelt, dann gute Nacht. Doch wieder einmal Glück im Unglück, ich bekomme den nassen Sack so Zentimeter für Zentimeter wieder zurück über die Reling gewuchtet. Kein Schaden, jetzt muss er nur noch wieder hoch und ich kann, mittlerweile wird es langsam hell, einen Gin Tonic später wieder in die Koje kriechen. Theoretisch ist es bis zu meinem nächsten Ziel, Bologne auch nicht mehr sehr weit. Es sollte an und für sich heute noch zu erreichen sein. Ich würde ja gerne noch etwas weiter segeln, doch durch die Strömung bin ich gezwungen, erst einmal 7 Stunden Pause einzulegen.




Start von Korfu


Kathrin und ich haben uns also entschlossen, unsere PERITHIA nach Hause zu holen. Ist wahrscheinlich auch bitter nötig, hat sie doch nach zwei harten Jahren auch einmal etwas Überholung verdient. Einen Liegeplatz auf der Insel Rügen haben wir; steht dem Start also nichts mehr im Wege. Nur mit dem Urlaub hapert`s ein wenig. So werde ich erst einmal alleine in See stechen. Kathrin kommt nach, sobald es ihr Terminplan erlaubt. Da wir diesmal nicht so mit Zeit um uns werfen können, soll es recht nonstop quer durch das Mittelmeer, auf direktem Weg in Richtung Gibraltar, den Atlantik nordwärts gehen. Später dann, wenn der Ärmelkanal passiert ist, durch den Nord-Ostsee-kanal in die Ostsee. Denn am 12.08. ist dort die viel gerühmte Rund Stubber Regatta - klar das wir da dabei sein wollen!

www.rund-stubber.de

Was sich für manch einen nach einer vergnüglichen Urlaubstour anhören könnte, ist somit eher ein recht anstrengender Job. Doch zu guter Letzt habe ich Glück, muss nicht alleine segeln. Zwei Freunde haben sich angesagt und wollen mir unterwegs etwas Gesellschaft leisten. Also, wie sagt man - Leinen los und volle Fahrt voraus! (so voll soll sie am Anfang allerdings gar nicht werden)

Vorab sammeln wir noch unsere Segel ein. Wir haben sie bei unserer Abreise aus Griechenland vor drei Monaten beim Segelmacher zur Kontrolle in gute Hände abgegeben. Trotz Freitagnachmittag ist er da und hat auch recht ordentliche Arbeit geleistet. Nur, dass wir dafür beinahe die gesamten Auslandsschulden, die seit der Einführung des Euros in Griechenland so angefallen sind, begleichen sollen, schmerzt uns doch ein wenig. Doch zum Glück für uns ist unser guter Freund Spiros in der Nähe und so kommen wir letztendlich doch nur mit den aufgelaufenen Zinsen davon…


So halten wir uns erst gar nicht weiter auf, ein letzter Abschied von Spiros und seiner Familie und los sind die Leinen. Dummerweise treibt die arme PERITHIA dabei beinahe führerlos durch den Hafen. Jochen (einer meiner beiden Mitreisenden) vergisst leider, die dazugehörenden Kommandos abzuwarten, sich selbst noch dazu und hat daraufhin etwas zu tun, dass in die Strömung treibende Boot noch zu erreichen.

Endlich auf See präsentiert sich das Mittelmeer, wie wir es gewohnt sind. Entweder es ist überhaupt kein Wind, oder er haut mit voller Wucht genau auf die Nase. Und genau ersteres tut er dann auch, er schweigt. Also nutzen wir die Zeit und üben uns ein wenig im Blister setzen und versuchen schon einmal, unsere griechischen Weinvorräte etwas zu dezimieren. (ist alles nur Ballast!) Nur leid tut es uns halt um unsere Dieselreserven. Die Spritpreise hier haben geradezu astronomische Summen angenommen und es scheint kein Ende in Sicht. Wir zielen auf die Straße von Messina und sollten uns dort erst einmal einen kleineren Hafen zum volltanken suchen. Nur- was hier so alles im Wasser rumtreibt, ist echt nicht zu glauben. Und wahrscheinlich ziehen wir sämtlichen Unrat auch noch an. So jedenfalls unsere Schraube. Wums! Macht`s, ein Rütteln durchläuft die arme PERITHIA und sie fühlt sich an wie ein bockendes Seepferd. Irgendetwas hängt wohl im Propeller. Einer muss somit runter und nachschauen. Eigentlich habe ja ich genügend Erfahrung im Leinen- oder- sonstigen- Müll- von- der- Schraube- entwirren (Krabbpots an der amerikanischen Westküste) doch das Wasser ist dann doch etwas kühl, finde ich. Eisi (unser zweiter Mitsegler)… na ja; so richtige Lust hat er wohl auch nicht. Es bleibt also nur noch Jochen. Und echt heldenhaft kämpft er mit dem verwickelten Etwas unterm Boot, welches sich als Jutesack entpuppt und nach etlichen Tauchgängen hat er Erfolg.


Abgekämpft klettert er zurück an Bord.

Und wir finden unseren Hafen an der Stiefelspitze Italiens. Nur, etwas klein war er dann wohl doch, die nächste Tankstelle ist bestimmt fünf Kilometer entfernt. Ziemlich weit zum Laufen, besonders wenn man auch noch Kanister schleppen soll. Gut sagen wir uns, segeln wir eben weiter. Zwischenzeitlich ist uns Neptun, oder wer immer hier für das Wetter verantwortlich zeichnet, auch etwas freundlicher gestimmt. Mit gutem Wind und vollen Segeln geht es vorbei am Vulkan Ätna (leider im Dunst versunken) in die Straße von Messina zum nächsten Zwischenstopp. Diesmal ist der Hafen größer, wir schöpfen Mut, hier werden wir fündig. Doch denkste, ein netter Hafenpolizist erklärt uns, die nächsten zwei Tage sind sämtlichen Tankstellen geschlossen. Na, was soll denn so was? Die Odyssee setzt sich somit fort. Nur um ein paar Tropfen Diesel zu ergattern, steuern wir nun schon den dritten Hafen an. Mittlerweile haben wir auch keine so rechte Lust mehr, es wird bald dunkel, Eine Marina muss her. Nun stellt man sich den typischen Italiener ja eigentlich mit engen Radlerhosen, eingezogenem Bauch und Sonnenbrille vor. Ist aber nicht, jedenfalls nicht auf Sizilien. Hier kommt einer, dem fehlt anscheinend noch das nötige Geld für seine Ray Ben. Jedenfalls will er erst einmal 100 € für einen Liegeplatz. (für eine Nacht in einer, na ja… nicht ganz so luxuriösen Anlage) Oh, Oh! das teuerste was wir in der ganzen Welt überhaut gezahlt haben, waren, so nebenbei bemerkt, 60 kanadische Dollar. Und da gab es wirklich alles! Also hier schlafen wir dann schon mal nicht! Aber, gleich um die Ecke werden wir fündig. Moringbojen wie Sand am Meer. Festgemacht ist schnell und wir kommen zu unserer ruhigen Nacht. Dass diese klitzekleine Boje dann allerdings auch bloß Geld kostet… normal ist: so um die fünf Dollar. Hier sind es leider 50 €! hätte uns eigentlich klar sein müssen. Sonst allerdings finden wir alles, was wir für unsere Weiterfahrt noch so benötigen. Wassertanke und sogar unser Rigg bekommen wir endlich erneuert. Etwas abenteuerlich zwar, im Keller eines Bekleidungsgeschäftes werden wir nach längerem Herumfragen fündig. Hier steht die wahrscheinlich letzte Presse ihrer Art und nicht wir finden sie, der Besitzer dieses Oldtimers, durch unser Herumgefrage aufmerksam geworden, macht sich auf die Suche nach uns. Wir finden also zusammen - alles ist ok.

Vollgetankt verlassen wir Messina und weiter im Takt auf nach Sardinien (kurzer Zwischenstopp in Palermo- vorderes Navigationslicht kaputt) Eigentlich keine große Strecke, doch hier spielt uns doch wirklich das Wetter einen ernsthaften Streich - genau auf die Nasse und das auch noch heftig. Gegen den Wind kommen wir nicht an. Bleibt nur ein Abdrehen in Richtung Südwest. So kann aus Sardinien dann halt schnell auch Tunesien werden… Na, zum Glück braucht man dort keine Visa. Der Sturm schiebt uns rasant übers Meer und wir machen zum ersten einmal auf dieser Reise ein paar gute Meilen. (zwar nicht unbedingt in die richtige Richtung, ist aber eben nicht zu ändern) Nur unsere, neu vom Segelmacher instandgesetzte Genua scheint sich nicht so recht zu freuen. Sie bedankt sich mit einem recht heftigen Riss am Achterlieg.

Samstag dann kommen wir in Bitzerze, einer recht großen tunesischen Stadt an und sind etwas überrascht, die schon in den Karten verzeichnete Marina noch im Rohbau vorzufinden. Doch überhaupt kein Problem, der zuständige Bauleiter wundert sich zwar, hat nichts gegen uns, wir dürfen bleiben. Auch die örtliche Polizei sowie Zoll und die Einreisebehörde nehmen keinen Anstoß an uns, holen sich nur unsere Pässe und bringen sie abgestempelt zurück. Auch Kontakt ist hier schnell geknüpft, ein von der Bauleitung organisierter Kollege fährt mit uns zum örtlichen Schneider (immerhin nun schon Sonntag) und wir bekommen unser Segel in Null Komma nichts repariert. Nur mit dem Bier, da hapert es ein wenig. Zwar gelingt es uns eine, die wahrscheinlich einzigste Kneipe im Ort, zu finden. Sie ist geöffnet, es ist wider Erwartens ziemlich was los. Doch mit Nachschub für den Weg, da sieht es böse aus. Eine Tankstelle gibt es auch. So sind wir, man glaubt es kaum, Sonntagnachmittag, nach nur einem Tag wieder startklar. Die Polizei erscheint pünktlich inklusive sämtlicher Stempel und aller Papiere und, was wir überhaupt nicht verstehen, es kostet keinen Cent. Doch beinahe zu früh gefreut, wider Erwarten (sonst klappt hier doch alles…) meldet sich der an der Wassertanke über Telefon zu rufende Wachhabende leider nicht. OK, es ist ja mittlerweile Sonntagnachmittag. Gönnen wir ihm sein Wochenende. Wir fragen ein wenig herum und siehe da, ein tunesischer Franzose (oder umgekehrt) bietet uns sein Auto an, wir sollen doch zur nächsten Zapfsäule in die Stadt fahren, an Kanistern solls nicht hapern. Aufmerksam geworden, stößt auch noch ein neuer Politoffizier zu unserer Runde, es scheint Schichtwechsel gewesen zu sein und erklärt uns die Situation. Hier, so sagt er, ist der Sprit für Autos staatlich gestützt. Ausländische Boote dürfen leider nur im Hafen tanken (kostet das Doppelte). Doch, meint er, gerade jetzt im Augenblick eben, sieht und hört er erstaunlicherweise überhaupt nichts, auch sein Mund scheint verschlossen zu sei. Nur, wir sollten uns beeilen. Wir also los und zwei Fuhren später sind alle Tanks sowie Kanister gefüllt. (50 Cent) Und wieder freuen sich alle Beteiligten, wie gut es doch so klappen kann und Widererwartens bekommen wir nicht einmal unsere Dankeschönzigaretten an den Mann. Also- sage einer was er will, Tunesien ist augenblicklich wirklich ein nettes Land. Wir jedenfalls können nichts anderes dazu sagen. Sogar der hiesige Neptun meint es gut. Wir sausen unter Blister Ibiza entgegen.
Für Jochen geht dort morgen die, für ihn wohl recht anstrengende Reise zu Ende.



zurück in Griechenland


Da sollte man meinen, die letzten Meilen sind schnell gemeistert. Doch - wenn du denkst du hast´n, hupt er aus dem Kast´n!-
Das Mittelmeer jedenfalls empfängt uns mit Wind genau auf die Nase. Und wie soll es anders sein, natürlich auch nicht unbedingt zaghaft. Wir machen das Beste daraus und segeln so hart am Wind wie nur irgend möglich. Wobei allerdings unsere Blicke des öfteren auf unser angebrochenes Rigg schweifen. Uns wird doch nicht hier, so kurz vor dem Ziel, noch der Mast wegfliegen!
Doch -lange Rede kurzer Sinn - irgendwann kommt Kreta in Sicht. Zwischenzeitlich, sei noch erwähnt, beißt doch bei größtem Sturm und auch noch im Dunkeln der natürlich zu allem Glück, oder in diesem Fall Unglück, der größte Tunfisch aller Zeiten. Tassi freut es…
Durch die Landabdeckung ohne Wellen und diesmal sogar noch zu vernünftiger Tageszeit steuern wir nun den ersten für uns günstig gelegenen, überhaupt erreichbaren Hafen an. Laut Segelführer zwar etwas flach, doch das sollte gerade noch gehen, denken wir und wup, sitzen wir auf. Wie soll es anders sein, natürlich am besten Platz: genau mitten in der Einfahrt quer.


In jedem anderen Meer wäre das ja an und für sich überhaupt kein Problem, wartest du halt ein paar Stunden, irgendwann kommt schon die Flut. Doch hier, im Mittelmeer, da ist es nicht so sonderlich mit den Gezeiten. Doch wir haben Glück, ein Fischer kommt, und gemeinsam, mit sozusagen geballter Motorkraft bekommen wir unsere Perithia wieder flott. Ankern wir halt vor dem Hafen und versuchen, unser Dingi noch zu einer letzten Fahrt zu überzeugen. Mittlerweile sieht es bei ihm mit dem Durchhaltevermögen (Luft) nicht mehr ganz so gut aus. Man könnte annehmen, die Luft ist schneller wieder raus, als sie reingepumpt werden kann.


So steht unser Landgang dann doch etwas auf wackligen Beinen. Aber es geht's. Trockenen Fußes erreichen wir die erste griechische Taverne und damit sozusagen auch den ersten Ouzo.
Doch lange wollen wir uns hier nicht aufhalten, erstens sitzt uns die Zeit etwas im Nacken und zweitens herrscht an unserem Ankerplatz, außerhalb des schützenden Hafens ein gewaltiger Schwell. An schlafen ist fast nicht zu denken. Der nächste Hafen ist auch nur ca. 80 nm entfernt, das Wetter laut Wetterkarte ok.
So starten wir und laufen genau in den besten Sturm, den man sich hier so vorstellen kann. (soviel zu Wettercharts) Zu allem Glück müssen wir auch noch das südlichste Kap Kretas umrunden, was bei den dazukommenden Fallwinden wirklich alles andere als angenehm ist. Aber weit ausgeholt, kommen wir um die Kurve und haben schon einmal direkte Sicht auf unseren Zielhafen. Leider scheint der Wind alles daranzusetzen, uns den Weg dorthin so schwer wie irgend möglich zu machen. Unser Windmesser funktioniert genau bis 50 ktn Windgeschwindigkeiten, danach schaltet er ab. So können wir leider nicht einmal sagen, welchen Sturm wir da so durchsegelt sind. Doch wir kommen an, das Rigg hat gehalten und wir liegen sicher an der Mole. Es sieht ein wenig aus wie in Seward Alaska.


Wir schauen auf schneebedeckte Berge und so wirklich warm ist es auch nicht. Doch sogar das Internet funktioniert im Hafen. Und hier überschlagen sich dann auch die Neuigkeiten.
Wir erfahren von der amerikanischen Segelyacht QUEST: Vier Amerikaner -getötet von somalischen Piraten. Und wir lesen von der Entführung der dänischen ING. Diese Familie mit ihren drei Kindern haben wir des öfteren getroffen. Und natürlich haben wir uns auch mit ihnen über die Gefahr der Piraten unterhalten. (allgemeines Thema bei allen, die dieses Terrain queren wollen) Doch was sollten sie denn tun, der Weg zurück nach Hause führt nun einmal durch dieses Gebiet! Und wer hat schon das Geld, Bruce Willis oder Silvester Stalone zu seinem persönlichen Schutz anzuheuern. Bei uns ruft dies alles natürlich Erleichterung (wir haben es geschafft!) aber auch eine unsägliche Wut hervor.
Was soll das nur alles, die Dänen wie auch die Amerikaner haben den Somalis doch bestimmt nichts getan. Sie haben weder ihre Fischgründe(erstaunlicherweise vor jemenitischem oder Omanischem Gebiet…) geplündert, noch sonst irgendetwas mit diesen Leute zu schaffen. Und die zweite Frage, die sich stellt, wozu eigentlich das gesammelte Militär. Da werden Milliarden über Milliarden für militärischen Schutz ausgegeben und im Zeitalter der absoluten Überwachung gelingt es immer wieder einfachen Fischerbooten, ganze Öltanker zu kapern. Unseren Notruf jedenfalls hat niemand gehört. Wo, um alles in der Welt sind sie denn dann nur?
Aber es gab auch die besseren Neuigkeiten: Konnten wir doch auf einen Enkel anstoßen! ??
Was wir natürlich auch schnellstmöglich getan haben! Nur, die Welt ist doch komisch. Da war doch echt in der Nacht jemand auf unserem Boot, und hat später unsere Einkaufstüten auf der Mole verteilt…Ja ist man denn hier nirgends mehr sicher?
Frisch betankt und alle Vorräte aufgefüllt, können wir nun zum nächsten, vorletzten Abschnitt unserer griechischen Heimkehrtour starten. Diesmal mit einer moderaten 4 bis 5 Bft segeln wir bei strahlendem Sonnenschein Richtung Peloponnes. Früher immer etwas links liegen gelassen, entpuppt sich dieses Gebiet als eines der schönsten Segelreviere überhaupt.
Wir legen in Pylos, einem kleinen Städtchen an der Westküste an. Hier gibt es eine, bereits im Bau pleite gegangene Marina. Man liegt kostenlos, doch beinahe mitten in der Altstadt.


Aber viel Zeit bleibt uns leider nicht. Am 16.Maerz, unserem nun endgültigen Ankunftstermin, wollen wir doch wirklich nicht zu spät kommen.
Zuvor aber gilt es noch einen möglichst günstigen Liegeplatz für unsere PERITHIA zu finden. Preveza, das ist schon griechisches Festland ist somit unser Ziel. Von dort aus, 30 nm später werden wir dann nur noch einen letzten Stopp in Paxos, für uns einer der schönsten Häfen hier, einlegen. Wir denken, so kurz vor der Ankunft, sollte etwas Hausputz, nicht schaden. Dies werden wir dann dort erledigen.
Somit sind es im Augenblick aktuell noch 57 nm bis zum Ziel.



Aegypten


Und los geht's. Ohne Wind ist es schon mal besser, als mit Gegenwind. Durch ein Gewirr von kleineren Inseln, die, würden sie nicht unbedingt in Eritrea liegen, sehr schön sein könnten, geht es zurück auf das offene Meer. Leider sieht durch unseren etwas überstürzten Aufbruch aus Massawa unsere Versorgungslage an Bord allerdings nicht unbedingt rosig aus. Es ist wahrscheinlich weltweit einzigartig, dass ein Segelboot ohne ausreichende Wasservorräte aus einem Hafen gejagt wird. Der Sudan ist schnell gemeistert und um unsere Vorräte aufzufrischen, steuern wir den ersten ägyptischen Hafen Berenice an. Durch seine Lage zwar nicht unbedingt der beste Anlaufpunkt, aber: was will man tun? Etwas nervös sind wir schon, haben wir doch von anderen Seglern nicht unbedingt nur Gutes über die Ägypter gehört. Von extremer Abzockerei und dem unausbleiblichen Bakschisch ist natürlich wieder die Rede. Bevor wir in die riesige Bucht von Berenice einbiegen, immerhin müssen wir 20 nm bis ins hinterste Ende, begegnen wir dann auch schon der ägyptischen Navy. Und es ist, wie es immer zu sein scheint, ein paar Funksprüche später -wir erklären unseren Wasserengpass- kommt prompt die Aufforderung zu stoppen. `Na dies kann dann ja wieder heiter werden!` denken wir so für uns und halten erst einmal an. Warten scheint hier angesagt. Doch weit gefehlt! Es dauert nicht lange und wir bekommen Koordinaten, zu denen wir doch bitte kommen sollen. Dort werden wir auch schon von der Navy erwartet und sollen, um Wasser zu übernehmen, längsseits kommen. Wir staunen nicht schlecht, und sind natürlich hoch erfreut, denn dies erspart uns doch den riesigen Umweg in den Hafen.


So haben wir jetzt nur noch rund 100 nm bis zur nächsten Marina. Schnell meistern wir die nicht ganz einfache Einfahrt. Als stummes Mahnmal liegt hier eine gestrandete Segeljacht auf dem Riff.


Deutsche Segler wollten vor zwei Jahren bei einem Sturm Schutz in diesem Hafen finden. Dass dies die wirklich ungeeignetste Stelle dafür ist, konnten sie, mangelnder Karteneinträge, allerdings nicht wissen. Mitten in der völlig ungeschützten Einfahrt geht es um eine 90° Kurve. Wahrscheinlich an Deck alle Hände voll zu tun, hörten sie auch den warnenden Funkspruch der Hafenmeisterei nicht und hatten so, die Dünung schräg von achtern, kaum eine Chance. Na, wir kennen diese Einfahrten von der amerikanischen Westküste her zu Genüge. Dort ist es genauso wie hier am Ende wichtiger, die Augen achtern zu haben.
Im Hafen erfolgt jetzt eine der einfachsten Einklierung unserer gesamten Reise. Ein Beamter verschwindet mit unseren Pässen, stempelt sie ab und das war`s auch schon. Kein Besuch an Bord, nichts. Wir werden zu unserem Liegeplatz geleitet, vertäut und Ende. Wir staunen nicht schlecht. Wo um alles in der Welt sind nur die vielen unfreundlichen, aufs Geld versessenen Ägypter? Der Hafen ist angeschlossen an einen gewaltigen Hotelkomplex.


Nur, ist er durch die augenblicklichen politischen Unruhen völlig verweist. Kein Mensch. Wir zählen alles in allem vielleicht 10 Touristen. Schon etwas gewöhnungsbedürftig. Doch die Restaurants und Cafes sind geöffnet und wir genießen erst einmal unseren Aufenthalt. Weiter soll es in ca. drei Tagen bis nach Hurghada gehen. Dort wollen wir uns letztmalig verproviantieren. Der Weg nach Port Suez ist nicht mehr weit.
Leider zeigt uns das Rote Meer auf diesem Weg, was es so alles zu bieten hat. Der Wind bläst mit ca. 35 Knoten genau auf die Nase und die dazugehörenden Wellen geben ihr bestes. Kreuzen ist angesagt und vielleicht hätte man die Segelfläche etwas verkleinern sollen. Wir jedenfalls haben es etwas eilig und heraus kommt dabei ein gebrochenes Rigg. Doch wir kommen an und steuern die einzige, dafür aber Nigel-Nagel-Neue Marina Hurghada an. Also bis jetzt, könnte man sagen, so schlecht wie sein Ruf scheint Ägypten wohl gar nicht zu sein. Leider holen uns hier allerdings die politischen Unruhen ein. Im Hafen selbst ist davon zwar nichts zu spüren, nur dass uns jeder vom Rücktritt Mubaraks erzählt und darüber sehr glücklich zu sein scheint. Na, wir sehen das zurzeit mit gemischten Gefühlen - doch wir werden sehen. Jetzt sind es nur noch lächerliche 150 nm bis zum Beginn des Suezkanals.


Da das Wetter mitspielt, halten wir uns auch nicht sonderlich lange hier in Hurghada auf. Wir haben es eilig. Ohne Wind motoren wir das letzte Stück. Laut Segelführer sollten wir vor Einfahrt in den Kanal erst einmal im Hafenvorbecken ankern. Tun wir und warten auf den Lotsen. Und hier scheint dann auch das echte Ägypten zu beginnen. Wir werden von einer Barkasse abgeholt und in die Marina geleitet. Nun denke man nicht etwa, dass dies eine einfache Angelegenheit ist. Weit gefehlt! Die ersten und auch die letzten Worte aller Lotsen sind: "Gib mir eine Schachtel Zigaretten!" Wir jedenfalls, die wir nicht so unbedingt auf dieses stehen, ignorieren standhaft alle Zurufe. Doch endet dies nicht etwa in: `Na dann eben nicht!` Nein! Hartnäckig liefert uns unser Lotse eine Verfolgungsjagd und wir verbringen doch tatsächlich einige Zeit damit, uns seiner doch stellenweise recht gewagten Andockversuche bei voller Fahrt zu erwehren. Und leider setzt sich dieses Gebaren überall fort. Jeder, der etwas mit Touristen zu tun hat, versucht hier gnadenlos, irgendetwas herauszuschlagen. Egal wie gut der Handel schon war, es muss immer noch etwas mehr sein. Erst wollten wir ja den Berichten anderer Segler nicht glauben. `Selbst Schuld…` dachten wir. `Müssen sie halt aufpassen!` Doch weit gefehlt! Jeder, aber wirklich jeder, der länger etwas mit Touristen zu tun hat, versucht diese gnadenlos zu betrügen oder auszunehmen. Für alles und jedes ist ein Bakschisch fällig. Und am Ende, nach Abschluss eines Geschäftes geht es dann erst richtig los. Es wird gebettelt, was das Zeug hält - fordernd und sehr unangenehm. Und dazu kommt noch der Dreck. Wir waren nun wirklich schon in vielen Ländern dieser Welt. Doch dies hier übertrifft so einiges: Müll, wohin man schaut.


So sind wir jedenfalls recht schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet und konzentrieren uns auf unsere Passage. Leider ist dies allerdings nicht ganz so einfach, wie gedacht. Durch die politischen Unruhen steht das Land, so scheint es, kurz vor den ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen. Das Militär, das die Regierung übernommen hat, ist zwar im Augenblick von der Bevölkerung noch hoch gelobt.


Doch so wirklich viel scheint nicht zu fehlen; jederzeit koennte die Lage außer Kontrolle geraten. Und Ausländer sind im Augenblick auch nicht so unbedingt willkommen. Für uns bedeutet das; wir tapern von einer Passkontrolle in die nächste. Gerade einmal, dass man uns nicht nach Hause schicken kann. Dummerweise haben wir halt ein Visa. Doch die allabendliche Ausgangssperre (mittlerweile von 24.00 auf 20.00 bis 6.00 Uhr vorverlegt) sollte man doch lieber einhalten. Nun sitzen wir also am Eingang des Kanals, ca. 80 nm vor dem Mittelmeer und werden vom Militär ausgebremst. Da ständig Kriegsschiffe den Kanal passieren, bleibt dieser für uns leider geschlossen. Doch, wer wartet, gewinnt. So auch wir! Irgendwann haben wir das ok und ab geht es quer durch die Wüste.


Über die Lotsen, zwei an der Zahl, gibt es dann auch nicht wirklich etwas zu erzählen. Beide - so ihre Aussage - sind die besten und egal, was du gibst, es ist immer zu wenig! (Allgemeineinschätzung für Ägypten) Aber egal, hier werden wir nicht wieder herkommen.
Vor uns öffnet sich das Mittelmeer, wir haben es geschafft und sind beinahe zu Hause. Ca. 380 nm sind es bis Kreta - unser erster Anlaufpunkt in Europa. Wir freuen uns auf einen echt griechischen Ouzo und Souvlaki.



Eritrea


Unser Ziel heißt nun erst einmal Massawa in Eritrea. Dort soll es laut Berichten anderer Segler sehr schön sein: freundliche, aufgeschlossene und sehr fleißige Menschen, nette Strassencafes, fast italienisches Flair. Nach unserem omanischen Trockengebiet scheint dies für uns (mich) das Paradies.
Der Wind frischt weiterhin auf, mittlerweile bläst er mit ordentlichen 8 Bft von achtern. Schneller kann man dann wirklich nicht mehr segeln. Mit einem klitzekleinen Stück Genua (das Sturmsegel bekommen wir bei diesem Wind bezeichnenderweise nicht mehr hoch) sausen wir mit stellenweise 12 ktn durchs Wasser.
Schlecht ist nur, wir müssen ständig sämtliche Luken incl. des Niedergangs geschlossen halten. Durch die Strömung und das hier noch recht flache Wasser bilden sich teilweise gigantische Wellen, die dann doch des öfteren im Boot landen. Da wird's schön warm und kuschelig im Salon. So sausen wir die letzten 300 nm im Schnellgang und kommen - wie ja eigentlich meistens - des Nachts an unserem Zielort an.
Eine unbekannte Hafeneinfahrt in der Nacht ist allerdings nicht so unsere Sache. Man weiß nie so genau, was kommt da auf einen zu. Verschieben wir dies lieber auf den nächsten Morgen. Inseln zum ankern gibt es hier ja zum Glück genug. So suchen wir im letzten Tageslicht eine Bucht und lassen erst einmal den Anker fallen. Also schön ist es hier wirklich. Wir stehen inmitten von Korallen und freuen uns schon auf das morgige Schnorcheln.
Nur gefreut haben sich anscheinend auch die hiesigen Fischer. Mangels Motivation, das täglich Brot mit althergebrachter Fischerei zu erwerben, scheinen sie hier auf den ertragreicheren Nebenjob der Piraterie umgesattelt zu sein.
So dauert es dann am nächsten Morgen auch nicht lange, und wir erhalten Besuch. Noch nichts Schlechtes ahnend, winke ich sogar noch. Nur - als ich dann die Kalaschnikow im Boot erspähe, wundere ich mich dann doch etwas. Karbid könnte ich ja noch verstehen, aber was um alles in der Welt will ein Fischer mit einem automatischen Gewehr???
Zum Glück sind wir vorbereitet. Old Gun Stick ist schnell geholt und so warten wir erst einmal ab, wie sich die Dinge so entwickeln. Doch recht schnell wird klar, hier ist gar nichts klar. Ich lade also lieber schon mal durch und postiere mich an geeigneter, bewährter Stelle.
Auch unser Fischerpirat erkennt zum Glück recht schell, dass er nicht unbedingt die beste Position inne hat und weiß anscheinend nicht so recht, was er nun tun soll. Wir lächeln uns also beide an, winken noch einmal und er legt wieder ab. Jetzt dürften die Fronten doch eigentlich geklärt sein, sollte man meinen. Wenn also endlich Ruhe eingekehrt ist, können wir ja nun wie geplant ans Schnorcheln gehen.
Doch weit gefehlt, ich habe gerade mein Duschzeug ausgepackt, da sehen wir unsere verhinderten Piraten schon wieder Kurs auf uns nehmen. Sie haben anscheinend Verstärkung geholt. Nunmehr zu dritt verkompliziert das die Angelegenheit allerdings gewaltig.
Etwas näher, sehe ich, die haben ja wirklich nachgerüstet! Nun - bewaffnet mit zwei Schnellfeuergewehren und sage und schreibe einer Panzerfaust sind sie jetzt aber wirklich nicht mehr zu unterschätzen.
Und wir haben immer noch kein blaues Licht… Sie kommen also näher, und ich dirigiere sie erst einmal an unser Heck. Dort habe ich, wie gesagt, den besten Überblick und kann recht gut in ihr Boot schauen. Dann geht alles sehr schnell: Alle lächeln, um auch wirklich keinerlei böse Absichten anzudeuten.
Nur ihr dritter Mann greift langsam wie nebenbei zu seiner Waffe. Hat er die erst einmal in der Hand, dann war`s das wohl für uns. Doch Old Gun Stick ist schneller. Ich lege an und deute so ihrem Rambo, er solle dies doch lieber bleiben lassen. So mittenbei überlege ich noch: "Was um alles in der Welt wollen die denn nur mit einer Panzerfaust? Benutzen sie sie, haben sie doch nichts mehr zu rauben. Was soll das also hier?" Kathrin rufe ich zu, sie soll lieber schnell zum Funkgerät und ihr May-day funken.
Dies scheint dann allerdings auch unsere Angreifer etwas zu irritieren. Ihre Obrigkeit wollen sie bei ihrer Nebentätigkeit allem Anschein nach nicht unbedingt beteiligt wissen. Sie drehen langsam ab und ich verfolge mit Old Gun Stick jede Bewegung die sie tun - und noch immer lächelnd, verabschieden wir uns. Das war also jetzt wirklich nicht mehr so gut! Wir ziehen so schnell es geht unseren Anker ein und nehmen erst einmal Kurs auf offenes Wasser. (so viel zum Schnorcheln!)
Ein drittes Mal gut gegangen!!!
25 nm vor Massawa. Das dürfte es ja nun langsam gewesen sein. Statistisch gesehen, sollen nun die nächsten Segler an der Reihe sein. Somit kann ich also mein Rasierzeug wieder hervorholen und mich sozusagen ausgehfein machen. Kathrin sagt, ich sehe schon aus wie ein alter Waldschrat. Wir sind echt gespannt, wie es so aussieht, in Eritrea. Wie gesagt, von anderen Seglern haben wir nur Gutes gelesen. Allerdings sind die Berichte auch schon 10 Jahre alt. Na, lassen wir uns überraschen.
Vor der Hafeneinfahrt melden wir uns ordnungsliebend, wie wir nun einmal sind, zuerst beim Hafenmeister. Dieser weist uns auch sofort unseren Liegeplatz zu. Und wir staunen, wir sind noch nicht einmal alleine. Eine französische Yacht liegt an der Mole. Die Einklarierung ist kostenlos, und geht ruck-zuck über die Bühne. Auch bekommen wir einen so genannten Showpass, der uns zu 48 Stunden Landgang berechtigt.
Gut gelaunt stürzen wir uns ins Gewühle. Und landen erst einmal im einzigen und somit größten Grand Hotel. Dort treffen wir natürlich auf unsere Segelnachbarn. Es wird, wie soll es anders sein, ein lustiger Abend. Typisch französisch haben sie jede Menge Wein an Bord, wir noch unseren zuletzt geangelten, für uns alleine viel zu großen Thunfisch. (und Gin)
Der nächste Tag beginnt dann allerdings mit Einkaufsstress. Ein Taxi bringt uns in den nächsten Supermarkt. Die Fahrt ist nicht weit, doch so langsam beginnen wir, die Umgebung genauer zu betrachten. Ruinen und Schutt. Es gibt eigentlich kaum Intaktes, und was noch so halbwegs an Gebäuden erhalten geblieben ist, hält sich mühevoll irgendwie selbst zusammen.


Unser Supermarkt entpuppt sich dann leider auch als die reinste Katastrophe. Also - entweder haben wir als Ausländer andere Preise oder die Eritreer sind recht wohlhabend. Wir jedenfalls warten mit dem Einkaufen lieber erst einmal ab. Unsere französischen Freunde dafür übernehmen wahrscheinlich das Monatseinkommen einer mittleren Familie, indem sie ein paar Flaschen Wasser und ein paar Eier erstehen. Auch unser Taxifahrer möchte natürlich die nächste Woche nicht mehr arbeiten. Braucht er seiner Rechnung nach auch nicht mehr. Freudig überreicht er noch seine Visitenkarte, er wäre der beste, behauptet er voller Überzeugung.
Immerhin finden wir ein Internetcafe, welches zu moderaten Preisen die Verbindung zum Rest der Welt verspricht. Es ist das einzige hier in der Stadt. Noch nicht einmal das Grand Hotel verfügt über eine diesbezügliche Lizenz. Nur mit den Bits und den Byts hapert es etwas. An einen Webseitenaufbau, etwa bei der Hausbank ist überhaupt nicht zu denken. Mit Mühe und Not ein oder zwei winzige Mails, dann ist aber auch schon Schluss. Doch das ist ja schon mal besser als überhaupt nichts.
Doch alles in allem, sind wir doch etwas überrascht. So richtig schön, wie anfangs gedacht, ist es hier dann doch nicht.
Alles ist entweder verfallen, oder kurz davor. Die Menschen unglaublich gleichgültig und teilnahmslos. Bereits an unserem ersten Abend ist uns aufgefallen: es lacht keiner, niemand schaut den anderen an, es ist, als wenn jeder für sich langweilig von A nach B läuft oder eben gleich am Straßenrand sitzen bleibt, allerdings immer mit dem Handy in der Hand. Und es ist das Land der Waffen. So viele Gewehre habe ich, glaube ich, noch nie auf einen Haufen gesehen. Durch ihren Bürgerkrieg vor nunmehr 17 Jahren, sollte man meinen, hätten sie genug von der Gewalt. Doch so nicht hier. Überall laufen oder sitzen Leute, die MPi unterm Arm.
Wir jedenfalls sowie auch unsere Nachbaryacht haben nicht unbedingt das beste Feeling hier, wir wollen lieber weiter. Ein Visa wollen wir nicht.
Gesagt getan: wir haben einen Pass bis 17.00 Uhr, verständigen wir unseren zuständigen Officer über unsere geplante Abreise. Nebenher - das Internetcafe öffnet leider erst 17 Uhr, beantragen wir eine kurze Aufenthaltsverlängerung, um noch eine Mail nach Hause zu schicken dass alles in Ordnung ist und wir weiter fahren werden. Kein Mensch kann allerdings ahnen, was aus dieser klitzekleinen Mail noch so alles entstehen sollte…
Wir sollen völlig überraschend noch genügend Gelegenheit finden, uns mit den eritreischen Gebräuchen und Geflogenheiten vertraut zu machen. Wunderbar - beinahe wird sogar noch ein 30 tägiger Urlaub daraus.
Mit oberster Erlaubnis wartet Kathrin also, dass die Türen des Cafes sich öffnen. Ich mache derweil das Boot klar und besorge die Ausreisepapiere. Alles ist beisammen und bezahlt, der zuständige Beamte erscheint zur Endkontrolle. Oder besser gesagt, zum Empfang seines Bakschischs. Und hier beginnt dann die Misere. Und zum ersten Mal wird wieder einmal recht deutlich: Aha, wir sind in Afrika; dem Kontinent, auf dem so vieles nur entweder mit Bakschisch, Machete oder mit einer Kalaschnikow erledigt wird! Was auf diese Weise nicht zu meistern ist, das bleibt dann eben liegen und wartet auf die Hilfe der Vereinten Nationen…
Auf Bestechung jedenfalls, stehen wir, abgesehen davon, dass wir gar keine Doller mehr haben, nicht so unbedingt. Außerdem haben wir unsere Papiere beisammen, was soll also geschehen? Dachten wir jedenfalls! Kein Geld für den Officer bedeutet aber, keine Ausreise! Er schnappt sich meinen Pass, cancelt den Ausreisestempel, verschwindet und ward nicht mehr gesehen.
Etwas verwirrt, überdenken wir das Geschehene. Es ist eine an sich etwas vertrackte Situation. Theoretisch besitzen wir die Clearoutpapiere für unser Boot. Kathrin ist laut Pass schon weg und ich sitze den Stempeln nach noch hier. Derweilen beziehen, wen wundert es, auf der Mole einige Soldaten Stellung. Wir kennen diesen Anblick, sind somit also nicht sonderlich beunruhigt. Nur - "was tun?" ist hier die Frage.
Der Liegeplatz kostet 15 US $ am Tag. Haben wir nicht mehr und einen Geldautomaten gibt es hier in dieser Stadt nicht. Also werden wir wohl spätestens morgen Probleme bekommen. Dann doch lieber Plan B, legen wir erst einmal ab und suchen uns besser einen kostenlosen Ankerplatz. Damit wäre die Frage der Doller schon einmal geklärt. Sollten wir es allerdings zur Hafenausfahrt schaffen, auch nicht schlecht. Denken wir uns jedenfalls. Gesagt getan und Leinen los, bringt leider sofort die Navy auf den Plan.
Wären die doch mal bei den Piraten so schnell gewesen! Ankern ist nicht, wir sollen wieder zurück an unseren alten Liegeplatz. OK, legen wir halt unverrichteter Dinge wieder an und harren, nichts Böses ahnend, der Dinge die da noch so kommen werden.
Und sie kommen, in Form eines Polizeiwagens am nächsten Morgen. Es hält ein Pickup vor unserem Boot. Ein Haufen Leute springt heraus, geben uns zu verstehen, wir sollen sofort alles verschließen und mit ihnen kommen. Jetzt sollte man meinen, es wären wenigstens Uniformen im Spiel, doch weit gefehlt. Einzig die Handschellen lassen auf die Ordnungsmacht schließen. Wir jedenfalls auf die Pritsche und ab geht die Fuhre zum nächsten, zum Glück gleich um die Ecke gelegenen Polizeirevier. Dort angekommen, löst sich unser Bewacherteam schnell wieder auf und wir werden von einem recht jungen Polizisten in Turnhosenuniform begrüßt.
Nur langsam begreifen wir, er wurde geweckt, und sieht es nicht unbedingt als notwendig sich nun wegen uns auch noch umzuziehen. Zumal - es ist Sonntag. So richtig versteht er allerdings nicht, was er nun um alles in der Welt mit uns anfangen soll. Er fragt also erst einmal, was denn das Problem wäre. Doch ein Protokoll sollte gemacht werden. So vergeht der Sonntag, und wir haben reichlich Gelegenheit das Leben auf dieser Wache zu studieren. Es ist entmutigend!
Eigentlich passiert überhaupt nichts. Anwesend sind vielleicht 7 oder 8 Polizisten. Sie haben ein paar Stühle (zumindest waren es vor dem Bürgerkrieg einmal welche) herausgestellt und sitzen im Schatten. Wandert die Sonne, dann wandern auch die Stühle incl. der Polizisten. All dies bewegt sich in einer derartigen Geschwindigkeit, dass die Gefahr besteht, der Schatten eilt noch davon. Der Sonntag neigt sich so langsam dem Ende entgegen, unser Polizist hat Feierabend und wir sind somit wieder frei.
Nun allerdings ist Warten angesagt. Mit seiner unglaublichen Geschwindigkeit benötigt unser Schriftführer doch sage und schreibe 4 Tage, um unser benötigtes Protokoll (1 A4 Seite) zum Abschluss zu bringen. Leider auf eritreisch, was natürlich kein Mensch lesen kann. Womit wir, verständlicherweise ein kleineres Problem bei der abschließenden Unterschrift haben. Denn eins muss man den hiesigen Beamten lassen. Sie sind zwar recht nett, doch Widerspruch egal welcher Art können sie beim besten Willen nicht verknusen. So unterschreiben wir halt mit dem Vermerk, wir können es weder lesen noch verstehen. Er kann es zum Glück auch nicht und alle sind wieder zufrieden. Alles fertig, marschieren wir mit unseren Papieren unterm Arm auch sofort zum örtlichen Schnellgericht. Hier ist schnell allerdings richtig. Es bedarf ca. 5 Minuten, und wir werden, von was auch immer, freigesprochen.
Glücklich und zufrieden marschieren wir in den Hafen zurück, um nun unsere Ausreisepapiere das zweite Mal zu erstehen. Doch weit gefehlt. Der zuständige Beamte (es ist leider der Vorgesetzte unseres Bakschischofficers) ist der Meinung, wir hätten dringend erst einmal 30 Tage Urlaub verdient. Ohne sein Visa für 60 US$ keine Ausreisepapiere.
Na, nun reicht es aber langsam, wir lassen uns doch hier kein Zwangsvisa aufdrängeln! Diskussionen Hin und Her führen zu absolut überhaupt nichts. In typisch eritreischer Manier lässt er uns stehen und widmet sich weiter seiner Zeitung. Wir werden also wieder einmal unsere Botschaft bemühen. Doch irgendwie scheint ihm dies dann auch nicht so recht zu behagen. Ohne jeglichen Kommentar knallen die nötigen Stempel in unsere Pässe, wir werden zum Boot eskortiert, los die Leinen und ab geht die Fuhre.
Dies war dann so ungefähr die unfreundlichste Verabschiedung aus einen Land überhaupt. Keine Frage: "seid ihr seeklar?" oder ähnliches. Noch nicht einmal Wasser dürfen wir bunkern. Doch uns ist es egal, nur weg hier! Wir verlassen fluchtartig den Hafen und werden uns halt unterwegs bei der ägyptischen Navy um alles Nötige kümmern. 530 nm sind ja nun wirklich nicht sehr weit.



Phuket über Sri Lanka bis zum Roten Meer


Problemlos erreichen wir Phuket und steuern erst einmal in die einzige uns bekannte Marina. Ziemlich abgelegen, doch dafür recht nahe beim Flughafen gelegen. Unser Besuch weiß das zu schätzen, will er doch von hier aus wieder nach Hause fliegen. Für uns allerdings ist es zu weit zur eigentlichen Stadt. Wir segeln also, kaum wieder allein, zurück und lassen unseren Anker inmitten vieler anderer Segler direkt in der riesigen Bucht direkt vor Phuket fallen.


Das Problem; wie mit unserem immer noch kaputten Dingi an Land kommen, verschieben wir auf später. Und siehe da, man will`s nicht glauben, wie klein ist doch die Welt. Da haben wir inmitten von vielleicht einhundert Yachten genau neben dem einzigen Bekannten, den wir hier haben, den Anker fallengelassen. Willi, ein hier lebender Kanadier, den wir in Tahiti das erste mal getroffen haben, kommt auch sofort an Bord. So ist zumindest die Frage des, wie kommen wir an Land, erst einmal auf das einfachste geklärt. Aber nicht nur gute Neuigkeiten gibt es. Willi erzählt uns, dass Maik, ein Amerikaner und gemeinsamer Bekannter von uns, vor Australien auf das Great Barrier Reef gelaufen und sein Boot innerhalb einer Stunde gesunken ist. Zum Glück ist er selber noch rechtzeitig von einer anderen Yacht gerettet worden. Wir hatten ihn zuletzt in Vuda Point auf Fidschi getroffen. Er hatte sich gerade eine neue Ankerwinsch aus den Staaten schicken lassen und schnitzte, da sie nicht so richtig passte, eines seiner Frühstücksbretter als Abstandshalter zurecht. Schade, denn nun ist alles recht weit unten auf dem Meeresboden verloren. Er jedenfalls ist auf dem Weg hier her. Vielleicht treffen wir ihn ja noch. Phuket selbst, wir werden hier auf den hoffentlich irgendwann einsetzenden Nord-Ost-Monsun warten, ist die reinste Touristenstadt. Kneipen en masse, junge Thailänderinnen und wieder Kneipen. Doch, entgegen aller Erwartungen, unheimlich freundlich. Ich kann schon verstehen, was viele zum Hier bleiben verführt…
Um uns etwas von der Umgebung anzuschauen, mieten wir einen Motorroller fuer 2,50 € am Tag.


Eine recht aufregende Angelegenheit. Jeder hier fährt so ein Ding. Es ist ein rechtes Gewimmel. Nur wenn du in der gleichen Geschwindigkeit im Strom schwimmst, ist es ganz angenehm und auf alle Fälle besser als mit dem Bus. So vergehen die Tage, und so langsam aber sicher zieht es uns weiter.
So lichten wir mit dem ersten Wind der uns günstig erscheint den Anker und nehmen Kurs auf die Nikobaren. Diese zu Indien gehörenden Inseln liegen ca. 400 nm von hier direkt auf dem Weg nach Sri Lanka und bieten sich deshalb geradezu als Zwischenstopp an.
Leider entpuppt sich unser günstiger Wind recht schnell als ausgemachte Flaute. Man soll halt nicht unbedingt auf den Wetterbericht hören. So bleibt nur der Motor und pünktlich nach 3 Tagen laufen wir fröhlich in Great Nicobar Island, der südlichsten der indischen Inseln ein. Leider aber ohne Visa. Das Begrüssungskomitee steht dann auch alsbald bereit, um unsere Leinen entgegenzunehmen. Wahrscheinlich jedoch ist die hiesige Kommandantur gerade erst von einem Erfahrungsaustausch mit ihren kamtschatkanischen Kollegen zurückgekehrt. Freundlich wird uns das Anlegen erlaubt, genauso freundlich werden zwei Wachposten am Pier postiert und wir sitzen wieder einmal fest.


Kommt uns doch irgendwie bekannt vor. Da wir wegen des fehlenden Visas nur zum Tanken und Wasser auffüllen einen Notstopp einlegen mussten, machen wir uns somit keine Sorgen. Wir kennen das ja schon, fassen uns also in Geduld und warten erst einmal ab. Drei Tage lang, bei Dauerregen, passiert nichts. Das Dorf sehen wir zwar von der Ferne, doch so richtig einladend sieht es nicht aus. Schade um die verlorene Zeit. Dann - es ist Freitag und wenn heute nichts passiert, dann sitzen wir hier übers Wochenende fest - lasse ich mich zur Kommandantur fahren. Mal sehen, ob vielleicht etwas Aufregung ein wenig Schwung in die Angelegenheit bringt. Doch unnötig. Wie von Zauberhand erscheinen plötzlich die nötigen Papiere und wir werden regelrecht aus dem Hafen herauskomplimentiert. Uns ist`s recht, wir haben einen halben Tank voll Diesel, ein paar Zigaretten und wir haben Sonnenbrillen…
Der Wind hat zwischenzeitlich aufgefrischt, wir setzen also unseren Blister und los geht's, die letzten 800 nm. Früher haben wir dieses doch recht umständlich zu bergende Segel nachts immer eingeholt. Nur - haben wir aber in Bali einen sehr netten Segler getroffen. Er ist in Pension, als Einhandsegler unterwegs und dazu noch der erste Dialysepatient mit neuer Behandlungsmethode, der auf den Ozeanen unterwegs ist. Er jedenfalls, hält es nicht für nötig, seinen Genaker des Nachts einzuholen. Nun - dann sollten wir das ja wohl zu zweit, leider ohne Pensionsanspruch und zum Glück gesund, erst recht schaffen! Jedenfalls bleibt er oben und wir kommen somit recht schnell zum Ziel. Nur einen Klüver müsste man haben! Mit unserer momentanen Segelstellung eigentlich unverzichtbar. Die Erfahrung zeigt, der Genaker muss unbedingt weiter nach vorne. So nimmt das Main ihm den Wind und es ist recht schwierig, beide Segel gut zu stellen. Aber, lernen wir halt dazu und was nicht ist, kann ja noch werden.
Sri Lanka kommt in Sicht und wir, da mittlerweile dank des Aufenthaltes bei unseren indischen Freunden ohne Zigaretten, steuern in den ersten für uns erreichbaren Hafen. Zum Glück ist es Abend und Wochenende. Somit bleibt mein pflichtgetreuer Funkspruch an die Port-controll so wie das: "Hallo wir sind da!" unbeantwortet. Also - was können wir noch tun, wenn uns keiner antwortet? Anker runter und gut ist. Ich mach schon mal das Dingi klar (bis zum Strand und zurück wird es schon halten) und ab geht es an Land. Und ich muss schon sagen, mein erster Eindruck lässt mich staunen. Ich komme mitten in der Nacht im Schlauchboot an den Strand getuckert und sofort erscheinen Fischer um mir beim an Land ziehen zu helfen. Die übliche Frage wäre jetzt die nach Zigaretten. So aber nicht hier. Sie erfahren, dass ich so mitten in der Nacht nichts habe, also geben halt sie. Bier wird geholt (8,8%) und es ist ein lustiger Abend. Hier bleiben wir dann auch über das Wochenende.


Aber am Montag müssen wir unbedingt weiter. Wir sind nicht einklariert und somit illegal. Nicht auszudenken, was passiert, so uns die Behörden hier erwischen. Der nächste offizielle Hafen liegt nur 50 nm entfernt. Zum Glück haben wir einen Segelführer, den wir auch ab und an zu Rate ziehen: Unser Zielhafen Galle ist nur bei Tag anzulaufen. Vorher muss unbedingt der Hafenkommandant benachrichtigt werden und wir benötigen einen Agenten. Gut zu wissen. Wir nähern uns also, wie üblich, mit Einbruch der Dunkelheit, sagen Bescheid und bereden über Funk auch, was weiss ich alles mit unserem neu engagierten Agenten. Rein, in die dem Hafen vorgelagerte Bucht, kommt uns auch schon ein Boot der Navy entgegen um uns zu unserem Ankerplatz zu geleiten. (Welch ein Service…) Und am nächsten Morgen, Funk hin und her, bekommen wir Besuch vom Zoll. Nichts Illegales an Bord zu finden, ok wir dürfen einlaufen. Man zeigt uns den Weg, die Leinen werden entgegengenommen, wir sind fast da. Und jetzt erscheint sogar unser Agent, der ja alles bestmöglich für uns regeln will.


So geben sich die Beamten recht zügig die Klinke in die Hand, unsere Old Gun Stick bekommt eine Plombe, unser Agent 225 US$, fertig. Und so nebenbei erfahren wir noch, es ist striktenst verboten, außerhalb dieses Hafens zu ankern. Na zum Glück war ja Wochenende. Über Galle, eine wahrscheinlich typische Sri Lankanische Stadt gibt es nicht viel zu sagen. Eine alte Hafenstadt, früher einmal portugiesisch und holländisch mit einem imposanten Fort, freundliche Leute, buntes Treiben und die üblichen nicht immer ganz ehrlichen Taxi, hier Tuk-Tukfahrer. Leider können wir uns aber vom Land selber nicht all zu viel beschauen. Wir haben zwar ein 30 Tage Visa, können also sehr wohl überall hin. Nur zählt der Hafen leider nicht unbedingt zu den sichersten seiner Art. Wir können unsere PERITHIA also nicht über längere Zeit unbeaufsichtigt lassen. Da wir aber nirgends anders ankern dürfen, was soll man tun, bleiben wir halt hier. Andere Segler sind schon da, die Bluewater-Rallye wird erwartet, und alle warten auf die günstigste Zeit, den Törn ins Rote Meer zu starten. Die Route ist wegen der Piratengefahr organisiert und soll über die westindische Hafenstadt Cochin führen. Uns ist der Umweg allerdings zu weit. Außerdem sind wir der Meinung, ein Konvoi aus vielleicht 20 Yachten, noch dazu im Internet nachlesbar, fällt viel mehr auf als ein einzelnes Boot. Wir werden sehen.
Pünktlich am 31.12. 2010 nach eingehenden Wetterstudien starten wir dann auch. Immerhin liegen, so alles gut klappt, ca. 2500 nm bis nach Ägypten vor uns. Notfalls können wir allerdings noch im Oman oder in Eritrea stoppen. Die Wetterkarte sagt jedenfalls: alles ist gut! und wir laufen erst einmal in den schönsten Gegenwind hinein. Aus einer angesagten 3 bis 4 Bft von Nord-Ost ist über Nacht eine 5 bis 7 Bft von Nord-West geworden. (genau da wollen wir hin) Was bleibt uns also anderes übrig? Wir kreuzen hin und her und kommen eigentlich nicht so recht vom Fleck. Ein zweiter Vorstag wäre jetzt ganz nützlich. Wer hat schon Lust bei 25 ktn Wind auf dem Vordeck rumzuopern, und die Genua gegen ein Solent auszutauschen. Na, ich jedenfalls nicht! Irgendwann dreht der Wind etwas, und wir kommen so leidlich an unseren Kurs heran. Über Backbordbug segeln wir bei 6 bis 7 Bft recht schnell (und recht schräg) und auch wenigstens etwas in Richtung Westen. Aber wir verlieren trotz allem Meile für Meile an Höhe. Wenn das so weiter geht, kommen wir noch, was wir ja eigentlich vermeiden wollten, direkt an der somalischen Küste heraus. Da sich die Windrichtung ständig ändert, rettet uns wieder einmal unser Windpilot. Durch ihn liegen wir immer so hart wie möglich am Wind und verlieren auch bei einer Änderung auf etwas mehr Nord keine wertvolle Meile. Die Malediven erreichen wir so zwar im Zeitplan, aber eben viel zu südlich. Es erinnert uns an die Südsee. Atolle in allen Größen.


Weiße Strände und Palmen. Wie auf den Postkarten, die man so kennt. Vor einer kleineren unbewohnten drehen wir bei, warten den Morgen ab. Direkt am Strand rasselt der Anker dann in den Sand. Kathrin nutzt unseren Stopp, um ihre viel zu geringen Muschelbestände aufzufüllen… Dies vollbracht segeln wir, jetzt mit mehr Tiefgang und besserem Wind weiter in Richtung Nord West. Hinein in die größte Flaute aller Zeiten. Hier regt sich aber auch überhaupt nichts. Das Meer ist wie ein Spiegel.


Zwei Tage tuckern wir also im Schneckentempo so vor uns hin. Kaum zu glauben, wie ruhig es doch sein kann. Doch irgendwann kommt auch hier der Wind zurück. Und wenn, dann gibt er gleich alles. 25 bis 30 ktn schieben uns voran. Besser hätte es sich nicht entwickeln können. Wir haben es etwas eilig, deshalb bleiben die Segel ungerefft. Das ist zwar etwas schräg, doch wir machen ordentlich Fahrt. Mittlerweile, später überlegen wir - wieso eigentlich? - haben wir uns entschlossen, im Oman einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. (Dem Himmel sei Dank für diese Entscheidung, nur kann das bis jetzt natürlich noch niemand wissen) Somit nehmen wir Kurs auf Salalah, dem einzigen für uns in Frage kommenden Hafen. Kaum angekommen, wir melden uns ordentlich über Funk und werden bestens in den Hafen geleitet, geraten wir allerdings ein wenig ins Zweifeln. Ein Industriehafen, Container wohin man schaut.


Und Sand und Staub! Kaum ist der Anker gefallen, beschließen wir auch schon, wieder zu fahren. Doch so leicht wie gedacht, ist dies hier bei unseren muselmanischen Freunden auch wieder nicht. Einmal im Hafen, bedeutet dies, ein- und ausklarieren ist Pflicht. Dazu allerdings benötigt man einen Agenten, welcher wiederum 350 US$ veranschlagt. Wir jedenfalls sind für das erste einmal recht verärgert, wissen wir ja noch nicht, dass alles auch so seine Vorteile haben kann. Eine andere Yacht liegt noch vor Anker und wir kommen natürlich recht schnell ins Gespräch. Es sind Engländer, die ihr Boot nach einer Kollision im Oman haben reparieren lassen. Nun warten sie auf ein Paar andere Segler, um das Piratengebiet zusammen zu durchqueren. Vier Tage insgesamt sind wir so nun schon im Hafen. Mittlerweile haben wir einige Omanis sowie Philippinos kennen gelernt. Es ist erstaunlich, wie freundlich und hilfsbereit doch alle sind. Jeder, mit dem wir ins Gespräch kommen, versucht in irgendeiner Form zu helfen. So bekommen wir unser Wasser von einem Frachter. Dazu packt der Koch natürlich gleich noch Kaffee und Wurstkonserven sowie tonnenweise Wasserflaschen. Nur eben kein Bier. Das gibt es zwar im Hafenladen auch, doch haben die Hersteller leider den Alkohol vergessen. Und alkoholfreies Bier schmeckt ja nun wirklich nicht! Doch auch hier habe ich Glück. Ein pakistanischer Fischer, von ihm bekommen wir Diesel soviel wir wollen, scheint gerne Whisky zu trinken. Jedenfalls lässt er es sich nicht nehmen, mich zu besuchen. So sitzen wir dann abends gemütlich an Deck und genehmigen uns das eine oder andere Gläschen. Nur mit dem Eis hapert es etwas. Unser Kühlschrank hat leider überhaupt keine Lust mehr und endgültig seine Arbeit eingestellt. So vergehen die Tage, und wir sind abfahrtbereit. Nur das Wetter will nicht so richtig. Seit 5 Tagen ist nun Flaute. Doch da wir bis zum letzten Kanister voll getankt sind, beschließen wir trotzdem abzulegen. Irgendwann, so hoffen wir jedenfalls, sollte auch der Wind wieder wehen. Unser Agent, freundlich wie er so ist, gibt uns auch die Route mit auf den Weg.


"Immer so 20 bis 30 nm vor der Küste entlang. Dort ist es am sichersten", so seine Worte. Am Anfang geht das auch recht gut. Wir bekommen sogar ein paar mal Besuch von der omanischen Navy. Doch nach dem Oman kommt dann leider eben der Jemen. Und vielleicht hat unser Agent Mohammed ja dort einen Schwager. Wir jedenfalls, schippern also getreu seiner Anweisung, recht gut gelaunt die jemenitische Küste entlang. Plötzlich meldet sich unser Radar. (Entgegen unserer sonstigen Angewohnheit suchen wir hier ständig auch tagsüber die Umgebung ab.) Zu sehen sind zwei kleinere Fahrzeuge. An und für sich ja noch nichts Ungewöhnliches. Nur; verdammt schnell sind sie schon. Und zu allem Überfluss kommen sie auch noch direkt auf uns zu. Eher als Kapitän Jack Sparrow ist das dann wohl Kapitän Blei. Und das ist gar nicht gut! "Ok." denken wir uns "nur nicht aus der Ruhe bringen lassen." Wir ändern also erst einmal unseren Kurs und geben etwas mehr Gas. Zu sehen ist nichts, wir blicken genau in die Sonne. Auf dem Radar allerdings können wir erkennen, unsere Kursänderung wird sofort ausgeglichen uns sie halten weiterhin mit einem irrsinnigen Speed in unsere Richtung. Zum Glück haben wir diese Situation schon das eine oder andere mal durchgesprochen. Somit ist zumindest Old Gun Stick schon mal geladen und einsatzbereit. Kathrin geht ans Funkgerät und fängt an: "May-day-May-day-May-day" sowie unsere Positionsdaten zu senden. Derweil flüchten wir so mit ungefähr 8 ktn aufs offene Meer hinaus. Unsere Verfolger allerdings haben mindestens 20 bis 30 ktn drauf. Das das nicht lange gut geht, ist recht leicht abzusehen. Dazu scheinen wir noch die einzigen hier in diesem Gebiet zu sein. Unser Funk reicht in jede Richtung ca. 25 nm. Nur - es antwortet natürlich niemand. Wo um alles in der Welt jetzt die ganzen Navy Boote sind, weiß der Teufel. Hier sind sie jedenfalls nicht.
Gut, bleiben nur wir selbst. Kathrin funkt weiterhin ihren Text und Tassi und ich bauen derweil sozusagen unsere Verteidigungslinie aus. Munition bereitlegen - wo ist der beste Platz? Recht schnell ist alles bereit. Nur Blaues Licht haben wir leider keins, und es bleibt nur, auf finsteren Pfaden zu wandeln…
Die Vorteile liegen zum Glück zurzeit noch immer bei uns. Wir haben festen Stand und Platz, Kapitän Blei nur eine Nussschale, die dazu noch springt wie ein Gummiball. Irgendwie sollte es mir doch gelingen, dort im Ernstfall ein Loch rein zu bekommen. Gesagt - getan, warten wir bis sie auf ungefähr 50 Meter herangekommen sind und geben erst einmal einen Warnschuss ab. Dann geht alles sehr schnell. Jedenfalls stoppen sie. Ich denke: "Na, jetzt wird's ernst. Noch ist nichts passiert, also bitte lass sie nur nicht zurück schießen und alles wird gut." Derweil feuere ich, leider nicht unterstützt von Ladekanonier Tassi, der lieber unter Deck nach dem Rechten schaut, einen Schuss nach dem anderen ab. Und Glück gehabt: mein Dauersperrfeuer (vor den Bug), oder wie man das sonst nennt, zeigt Wirkung - sie drehen ab. So schnell wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder verschwunden. Am Funk meldet sich immer noch niemand, wir stellen also den Versuch Hilfe zu holen ein und verdauen das Geschehene erst einmal. Alles in allem hat die gesamte Angelegenheit keine 10 Minuten gedauert.
Glück gehabt!!!
Es wird uns klar, dass die Information natürlich nur aus dem letzten Hafen gekommen sein kann. Die Piraten wussten genau, wann wir abgelegt haben, wie schnell wir so ca. sind und unsere Route war genauestens bekannt. Sie brauchten eigentlich nur zu warten. So schnell es geht, segeln wir nun etwas weiter in die Mitte des Golfes von Aden und mischen uns besser unter die vielen Frachter und Containerschiffe. Viel haben wir zwar nicht, was wir einbüßen könnten, doch irgendwie geht es uns gegen den Strich, einfach so klein beizugeben. Wie bestellt, frischt der Wind wieder auf, wir setzen die Segel und haben noch recht angenehme Segeltage bis zur Meerenge von Bab el Mandeb. Vorbei an der Insel mit dem bezeichneten Namen Pirie und schon sind wir im Roten Meer.


hm, Asien, ja war'n wir auch, vielleicht gibt's später hier noch ein paar Berichte, ist ganz schön warm hier ..



August - September 2010
Von Tonga über Fidschi nach Vanuatu


Die Meilen von Tonga nach Fidschi vergehen ereignislos. Der Wind weht günstig, es gibt für uns also nichts weiter zu tun. Ab und an ein Fisch, sonst passiert so ziemlich nichts, was uns aus unserer täglichen Beschaulichkeit herausreisen könnte.
Na ja - fast nichts… Manchmal, da wollen die Fische dann wohl doch nicht in die Pfanne. Wie gesagt, wir segeln so dahin, plötzlich surrt die Angel los. Dummerweise geschieht das natürlich immer dann, wenn du eigentlich etwas völlig anderes im Sinn hast. Egal, ich stürze zur Angel und Kathrin versucht, die Fahrt aus dem Boot zu nehmen. Das Problem liegt darin, durch unsere vielen verlorenen Köder ist leider auch unsere Schnur nicht mehr unbedingt die längste. Jedenfalls wird die Leine jedes Mal etwas kürzer.
Allmählich gelingt es Kathrin, uns wenigstens teilweise aufzustoppen. Da sitze ich nun: Schnur geben, anziehen, ein ewiges Hin und Her. Ich glaube auch, der Fisch ist nicht unbedingt der kleinste. Und die Zeit vergeht, mittlerweile sind sämtliche Segel geborgen und wir dümpeln unter Motor mit vielleicht zwei Knoten dahin. Mein Freund, der Fisch hat es allerdings überhaupt nicht eilig. Leine raus, Leine etwas anziehen - es ist fast, als würden wir uns verstehen.


Ich kurble und kurble und irgendwann, bestimmt eine Stunde später, habe ich ihn dann wirklich auf ungefähr 10 Meter am Boot. Doch jetzt kommt's darauf an. Kathrin hat schon mal den Käscher parat. Aber, was macht Freund Fisch? Plötzlich ändert er die Richtung. Aha, es geht jetzt nach links. Doch nichts da, mitten im Wechsel springt er plötzlich aus dem Wasser, schüttelt und dreht sich, und…
Na, jedenfalls war er so fair, mir meinen Köder zu lassen. Den Trick mit dem Richtungswechsel muss er übrigens weitererzählt haben, es passiert immer öfters, dass sich die Schlingel so aus der Affäre ziehen. Wir bräuchten also dringend eine Verbesserung unseres Angelsystems. Ab jetzt reagieren wir auf die Ausweichversuche unserer Beute. Ist der Fisch zu groß für meine Angel und dreht er nach links oder rechts weg, fahren wir ihm einfach entgegen. Dabei Leine rein, schon hat`s wieder Reserven. Dies scheint sich zu unserem Glück in Wasserkreisen noch nicht herumgesprochen zu haben. Es klappt!


So kommen wir jedenfalls in Fidschi an. Natürlich nachts, was aufstoppen und warten auf den nächsten Morgen bedeutet. Der Hafen in Suva ist nicht unbedingt der Einfachste. Überall liegen Wracks herum. Besser manövriert es sich da im Hellen.
Doch ansonsten, nicht schlecht. Unser Steg endet genau im Royal Yachtclub. Somit haben wir es leicht, die nötigen Kontakte zu knüpfen. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was für interessante Leute mit ihren Booten unterwegs sind. Und natürlich ist wie immer, so einiges überholenswert.
Aber dank Peter, ein schon seit zwanzig Jahren hier lebender Deutscher, ist alles schell organisiert. Trotzdem zieht sich unsere Liegezeit doch ziemlich in die Länge. Wir benötigen sage und schreibe beinahe zwei Wochen nur zum einklarieren.
Wahrscheinlich kennen wir mittlerweile jede Behörde in Suva. Doch die Zeit vergeht schneller als gedacht. Eigentlich wollten wir ja noch mit unserer Perithia aus dem Wasser. Das verschieben wir dann halt auf den nächsten Hafen. Langsam wird es auch langweilig. So stechen wir halt in See und laufen eine winzige Insel ganz in der Nähe an. Ein Minniland in mitten von Korallen. Auf ihr ein kleines Ressort, fast wie im Paradies.


Von hier aus, steuern wir nach Vuda Point Und man will es nicht glauben -völlig untypisch für hiesige Verhältnisse- klappt alles wie am Schnürchen. Da wir uns über Funk angemeldet haben, wartet der Kran schon. Nicht einmal zwei Stunden später, und wir sitzen auf dem Trockenen. Auch die Arbeiter zum schleifen und streichen sind schnell gefunden.


Zwischen 19. und 20. Uhr ist Happyhouer in der angrenzenden Bar. Und da wir auch hier natürlich genügend Segler treffen, die wir aus anderen Häfen kennen, vergeht die Zeit wie im Fluge. Auch an Bord gibt es Zuwachs. Ich segle das nächste Stück wieder einmal mit doppelter weiblicher Crew. Sandra, eine Münchnerin, die mit dem Rücksack unterwegs ist, begleitet uns ein Stückchen.


Über die nördlichen Inseln geht es auf nach Vanuatu.
Auch das ist nicht unbedingt eine seglerische Herausforderung. Der Wind weht, wie fast immer mäßig, aber beständig von achtern und da es an Bord nichts zu tun gibt, bleibt halt nur angeln. Dummerweise haben wir allerdings keinen Gefrierschrank. So versuchen wir, den Fisch zu trocknen. Ist eigentlich recht einfach. Filets in hauchdünne Streifen geschnitten, drei Tage in Salz eingelegt und dann ab in die Sonne zum trocknen.


Funktioniert - nur essen kann das keiner. Es ist dermaßen salzig, soviel Bier kann man gar nicht transportieren. Na, der Versuch war es wert.
Schnell kommt Port Villa (Vanuatu) in Sicht. Eine gewaltige Bucht, die in einer kleineren endet, in welcher sich der Hafen befindet. In Ermangelung eines funktionstüchtigen Schlauchbootes stoppen wir direkt an der Mole. Kapitän Eddy, der eigentlich diesen Platz gemietet hat, erweist sich als sehr hilfsbereit und freundlich. Jedenfalls rückt er ein Stückchen beiseite.
Da am Boot zur Abwechslung einmal nichts zu reparieren ist (Nur das Loch im Dingi müsste geflickt werden), planen wir hier nur einen kürzeren Stopp ein. Doch man sollte die Rechnung nie ohne die Einheimischen machen…
Am Ende dauert auch diese Reparatur wieder einmal zwei Wochen. Somit liegen wir an unserer Mole und werden nur einmal von einem Erdbeben vertrieben. Des Abends, wir haben gerade Besuch, fängt plötzlich das ganze Boot an zu wackeln. Im ersten Moment denken wir, der Motor ist angesprungen. Doch wie, wenn alle an Deck sind.
Dann sehen wir, wie die Leute an Land aufgeschreckt durch die Gegend laufen. Aha, die Erde hat gebebt. Über das Telefon erfahren wir dann recht schnell, dass es gerade einmal 50 km entfernt ein Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richterscala gab. Um die Tsunamiewelle nicht unbedingt an der Mole zu erleben, fahren wir lieber an eine Moringboje. Doch zum Glück passiert nichts. Das Schlauchboot ist fertig, wir können also weiter. Um nicht allzu schnell durch Vanuatu zu sausen, und außer Touristen auch noch etwas anderes zu sehen, planen wir noch ein paar Stopps in abgelegeneren Gegenden ein.


Dann steht die Frage, wollen wir direkt weiter nach PNG, oder nehmen wir lieber den längeren Weg über die Salomonen.

Doch was für eine Frage…



Juli-August 2010
Von den Cook-Inseln nach Tonga


850 Seemeilen - das müsste doch zu schaffen sein! Und Dank der uns begleitenden Orchyd Lady mit Clive als Skipper sollte es außerdem noch nicht einmal langweilig werden. Nur dass wir den armen Kerl jeden Morgen erst einmal suchen müssen. Die Bekanntschaft mit dem Riff vor Aitutaki hat seinem Ruder nicht unbedingt gut getan. Nachts hat er dadurch etwas Schwierigkeiten, auf Kurs zu bleiben. Somit beginnt der Tag meistens erst einmal mit dem großen Rätselraten, wo könnte er denn jetzt schon wieder abgeblieben sein. Doch dank Radio und Clives lautem allmorgendlichen "Good morning! Good morning! Good morning!" finden wir dann schnell wieder zusammen.


Ansonsten kommen wir gut voran, der Wind ist so la la und von Clive bekommen wir des öfteren Fisch. Auch die Einfahrt in das Riff von Nuku`alofa, der Hauptstadt Tongas birgt keinerlei größere Schwierigkeiten, es ist halt nur recht eng und etwas lang gezogen. Da wir, wie immer des Nachts ankommen, drehen wir bei und haben somit am nächsten Morgen bei Sonnenschein beste Sicht auf die Untiefen. Der Hafen ist sehr klein, doch wir schieben uns irgendwie an eine freie Stelle. Anker raus und Heckleinen an Land, das ist schnell getan. Nur die Orchyd Lady! Durch den Ruderschaden kann sie rückwärts fahrend nicht steuern. Nach einigem Hin und Her, es will einfach nicht klappen, springe ich halt über Bord und hole mir so eine Leine von ihr. Dann verzurren wir sie längsseits bei uns und Clive öffnet erst einmal eine Flasche Rum, um unsere gemeinsame Überfahrt und glückliche Ankunft zu begießen.
In Ermangelung einer gelben Flagge, dass scheint hier Pflicht zu sein, finden und hissen wir den einzigen gelben Gegenstand, den wir an Bord finden können, einen Gummihandschuh.


Die Einklarierung läuft mit tonganischer Gründlichkeit ab und wir benötigen tatsächlich nur drei Tage um sämtliche Gebühren zu zahlen und somit alle Papiere beisammen zu haben. Kaum geschafft, sind wir auch schon wieder raus aus dem Hafenbecken. In der Nähe liegt eine kleine Insel - Sandstrand, Palmen und sogar noch ein Freisitz. Dort ankern wir.


Es heißt Abschied feiern. Clive will weiter nach Australien und wir wollen in den Norden von Tonga. Immerhin sind wir zusammen ungefähr 1500 nm gesegelt. Es war wirklich eine lustige Zeit. Auch haben wir beide Crewzuwachs bekommen. Auf der Orchyd Lady ist Kevin und bei uns Emely hinzugekommen.
Auf zur Vava`u Gruppe. Das ist nicht so weit. Gerade einmal zwei Tage mit Zwischenstopp auf Lifuka. Mal sehen, wie es sich mit meiner weiblichen Doppelcrew so segelt. Ich jedenfalls übe mich im Angeln und siehe da, Clive segelt nicht mehr vor mir und schnappt mir die Fische weg, also Erfolg. Man könnte auch sagen, Angel raus, Fisch dran, Angel rein.


Nur dass ich bald keinen Thunfisch mehr sehen kann. Aber egal, es gibt also doch noch Leben im Meer. So nähern wir uns der nördlich gelegenen Vavau Gruppe. Ein Gebiet, das zwar kartographisiert ist, die Karten aber aus irgendeinem Grund nicht digitalisiert sind. So ist mal wieder das Zeichendreieck angesagt. Eine ca. 10 nm lange Einfahrt durch ein Gewirr aus malerischen kleinen Inseln führt in eine riesige Bucht und somit nach Neiafu, dem Hauptort der Inselgruppe. Hier haben wir zur Abwechslung einmal Bekannte. Das heißt, wir haben eine Telefonnummer. Doch was soll schon passieren. Leonore, eine alte Freundin von Bim ist eine nach Tonga ausgewanderte und hier verheiratete Deutsche. Wir treffen sie in einer Bar und - verstehen uns auf Anhieb. Die Chemie stimmt und so lernen wir auch recht schnell den Rest der zugewanderten Deutschen, Österreicher und Schweitzer kennen. Eine lustige Zeit! Alle zusammen unternehmen wir einen Segelausflug mit der PERITHIA nach Tapana, einer benachbarten kleinen, wunderschönen Insel. Hier leben Maria und Eduardo, zwei Spanier und betreiben eine kleine urige Kneipe, die sie ausschließlich mit ihren eigenen Händen von dem gebaut haben, was sie auf der Insel vorfanden. Sie sind vor ca. 20 Jahren mit einem Segelboot hier angekommen und geblieben. Jedenfalls werden es 2 herrliche ausgelassene Tage und wir feiern unseren Geburtstag zwar diesmal nicht mit Luftballons aber dafür in fröhlicher Gesellschaft.


Nur - dass unser Dingi des Nachts immer streikt, ist nicht so angenehm.
Vom Strand bis zum Boot sind es zwar nur schlappe 30 m, doch die Strömung hat es in sich. Alle rein ins Boot, abgeschoben und den Motor gestartet. Doch - so der nicht anspringt - sind wir schnell ein paar Meilen von unserer Bucht entfernt und sehen die Lichter unserer PERITHIA so langsam entschwinden. Hinter uns in Fahrtrichtung liegt dann Fidschi. Allerdings hat keiner von uns einen Pass dabei…! Na in letzter Sekunde jedenfalls hat unser Yamaha ein Einsehen und auf geht es zurück. Der Spaß will sich dann in der nächsten Nacht tatsächlich wiederholen! Doch diesmal rettet uns Eduardo und fängt uns noch innerhalb der 12 Meilenzone ab um uns sicher nach Hause zu unserer PERITHIA zu schleppen. Früh übrigens bei Tageslicht macht unser Dingimotor überhaupt keine Probleme. Wer weiß…
Die Zeit vergeht viel zu schnell in Tonga, doch wir merken, es zieht uns weiter. Also lichten wir den Anker und auf geht es die nächsten 800 nm nach Fidschi. Dort werden wir endgültig das Problem unserer Schiffsschraube beheben und bei der Gelegenheit unserer PERITHIA auch gleich noch einen neuen Antifoulinganstrich gönnen. Sie hat es mittlerweile wirklich bitter nötig.



Mai und Juni 2010
Von Französisch-Polynesien und den Cook-Island nach Tonga



Endlich in der Südsee! 23 Tage ununterbrochen auf See, das ist schon einige Zeit.
Aber nun ist Land in Sicht, Nuku Hiva, die erste Insel Französisch-Polynesiens.


Langsam öffnet sich eine malerische Bucht vor uns. Wir segeln vorsichtig dem weißen Sandstrand entgegen.
Das Ufer ist gesäumt von Palmenhainen, türkisblaues klares Wasser in dem sich Schwärme von grellbunten Fischen tummeln.
Auslergerkanus mit Eingeborenen, bekleidet nur mit Baströcken, kommen uns fröhlich winkend und singend entgegen und Südseeschönheiten heißen uns mit Früchten und Blütenkränzen willkommen. Langsam gleiten wir tiefer in die Bucht und unser Anker fällt direkt am Strand vor einer kleinen Ansammlung aus, auf Stelzen erbauten palmwedelgedeckten Hütten…
Das Dingi ist schnell klar gemacht und die paar Meter zum Strand ruck zuck gepaddelt. Wir brauchen dringend einen Geldautomaten, einen Supermarkt und ein kaltes Bier auf einem Freisitz wäre auch nicht schlecht!
Das Bier kostet dann übrigens 6,50 $ die kleine Minibüchse.
Da Nuku Hiva die erste vom amerikanischen Festland aus erreichbare Insel ist, gibt es hier natürlich auch die Einklarierungsbehörde. Dementsprechend voll ist auch die einzige zum Ankern geeignete Bucht.
Wir hätten nie gedacht, dass in diesem Teil der Welt so eine Menge Boote unterwegs ist. Wenn man bedenkt, dass wir in den letzten 3 Wochen keinem einzigem begegnet sind, ist diese hier liegende Flottille schon erstaunlich. Wir zählen so an die 30 Yachten aller Größenordnungen. Und es ist ein ständiges Kommen und Gehen (Fahren).


Wir jedenfalls finden noch einen Ankerplatz und rudern erst einmal zum Strand. Die Ortschaft, immerhin leben hier 2000 Leute, erweckt Erinnerungen an ein Ferienlager.
Die Gebäude im Bungalowstil, alles wirkt perfekt und durchdacht, der Rasen ordentlich gemäht. Einzelne Schilder verweisen auf den jeweiligen Verwaltungskomplex sowie zur "Lagerleitung". Einklarierung leicht gemacht: Da Französisch-Polynesien bekanntlich zu Frankreich gehört, und somit auch zur EU, was uns also so gut wie zu Nachbarn oder mindestens zu Freunden macht, geht alles recht schnell. Wobei; erstaunlicherweise doch noch mit Stempel in den Pass. Das Dschengener Abkommen scheint hier nicht zu gelten, vielleicht aber nächstes Jahr.
Uns jedenfalls ist es hier zu voll. Wir beschließen, nur etwas einzukaufen und dann auf eine der nächsten, etwas abseits von der allgemeinen Route liegenden Insel zu flüchten. Gesagt getan, Geldautomaten und Supermarkt, kein Problem. Nur, gibt es eigentlich außer Konserven nichts, was wir so brauchen könnten. Kartoffel und Zwiebeln (importiert) haben wir selber. Und Obst, komplette Fehlanzeige.
Mit Mühe, einer Menge Dollars und doch etwas überrascht, gelingt es uns, ein paar nicht mehr so ganz frische Bananen an einem Stand an der Mole zu erstehen. Besser wir verschwinden hier.
Unser nächstes Ziel, die Insel Hakahau sollte eigentlich etwas besser werden. Zum Glück in Sichtweite, und nur ca. 30 nm entfernt. Von anderen Seglern haben wir zwar erfahren, dass im Hafen gebaggert wird. Auch sollen sie vom Bargenkapitän eher wieder hinauskomplimentiert worden sein. Aber wir wollen sehen.
Eine kleine Bucht, dummerweise nach Osten hin offen, was soviel wie ziemlichen Schwell bedeutet, kommt in Sicht. Wir rollen mit den Wellen und stoßen mitten im Hafen natürlich zuerst auf unsere bereits erwähnte Barge.
Der Kapitän (älteres Semester mit schneeweißem Rauschebart und einer Bierflasche in der Hand) fuchtelt mit den Armen, und will uns anscheinend etwas mitteilen. Na mal sehen.
Wir gehen längsseits, gefasst darauf, unseren Standpunkt zu verteidigen, doch siehe da, freundlich erklärt er uns, welches der beste Ankerplatz für uns wäre. Und morgen käme ein Passagierboot - also nicht an die Mole.
Wir werfen den Anker und sind an und für sich erst einmal recht zufrieden. Wir werden sehen, ob wir uns hier verproviantieren können.
Landschaftlich hätten wir es allerdings nicht besser treffen können. Malerisch erhebt sich direkt hinter den Dorf der höchste Berg der Insel. Von Wolken umhangen ein unglaublicher Anblick. Und Grün, soweit das Auge reicht.


Am nächsten Morgen wundern wir uns. Musik schallt über die Bucht, Stände werden aufgebaut, irgendetwas wird vorbereitet. Dann ist es soweit.
Das monatliche Containerschiff legt an. Mit der Fracht verlassen auch eine Menge Touristen das Boot. Deshalb also die Stände!
Kreutzfahrt auf einem Frachter, das ist doch mal was Neues. An und für sich gar nicht so schlecht. Das Versorgungsboot fährt sämtliche Inseln ab, hat meistens einen Tag Aufenthalt und wenn der Koch gut ist, warum nicht. Immerhin ist jeden Tag Kapitänsdinner.
Abends jedenfalls sind sie wieder verschwunden, und wir haben den Platz an der Mole. Durch den Schwell ist es zwar ein etwas unruhiges Plätzchen, doch um in Kontakt mit anderen zu kommen, wesentlich besser geeignet, als schwojend in der Mitte der Bucht.
Ich weiß nicht, ob die anderen Yachtis vielleicht eher ihre Ruhe haben wollen, wir jedoch haben überlegt: `Da kommt so ein schickes weißes Segelboot, wirft seinen Anker mitten in deinem Vorgarten und bleibt erst einmal stehen. Irgendwann erscheint der Eigner mit seinem Schlauchboot, geht kurz einkaufen, läuft ein wenig hinter deinem Haus herum und verschwindet dann genauso schnell, wie er gekommen ist.
Na so wird das nichts! `Wir liegen lieber an der Mole. Es ist erstaunlich, wie schnell sich dann abends, wenn man auch auf einer Ebene erreichbar ist, die Gespräche entwickeln.
Nur mit dem Einkaufen, da haben wir wieder kein Glück. Läden, kein Problem. Aber eben nur importierte Konserven zu astronomischen Preisen. Obst und Gemüse, Fehlanzeige.
Langsam wird mir auch klar, weshalb ich bis jetzt in sämtlichen Reiseberichten nur von geschenkten Früchten gelesen habe. Die Sachen wachsen praktisch überall.


Warum also im Laden verkaufen? Alles andere stellt hier schon lange keiner mehr her oder baut es gar an, das wird importiert.
Das Problem lösen wir aber recht einfach. Unser Nachbarboot, der Schlepper aus Neuseeland, versorgt uns im Austausch gegen ein selbstgebackenes Germany Brot ausreichend. (eben geschenkt) mit den heimischen, also von selbst wachsenden Papayas, Mangos und Pomolos.
Im Nachhinein haben uns schlau gemacht. Seit …. gehören die Marqueses Inseln zu Frankreich. Dieses -als Atommacht hat die Gunst der Stunde, oder besser gesagt die Abgelegenheit der Atolle genutzt, um in aller Ruhe seine Atomversuche durchzuführen.
Gestört hat das hier niemanden so richtig, ging die dunkle Angelegenheit doch mit erheblichen Zahlungen einher. Problematisch wurde die Sache erst, als die Versuche auf Druck der Weltöffentlichkeit eingestellt werden mussten.
Keine Tests, kein Geld, sollte man meinen. Aber Proteste von Seiten der nun Mittellosen. Frankreich jedenfalls zahlt nun eine Ausgleichszahlung eben für nicht mehr durchgeführte Versuche.
Durch diesen ständigen Geldzufluss hat sich eine astreine Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. 36 % der Bevölkerung arbeiten in der Verwaltung, und verdienen dabei ungefähr 80% mehr als selbige Beamte im Mutterland, Wer nichts zu verwalten hat, ist bei der Stadt angestellt. Hergestellt oder angebaut wird somit schon lange nichts mehr.
Es gibt übrigens sogar eine Oppositionspartei, die für die Unabhängigkeit der Inseln wirbt. Erstaunlicherweise, oder wen wundert es, allerdings ohne allzu viel Zulauf. Zum Glück für die Menschen hier gibt es keine alten bärtigen Männer... Somit bleiben die Macheten in der Hülle und alle sind glücklich und zufrieden.
Unser nächstes Ziel, das Archipel des Tuamotu ist ungefähr 400 nm entfernt. Auf halber Strecke liegt eine kleine Insel mit Namen Tepoto Hier werden wir einen kurzen Zwischenstopp einlegen. So dachten wir jedenfalls.
Land kommt in Sicht, genau wie man es sich so vorstellt in der Südsee. Ein kleines Fleckchen Sand, bewachsen mit Palmen sowie eine kleine Siedlung. Und das Riff nicht zu vergessen. Kein Eingang, und somit auch keine Ankermöglichkeit. Wir suchen und suchen. Das Ufer fällt rings um die Insel mit einem Schlag steil auf mindestens 500 m ab.
Es nützt nichts - segeln wir halt weiter. Bis zu den großen Atollen ist es nicht mehr weit.
Das erste, etwas abgelegen von der Hauptroute der Segler heißt Takume. Zumindest hat das einen Eingang. Und wieder einmal Postkartensüdsee pur.


Wir finden den Einfahrtchanel durch das Riff in die Lagune, Alles ist bestens betonnt. Nur bei Nacht möchte ich das nicht machen.
Es geht doch stellenweise recht nahe an nicht unbedingt freundlich ausschauenden Korallenblöcken vorbei. Der Anker fällt und wir starten zu unserer ersten Atollbesichtigung. Das hat schon was!
Von einer Seite auf die andere sind es vielleicht 15 min zu laufen. Innen die völlig ruhige Lagune und außen die Brandung des Pazifiks. Bergsteigerisches Können ist auch nicht zwingend erforderlich. Mehr als 2 Meter über dem Meeresspiegel hat es hier nicht.
Palmen Strand und Sonne pur. Ein kleines Dörfchen, ein Einkaufsladen mit den üblichen Konserven, das war's auch schon.
Nächste Insel: Makemo, ein Atoll wie aus dem Bilderbuch. Auch hier ist die Einfahrt zur Lagune schnell gefunden. Es schunkelt und schaukelt zwar etwas, doch wir kommen gut durch die Brandung und an den Riffs vorbei.
Innerhalb der Lagune dann, ist das Meer fantastisch still. Die zahlreichen Untiefen lassen sich im klaren Wasser sehr gut erkennen und. im Zick-Zack geht es zu unserem Ankerplatz. Ein Städtchen lockt. Auch hier Palmen über Palmen, kein "Berg" höher als zwei drei Meter und alles bequem zu Fuß zu erreichen.


Es gibt eigentlich alles. Ein paar Einkaufläden, ein kleineres Hotel, Schule und was man sonst so braucht. Das Leben läuft hier recht geruhsam ab.
Und das Wetter -erstaunlich- ein ständiger Wechsel aus Sonne und Regen. Wobei die Regenwolken immer nur sehr begrenzt auftreten. Wir haben auf der Strasse gestanden, eine Hand in der Sonne, eine im Regen. Wobei die nasse Seite so in vielleicht 2 min wieder trocken ist.
Auch der hiesige Baustiel hat schon was. Wir sitzen mit einem Bierchen in der Hand vor einem kleinen Einkaufsladen und bewundern architektonischen Fähigkeiten des Hausherren gegenüber.
Auf dessen Baugrund steht genau mittig ein Baum. Das Häuschen kam wohl später. Somit hat der findige Bauherr, gar nicht dumm, sein Bauwerk halt drum herum geplant und hat nun in der Stube einen Baumstamm stehen.
Solange er also keine Kupfernägel als Gardarobenhaken verwendet, an und für sich ganz praktische Sache.


Aber auch hier sind 2 Tage Aufenthalt genug.
Wir wollen weiter nach Papeete. Der Weg führt uns noch durch ein Gewirr von Atollen, dann 250 nm über das offene Meer, also nicht so weit.
Aber ein Elend. Sag doch einer, Segeln sei Erholung. Nein! Segeln ist harte Arbeit.
Und wir lieben den Passatwind… So langsam könnte man an den meisten Reisebeschreibungen zweifeln. Zumindest habe ich noch niemanden schimpfen oder fluchen hören. Immer nur: alles wunderbar!
Hier jedenfalls gibt es weder einen Nord-Ost Passat, Süd-Ost aber auch nicht wirklich. Nein, hier kommt der Wind aus Ost.
Das bedeutet, so was von direkt von achtern, dass kein Mensch mehr weiß, wohin denn nun mit dem Segel. Dazu halten sich leider die Wellen so überhaupt nicht an ihren Kumpel, den Wind. Nein, sie rollen mal von links, mal von rechts, oder eben von hinten.
Der Effekt dabei ist leider eine fürchterliche Schaukelei. Da das Boot schneller rollt, als der Wind die Segel füllen kann, ein ständiges Hin und Her, sowie Schlagen und Krachen des Tuches. Das Dumme ist, du kannst absolut nichts dagegen tun.
Wir geben uns alle Mühe, wenigstens die schlimmsten Belastungen für Mast und Segel soweit wie möglich in Grenzen zu halten, allerdings; immer gelingt das leider auch nicht.
Wer schon mal eine Genua mit voller Wucht von einer Seite zur anderen schlagen gehört hat, der weiß, wovon wir reden. Es ist, als wenn es dir den Mast vom Boot reißt.
Und es kommt, natürlich, wie es kommen muss, nur ein Hauch von Windstärke 3 Bft, ein Schlag und wir haben einen Stak weniger. Ich habe mir das dann später mal ausrechnen lassen, die Kräfte, die da bei dieser Schaukelei wirken, sind enorm. Na zum Glück haben wir nur noch 50 nm bis zum Ziel!
Und, wir sind bei weiten nicht die einzigen. Die Yachten, die in Papeete den Hafen anlaufen, sehen zum größten Teil recht verwüstet aus.
Da hat es uns mit unserem Stück Rigg noch verhältnismäßig glimpflich erwischt. Wir sehen zerfetzte Segel, ebensolche Probleme am Rigg und sogar einen gebrochenen Großbaum.
Aber wir glauben oder hoffen, das war wohl das schlimmste Stück, es sollte besser werden.
Also wie gehabt, neue Stadt, neuer Hafen, neue Hardwareläden und Werkstätten. Zum Glück für uns ist hier alles zu bekommen, was das Seglerherz so begehrt. Leider aber eben zu nicht gerade moderaten Preisen.
Das geht schon im Hafen los, der Liegeplatz am Steg: 40 $ pro Tag. Auch sonst ist dieses schöne Fleckchen Erde nicht unbedingt für eine Pauschalreise zu empfehlen. Bier 9,50 $. Alaska war ein Paradies...! Aber wir sind das gewöhnt und denken bei solchen Gelegenheiten immer: `schlimmer wird es schon nicht werden.`
Wir nutzen die Wartezeit auf unser benötigtes Ersatzteil, und sausen mit einem Mietwagen über die Insel. (Groß-Tahiti und Klein-Tahiti).


Uns persönlich gefällt der kleinere Teil der Insel besser. Es hier geht geruhsamer und beschaulicher zu. Es ist halt nur schade, dass leider auch hier das Ende der rosigen Zeiten bereits in Sicht ist.
Es kann eben nicht jeder Beamter sein. Und von den paar Touristen, die so kommen, können auch nicht alle leben. Zumal mit aller Macht versucht wird, genau diese mit eben den völlig überzogenen Preisen wieder zu vertreiben.
Der traurige Abspann vom Film ist, die meisten können sich ihr eigenes Land nicht mehr leisten, sind aber auch nicht bereit, etwas zurückzurudern.
Eine der ersten Touristenattraktionen in Papeete ist ihre riesige Markthalle. Erscheinen Pflicht.
Sowieso bedarf unser Kühlschrank einer dringenden Auffüllung an Vitaminhaltigem. Stände über Stände. Eine bunte Vielfalt an Zwiebeln, Kartoffeln, Tomaten und Bananen. (jeweils so an die 5 bis 6 $ das Kilo).
Wobei uns bei all dieser zur Schau gestellten Pracht irgendwann auffällt, es kauft ja niemand etwas. Das System habe ich bis heute noch nicht verstanden. Wahrscheinlich haben die Hotelurlauber (einen Zeltplatz gibt es nicht) ihre Kartoffeln und Zwiebeln bereits anderswo erstanden, wer weiß das schon.
Endlich ist unser Stag fertig, und Kathrin kann wieder einmal in den Mast steigen.


Zwischenzeitlich ist mir leider zu allem Unglück auch noch das Fall für den Blister im Mast verschwunden. Aber Kathrin, unser Bordmechaniker für alles über 2 Meter Höhe wird's schon richten.
Und siehe da, Stunden später, nach endlosen Fädeleien im Mast und schwerster schlosserischer Montagetätigkeit in luftiger Höhe ist alles wieder im Lot. Kathrin ist der Held!
Zum Glück, denn wir sitzen hier schon viel zu lange rum, wir wollen langsam weiter.
Cookisland und später Tonga heißt unser Ziel. Wir haben beschlossen, diese Tour gemeinsam mit unserem Stegnachbarn Clive von der ORCHID LADY. zu segeln. Er kommt aus Neuseeland, ist Einhandsegler und redet gerne furchtbar viel.


Somit sollte der Törn nicht allzu langweilig werden. Zu guter Letzt lernen wir zusammen im Hafen noch einen Italiener kennen. Ein recht netter Kerl, der hier irgendwie hängen geblieben ist. Er hat das gleiche Ziel wie Clive, ein Visa und leider kein Geld für ein Blankoticket wieder aus Neuseeland heraus.
Bürokratische Hürden, die beim besten Willen nicht zu überwinden sind. Einerseits darf er einreisen, andererseits können ihn die Grenzbehörden aber auch zurückschicken.
Nur - wohin dann, bei einem Segelboot, welches schon weiter gefahren ist? Schade eigentlich, doch was hat ein Italiener auch in Neuseeland zu suchen…
Um aus dem vorgelagerten Riff, welches die gesamte Insel umgibt, herauszufinden, geht es zuerst einen endlosen, zum Glück sehr gut betonnten Kanal entlang. Eine wunderschöne Strecke. Links die Insel und rechts das Riff, gegen welches von außen die Brandung donnert.
Irgendwann dann, kommt der Durchgang, eine schmale Stelle, welche Tief genug ist, in Sicht. Zwischen den Brechern der Dünung hindurch schaukelt es meist etwas, doch das ist schnell vorbei und 600 nm hoffentlich bessere See liegen nun vor uns.


Zum Glück haben wir Glück. Es sind herrliche Segeltage. Besonders schnell sind wir zwar nicht, dafür aber stetig. Und recht unterhaltsam ist es dank unsers Begleitbootes auch.
Irgendwie scheint Clive der bessere Angler zu sein. Während wir jeden Morgen die bei uns auf Deck gelandeten fliegenden Fische wieder zurück ins Meer befördern müssen (Kathrin weigert sich, sie zu kochen) fängt er sie.
Aber wahrscheinlich liegt das wohl daran, dass er vor uns segelt. Somit angelt er uns den Fisch direkt vor der Nase weg. Und der Rest ist dann bestimmt so erschrocken, dass er vor Schreck aus dem Wasser springt um dann eben bei uns an Deck zu landen.
Doch es reicht ja, wenn einer Erfolg hat, es mangelt also nicht an frischem Fisch auf dem Tisch. Ansonsten haben wir immer noch, dank russischem Dock, genug Rostflecke zu entfernen. Es wird nicht langweilig.
Sogar bei unserem murrenden und meckernden Kühlschrank bin ich wieder einmal einen kleinen Schritt weiter gekommen. Man muss sich das einmal vorstellen. Da hatten wir seit Griechenland was weiß ich wie viele Mechaniker an Bord. Jeder kommt mit seinem Messgerät und gibt die allerbesten Ratschläge. Nur, ob der Stecker bzw. der Kabelschuh richtig steckt, da guckt keiner. Na, selbst ist der Mechaniker.
So kommt nach 5 Tagen langsam Aitutaki in Sicht.


Wieder eines dieser wunderschönen Südseeatolle. Langsam zeichnet sich am Horizont der vielleicht 300 m hohe Vulkankrater ab. Der Eingang in die Lagune befindet sich auf der westlichen Leeseite des Atolls. Wir segeln mit leichtem Wind von achtern an weißem Sandstrand und Palmen entlang, ein Hotel mit kleinen Chalets und schon öffnet sich vor uns eine kleine Bucht, unser anvisierter Ankerplatz. Doch erst gilt es, dass Riff zu überwinden.
In der Karte ist es recht gut markiert, mit 140 cm nur halt ein wenig flach für uns. Wir haben einen Tiefgang von 168 cm. Doch 30 cm Tide sollten dieses Manko gerade noch so ausgleichen.
Trotz allem sind wir froh, dass die ORCHID LADY den ersten Versuch startet. Wobei es allerdings auch bleibt. Gerade einmal 2 Meter, dann ein Schlag, das Riff hat ihn und er steht mitten in der Brandung. "Beng Beng Beng!" so die wortreiche Erklärung von Clive aus dem Radio.
Jetzt und nicht vor 5 min kommt über Funk auch eine Warnung. "Das ist nicht der Eingang, die Karten sind falsch!". Na Klasse!
Die ORCHID LADY versucht in der Zwischenzeit, mit aller Macht wieder ins tiefere Wasser zu gelangen. Es tut richtig weh, die Schläge mit anzusehen, die sie einstecken muss. Aber sie schafft es.
Der Preis; ein leicht defektes und gelöchertes Ruder hätte allerdings weitaus höher ausfallen können. Nun, besser informiert, auf zum 2. Versuch.
Als Markierung dienen hierzulande nicht etwa Bojen, nein Stöckchen, in die Untiefen gesteckt, tun es wohl auch.


Langsam schieben wir uns Meter um Meter in Richtung Lagune. Kathrin vorn auf der Spitze gibt den Weg vor. Durch das klare Wasser kann man wunderbar die Korallenbänke erkennen und umrunden. Noch ein paar Meter und wir haben es geschafft.
Ein winzig kleiner Hafen, gerade einmal Platz für uns zwei. Doch ungefähr so stellt man sich die Südsee vor.
Als erstes überhaupt erscheint ein Beamter auf seinem Moped. Da Clive ordnungsgemäß seine gelbe Flagge gehisst hat, bedeutet dies, an Bord alles gesund. OK, 20 $ inklusive Beleg wechseln den Besitzer.
Doch was soll's, immerhin sind wir nicht in Quarantäne. Das Nächste, die obligatorische Hafenbehörde. Also unser Ankerplatz plus Einreise, na ja mit 150 $ bist du dabei.
Irgendwie verfolgt uns dies auf unserer gesamten Reise. In jedem Land denken wir, teurer wird es schon nicht werden. Doch: Denkste!
Es geht immer noch ein bisschen oben auf. Aber so langsam haben wir uns daran gewöhnt. Trotzdem beschließen wir, hier nicht länger zu bleiben.
Ein Spaziergang über die Insel, ein bisschen einkaufen und tanken, das war's. Über die Insel ist im übrigen Anfang des Jahres ein Hurrikan hinweggefegt. Ungefähr 90% aller Hauser standen dann am nächsten Tag nicht mehr bzw. waren unbewohnbar. Man sieht es, fast kein einziges Haus ist unversehrt. Überall wird neu gebaut.


Die Leute scheinen das aber recht gelassen zu sehen, teilweise haben sie Zelte und teilweise ihre alten Häuser notdürftig wieder bezogen. Wünschen wir ihnen, dass entweder die Häuser stabiler werden, oder der nächste Sturm im nächsten Frühjahr an ihrer Insel vorbeizieht.
Unser viel und gerne erzählender Freund Clive läst derweilen auch wirklich keine Menschenseele aus, um sein Abenteuer von der Einfahrt zum Besten zu geben. "Beng! Beng! Beng!" ist so ungefähr das Häufigste, was wir an diesem und am nächsten Tag zu hören bekommen. Voll getankt nehmen wir dann auch schon wieder Abschied von diesem wirklich wunderschönen und freundlichen Fleckchen Erde.


Und auf geht es in Richtung Ausfahrt durch das Riff. Dummerweise kommt uns genau in diesem Augenblick das Landungsboot eines Kreutzfahrtschiffes entgegen.
An der engsten und flachsten Stelle überhaupt, kommt was kommen muss, wutsch, wir sitzen im Sand. Gut so haben wir keine Probleme beim Passieren der Barkasse. Wir können uns ja so und so nicht rühren.
Dafür sind wir aber wieder einmal auf was weiß ich wie vielen Urlaubsfotos zu bewundern. So nach dem Motto: `schau mal, da hat sich eine Segelyacht festgefahren!` Dabei ist die gesamte Angelegenheit zum Glück überhaupt nicht weiter schlimm. Ein wenig Schub, und wir sind durch.
850 nm nach Tonga erwarten uns.



30.März bis 25. April 2010
Unsere Pazifiküberquerung von Cabo San Lukas zu den Marquisesinseln



O Mann - ist das warm; und Flaute!


Doch zum Anfang:
Wir sind in Cabo San Lukas und wollen los. Getreu unserem Motto, Pläne sind zum ändern da, überlegen wir, wollen wir denn wirklich nach Kiribati?
Eigentlich zieht es uns mehr in Richtung Süden. Die Marquisesinseln wären auch nicht so übel.
Tja, wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Also auf mit Kurs 210° in Richtung Äquator.
Der Wind ist gut und wir machen ganz schön Meilen. Unser erstes Ziel, Clarion Island liegt so ca. 450 Meilen entfernt. Somit ungefähr 3 bis 4 Tage.
Außer einer kurzen Flaute, bei der wir motoren, passiert da eigentlich nichts. Wir sind eingestimmt auf 4 lange Wochen, was sind da die paar Meilen.
Ordentlich im "Zeitplan", wie könnte es auch anders sein, erreichen wir unser Ziel, na wann? Natürlich mitten in der Nacht!
Die Insel ist unbewohnt, hat aber auf der Südseite eine mexikanische Forschungsstation. Da wollen wir hin.
Laut Karte sollte dort eine kleine Ankerbucht, markiert von einem Leuchtfeuer, sein. Ist aber nicht. Wahrscheinlich kein Strom oder so.
Wir jedenfalls tasten uns nach GPS und Radar langsam auf die Küste zu. Doch irgendetwas stimmt hier nicht. Radar und Karte sagen nicht wirklich dasselbe.
Das ist nicht gut. Mit Küsten und Brandungen kennen wir uns aus, keine Lust, plötzlich mitten in den Brechern zu stehen!
Also schauen wir nach der Tiefe und lassen bei recht tiefen 30 Metern erst einmal den Anker fallen. Na ja, so wirklich gut ist die Stelle nicht. Das Ufer mit seinen Felsen ist vielleicht doch ein wenig nah.
Nachts im Dunkeln schwer zu schätzen, aber wenn der Wind am Ende dreht, dann ist das nicht so schön und könnte auch daneben gehen.
Doch was ist das? Der Leuchtturm brennt! An sich unlogisch, dass die ihr Leuchtsignal manuell ein und ausschalten. Ich schaue noch einmal auf die Karte und siehe da, das AIS zeigt ein anderes Boot.
Es wird uns gesehen und erst einmal sein vergessenes Ankerlicht eingeschalten haben. Gut so, damit haben wir eine Orientierung und können noch einmal umparken.
Alles in bester Ordnung.


Der nächste Morgen beginnt, wir glauben es kaum, mit Walen. Wir stehen inmitten einer Bucht, die einer der Lieblingsplätze dieser Meeresriesen zu sein scheint.
Um uns herum schnieft und prustet es, es ist die wahre Freude. Und fast schon gefährlich.
Kathrin hätte beim Abwaschen hinten auf unserer Badeplattform das Geschirr eigentlich auch auf einem plötzlich auftauchenden Riesen abstellen können.
So nahe kommen sie.


Wir machen das Dingi klar und starten erst einmal zu einem Antrittsbesuch bei unseren amerikanischen Nachbarn. Segler sind eben neugierig.
Auch wollen wir die Gelegenheit nicht verpassen, unsere Wasserkanister noch einmal zu füllen. Lieber etwas mehr, als am Ende zu wenig.
Die Brandung macht uns etwas Sorgen, aber das Wasser ist warm und wir haben außer unseren beiden Kanistern nichts was von Wert ist, dabei.
Also Augen zu und durch. Es klappt.
Das mexikanische Empfangskomitee ist auch schon zur Stelle. Sie haben hier eine Entsalzungsanlage, somit ist Wasser kein Problem. Freundlich wie sie sind, fahren sie uns die vollen Kanister sogar wieder an den Strand zurück. Auch Ablegen alleine, das dürfen wir nicht. Zwei Mann in voller Montur schieben uns durch die Brandung. Sie sind zwar am Ende pudelnass, wir aber trocken. Wirklich nett!
So - als nächstes packen wir erst einmal eine Flasche Tequilla ein und fahren zur MYSTIK. Randy und Jenny sind auf Törn die mexikanische Küste inklusive ihrer Inseln entlang.


Beide schnorcheln und wollen unbedingt mit den Walen schwimmen. Also für mich wäre das nichts, aber warum nicht. Randy scheint ein begnadeter Taucher zu sein. Er taucht doch tatsächlich die zwanzig Meter an unserer Ankerkette hinab und kommt mit Seeigeln als Beweis zurück.
Nicht schlecht. Ich komme keine drei Meter nach unten. Ein guter Moment, nach unserem Propeller zu schauen. Da wir in San Lucas mit der PERITHIA nicht aufs Trockendock kamen und zum Trockenfallen am Strand die Tide zu gering war, konnte ich ihn leider nur provisorisch montieren.
Gemeinsam können wir jetzt noch einmal nachschauen und alles noch einmal anziehen. Später sollte aber dann doch noch ein Taucher oder ein Strand mit ordentlich Ebbe und Flut her.
So lange muss es eben halten. Nur ja nicht rückwärts fahren. Der Tauchgang ist im Übrigen schnell geschafft, Randy muss nur ein Brett in der Schraube verkeilen und ich kann dann mit einer ellenlangen Verlängerung die Halteschraube festzerren. Es geht.
Danach ist erst einmal wieder Tequillazeit. Umgeben von Walen - es ist unglaublich; wunderbar!
So vergeht der Tag und wenn es am schönsten ist, sollte man fahren. Das heißt, stürzen wir uns wieder in den Passatwind. Oder eben in die Flaute.
Wir scheinen da besonderes Glück zu haben. Also ist motoren angesagt.


Zum Glück nicht allzu weit. Irgendwann haben wir auch unsere lang ersehnte Brise von achtern. Gleichmäßig und zuverlässig genauestens von hinten.
Allerdings, irgendetwas ist hier anders. Die Wellen passen so absolut nicht zum Wind. Zu hoch. Nicht dass uns das stören würde, doch dem Segel passt es leider überhaupt nicht.
Flapp, Segel links, flapp Segel rechts, so geht das nicht. 2000 nm haben wir noch vor uns. Mit flapp - flapp kommen wir da nie an.
Doch wie heißt es so schön? "Dem Deitschen Inschenör ist nichts zu schwör."
Im Klartext bedeutet das, den Großbaum ganz nach außen gestellt, ein paar Umlenkrollen plus den Niederholer zweckentfremdet. So kann die Genua direkt nach außen gefiert werden - und wir haben ein Passatsegel.
Ich habe mal nachgezählt, im Ganzen habe ich für diese Konstruktion sieben zusätzliche Leinen benötigt.


Und der Weg zum Bug gleicht leider auch einem Hindernispacour. Doch was soll`s, wir kommen voran. Wenigstens solange der viel gerühmte Passat noch weht.
Was leider auch nicht der Fall zu sein scheint. Er flaut nämlich ab. Aber wir haben ja noch unseren Blister. Der will sogar noch bei dem leisesten Lüftchen. 5 Knoten sind eigentlich immer zu machen.
So vergehen die Tage. Wir nutzen die Zeit, um endlich einmal unsere arme PERITHIA zu säubern. Bitter nötig übrigens! Das gesamte Deck ist übersät mit kleinen Rostpickeln. Da hilft nur noch die Zahnbürste. Also arbeiten wir uns den lieben langen Tag auf den Knien übers Deck.
Soviel zur erholsamen Pazifiküberquerung…. Das Elend kommt übrigens aus Cambridge Bay und von unseren russischen Freunden. Man sollte halt nie an einem verrosteten Metalldock festmachen, oder viele Zahnbürsten einstecken.
Pünktlich zum Abend ziehen dann meistens Wolken auf. Um das Segeln auch ja nicht so langweilig zu gestalten, schieben sie gewaltige Böen vor sich her. Meistens verzetteln wir uns damit und stehen dann mit unserem Blister ziemlich verloren da.
Was wir ihn während dieser Fahrt schon ins Wasser geschmissen haben, ist nicht normal. Doch was will man machen. Unfreiwillige Tests haben ergeben, so ab 10 Knoten wird es ungemütlich mit dem Genaker.
Wenn`s zu viel wird, wird die Yacht zu luvlastig und es ist ein nicht wirklich beruhigendes Gefühl, eine 180°- Wende zu fahren, bei der unten der Kiel stoppt und oben das riesige Segel gerne gerade auf weiter möchte.
Sowieso ist das gesamte Reffsystem nicht unbedingt besonders genial durchdacht. Wir sind, glaube ich, nicht die einzigen, die damit Schwierigkeiten haben. Bei Flaute mag das alles gehen, aber was tun bei Wind?


Ich muss vor zum Bug um mir einen schnürsenkeldicken Fall zu angeln. Damit sollte ich dann versuchen, den Bergeschlauch über den Genaker zu ziehen. Zu meiner Entlastung und um den Wind herauszubekommen sollte Kathrin achtern das Segel losschlagen.
Soweit so gut. Nur, umso mehr Wind, um so mehr Zug auf den Leinen. Kathrin bekommt sie dann schon gar nicht mehr klar. Und außerdem ist die gesamte Angelegenheit kreuzgefährlich.
Ich darf gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn man sich in den Bergeleinen verheddert. Das Segel knallt auf und du hängst 5 Meter außer Bords im Wind.
Somit Plan B: "Dem Deitschen Inschenör ist ……" Ein paar Blöcke und Rollen später und wir können unseren Genaker bequem vom Cockpit aus bergen. Doch auch die besten Konstruktionen helfen nicht gegen die Kalmen.
Dieses Jahr unheimlich ausgeprägt, stoppen sie uns schon 300 nm vor dem Äquator. Null Wind, null Wolken und null Regen. Eigentlich ist alles nur noch warm. Das Wasser hat mittlerweile angenehme 29 Grad und eignet sich somit nur bedingt zur Abkühlung.
Leider scheitert meine geniale Idee, an Bord einen Springbrunnen zu installieren, an der Qualität unserer Baumarktgartenpumpe. Aber schön wär`s doch gewesen!
So langsam aber sicher rückt nun auch der Äquator näher.
Muss auch, wenn Poseidon noch etwas vom Tequilla abbekommen möchte, sollte er sich beeilen.
Zur Abwechslung mal am Tag, im Hellen ist es dann auch so weit: 00° 129. 10.


Kein Spruchband mit "Herzlich willkommen!", keine Zollschranke, nur Wasser und nichts. Wir absolvieren das obligatorische Äquatorbad, stoßen mit Poseidon an und weiter geht's.
Die Kalmen haben sich anscheinend recht weit nach Norden verlagert, wir jedenfalls haben pünktlich mit der Überquerung wieder Wind. Und den nicht zu knapp.
Somit beginnt der langweilige Teil unserer Reise. Wir segeln recht hart am Wind, haben dadurch eine gewaltige Schräglage und müssen eigentlich nichts tun außer abwarten.
Mit Putzen ist somit auch nichts mehr, das Wasser würde blank aus dem Eimer schwappen. Dafür hat Kathrin ihren Geschmack für Vampirbücher entdeckt. (oder sie hat keine anderen Bücher mehr…) 9 fette Wälzer lang reisen Andrje und Abu Dun, beides gute Vampire, mit bei uns auf der PERITHIA.
Abends dann, wenn sich die Sonne endlich verzogen hat, bauen wir unseren Laptops an Deck auf und genießen Freilichtkino unter einem gewaltigen Sternenhimmel. Das ist schon wunderbar.
Die PERITHIA fährt völlig von allein, außer dem Wind im Segel und dem Rauschen der Wellen ist Stille. Und so geht's nun weiter bis nach Ua Huka.

Ach so, einen Fisch hätten wir beinahe gefangen. Neben Vampiren hat Kathrin nun auch noch ihre Leidenschaft für das Angeln entdeckt.
Und man will`s ja gar nicht glauben, plötzlich surrt die Rolle los. Mit ihr leider unser bester Köderfisch incl. Stahlvorfach!
Der Verdach liegt nahe, mindestens ein Hai oder gar größeres…



29.März 2010
Letzter Bericht aus Mexico



Zeit für einen letzten kurzen Zwischenbericht aus Mexico. Es gibt doch wirklich nichts Entspannenderes als ein Segelboot ohne Motor.



Bläst der Wind, ist es gut. Bläst er nicht, ist es eben auch nicht schlecht. Dann wird halt gewartet. Nach dieser Devise geht es nun die Küste entlang.
Erstes Ziel ist Bahia Asuncion. Das ist nicht so weit und wir wollen ja auch noch etwas von Mexico sehen.
Wie üblich, kommen wir abends im Dunkeln an. Doch das sind wir gewöhnt. Schnell ist der Anker draußen und das Dingi klar gemacht. Wir wollen doch mal sehen, ob es noch irgendwo ein Tortilla und vielleicht ein Bierchen zu kaufen gibt.
Nur die Brandung hat es wieder einmal in sich. Mit gemischten Gefühlen sehen wir den letzten Wellen vor dem Strand entgegen. Baden gehen, sollte jetzt eigentlich nicht angesagt sein.
Aber wir haben so unser System: warten auf eine vernünftige Welle und dann mit Volldampf auf ihr bis zum Sand! Das klappt immer. Nur ja nicht mitten drin von der nächsten überholt werden. Das geht dann nämlich schief.
Also, wir kommen trockenen Fußes an und wuchten erst einmal unser Schlauchboot an den Strand. Viel los scheint hier nicht zu sein. Es ist noch gar nicht so spät, und doch ist schon alles dunkel. Es sieht irgendwie verlassen aus.
Aber Tortillas und Bier, das ist doch schnell gefunden. Sonst ist eher Totentanz. Wir schlendern also gemächlich den Strand entlang und siehe da, wir stolpern über einen Haufen Blei. Das gibt es ja nun wirklich nicht.
Im vorletzten Hafen habe ich doch unseren Bleigürtel zum Tauchen verloren. Er ist mir einfach über die Hüften gerutscht und konnte auch trotz sofort eingeleiteter intensivster Suchaktion nicht geborgen werden. Wahrscheinlich kommt irgendwann der Moment, wo man sich überlegen sollte, ob den Gürtel über oder unter den Bauch…
Seither jedenfalls, war tauchen ohne Gürtel etwas kompliziert, Mit Neobrener ohne Blei, schwimmt man wie ein Korken auf dem Wasser. Versuche da mal einer, unter dem Boot eine Leine abzubekommen.
Egal, hier jedenfalls liegt doch tatsächlich ein Gürtel im Sand. Zwar nicht mehr der Jüngste, aber man könnte was draus machen. Glück gehabt.
Unser Start durch die Brandung zur PERITHIA zurück, läuft dann ungefähr so ab, wie die Landung: auf eine Welle warten, genau im richtigen Augenblick schieben und durch. Wir haben ja noch Übung von Barrow. Nur dass das Wasser dort so um die Null und nicht wie hier so ca. 20 Grad hatte. Es klappt jedenfalls. Wir bleiben trocken.



Nächstes Ziel: Bahia Magdalena
Wir hieven den Anker an und der Wind hört auf. So geht das nicht! Also - Anker wieder runter und warten. Doch schon nach ca. 2 Stunden kehrt der Wind langsam aber sicher wieder zurück und wir können los.
Dieser Teil der Küste ist zum Segeln nahezu genial. Mit angrenzender hundertprozentiger Sicherheit weht der Wind aus Nord. Und so soll es auch bleiben. Somit kommen wir recht gut voran. Nur ab und an ein paar Stunden Flaute, doch das ist normal. Man kann die Uhr danach stellen. Spätestens 2 Sunden später frischt es wieder auf. Also kein Grund, irgendetwas an den Segeln zu ändern. Nur eben warten.
So kommt man auch ans Ziel und die Laguna Magdalena kommt in Sicht. Die Einfahrt in die riesige Bucht von ist somit schnell genommen. Blöd nur, das winzige Fischerdorf Dorf, welches wir ansteuern wollen, liegt ungefähr 7 nm nördlich. Und damit leider genau in der Windrichtung. Kreuzen ist angesagt.
Da unsere PERITHIA nun mal kein Rasingboot ist und somit auch nicht unbedingt über die allerbesten Hart-am-Wind Eigenschaften verfügt; eine langwierige Angelegenheit. Im Zig-Zag und natürlich wieder einmal im Dunkeln arbeiten wir uns also die Bucht aufwärts. Und auch diese ca. 20 nm gehen irgendwann vorbei. Heute Nacht sind wir hier das einzige Boot. Doch schon am nächsten Morgen bekommen wir Besuch. Eine amerikanische Yacht stoppt neben uns.
Erstaunlich, dass sich noch jemand hierher verirrt. Wir sind doch schon etwas abseits von der normalen Seglerroute. Und auch unser Fischerdorf erweist sich als nicht unbedingt der übliche Touristenort. Ein paar Hütten, eine Kneipe und das war's auch schon.



Durch die komplett fehlende Vegetation, nur Sand und Steine, erscheint alles recht karg und lädt somit nicht wirklich zum Verweilen ein. Doch wie meistens, die Menschen hier sind super freundlich und freuen sich über jeden Besuch.
Nur zwei Boote auf einmal, das überfordert dann doch den Vorratskeller der Kantine recht schnell. Der Tequila jedenfalls reicht keine Stunde.
Ich habe noch Glück, und bekomme das letzte Bier. Nun ist guter Rat teuer, was tun? Doch die Amerikaner, unterwegs mit einer riesigen Raisingyacht scheinen recht gut ausgerüstet. Schnell ist Nachschub vom Boot geholt und es wird noch ein recht lustiger Nachmittag.
Später soll es dann Lobster geben. Wir sind zum Dinner eingeladen. Doch im Augenblick versuchen wir erst einmal, zur PERITHIA zurückzukommen. So recht und schlecht gelingt uns das sogar; Kathrin geht nur einmal über Bord und ist recht schnell wieder ins Trockene gezogen. Nur das Lobsterdinner, das haben wir dann leider verschlafen…
Von hier bis zu unserem eigentlichen Ziel, Cabo San Lucas sind es jetzt nur noch so an die 150nm. Also - einen Tag und eine Nacht.
Hier wird übrigens das am höchsten dotierte Schwertfischangeln der Welt ausgetragen. Immerhin 2,5 Mio. $.



Das bedeutet, es muss ab und an auch einen Merlin geben.
Grund genug also, sein Angelzeug in bester Ordnung zu halten. Beim harten Kampf auf Leben und Tot, Auge in Auge mit dem Feind, wenn nur noch der Sieg zählt, kommt es auf alles an. Kraft, Können, Intuition und Equigment, alles muss im richtigen Augenblick Hand in Hand greifen. Nicht der kleinste Fehler wird verziehen.
Wenn jetzt die Technik versagt, das ist nicht so gut. Also ist es Zeit, die Angel einer genaueren Inspektion zu unterziehen. Ein bisschen Öl oder Fett hier und dort, kann an für sich nicht schaden. Der Merlin kann kommen.
Doch zuerst kommen Touristen. Sämtliche, zurzeit verfügbaren Amerikaner scheinen hier in Cabo San Lukas Urlaub zu machen.
Eine Bucht, komplett anders. Tourismus pur. Wir parken recht nahe am Strand und damit leider genau vor einer Disco.



Und zu allem Überfluss direkt in der Einfahrschneise der vielen Jetskis. Ständig ist ein Gewusel, wir staunen, dass es keine Unfälle gibt. Kreutzfahrtschiffe geben sich den Ankerplatz sozusagen in die Hand. Hier ist anscheinend Mexikos Hauptferienort und sehr beliebt bei betuchten Amerikanern; nobel, nobel!
Aber unser Propeller wartet schon und ist dank Tom, der uns fährt, schnell geholt. Der Anbau selber erweist sich allerdings als etwas langwierig, ist ansonsten aber auch kein wirkliches Problem.
Sogar die Reparatur unseres Kühlschrankes, der nach dem Wassereinbruch, den die Tsunamiwelle so mit sich brachte, in Streik getreten war, gelingt wider Erwarten. Somit müssen wir uns hier nur noch komplett verproviantieren und sind an für sich startklar für den nächsten Abschnitt unserer Reise.
Es geht quer über den Pazifik in die Südsee!



21.März 2010
Mexico - Entspannung nach dem Tsunami



Vor uns öffnet sich die weite malerische Bucht von Bahia Tortuga. Nach überstandener Tsunamiwelle und so ohne Motor ist das genau das, was wir brauchen.
Langsam (fast kein Wind) segeln wir zu unserem Ankerplatz. Obwohl nicht alleine, ist Platz genug.


Die paar Yachten, die hier verstreut in der Nähe des Strandes ankern, lassen uns genug Platz. Natürlich wird unser langwieriges Ankermanöver genauestens beobachtet. Es ist halt gar nicht so einfach, nur unter Segeln bei fast Flaute so ungefähr an den richtigen Fleck zu steuern. Das dauert eben und ist auch nicht unbedingt alltäglich. Normalerweise könnte man für die letzten paar Meter ja den Antrieb benutzen.
Somit dauert es auch nicht lange und wir bekommen schon mal den ersten Besuch. Segler sind halt neugierige Wesen. Auch die örtliche Tankbarge lässt nicht lange auf sich warten. Ernesto, der Tankwart muss unbedingt alle Vorzüge des Ortes erläutern. Nicht das wir was vergessen oder so.
Die Bucht scheint bei Seglern die von Kanada oder den Staaten aus in Richtung Mexiko segeln, sehr beliebt zu sein. Es bietet sich geradezu an, hier einen Tank- oder Einkaufsstopp einzulegen.
Das Dingi ist schnell klar und wir starten erst einmal zur ersten Besichtigungstour.


Am Strand unter ein paar Palmen (noch keine Kakteen) ist eine Bar. Mehr brauchen wir eigentlich nicht. Wir lassen es langsam angehen.
Wieder zurück auf der PERITHIA, beschließe ich, zuerst einmal das elende Tau aus der Schraube zu operieren. Also, wie gewohnt, rein in den Neoprener und ab unter Wasser. Nur - diesmal wird es ein kurzer Tauchgang. Der Propeller ist weg. Wahrscheinlich waren ihm die ständigen Verwicklungen dann doch irgendwann zu viel.
Na, nützt nichts, werden wir eben in den sauren Apfel beißen müssen und uns einen neuen bestellen. Wir jedenfalls, lassen uns von solchen Kleinigkeiten nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Da es im Ort ein Internetcafe gibt, sollte die Bestellung an für sich kein allzu großes Problem darstellen. Nur, als wir ablegen wollen, dümpelt doch unser Dingi führerlos und langsam aber sicher von uns weg! Der einmillionste Knoten hat wohl nicht gehalten. Das ist vielleicht eine blöde Situation! Mit Hinterhersegeln ist ja nichts, so bei null Wind.
Doch zum Glück gibt es ja ein Funkgerät und das Wassertaxi von Ernesto. Somit wird ein bisschen gelacht und alles ist wieder ok. Auch die Order unseres Props erweist sich dank unseres Freundes Wolfgang aus Seward als problemlos.
Nur die Lieferadresse… Irgendwo müssen wir das Paket ja hinschicken lassen. Und es spricht hier wirklich kein Mensch englisch.Nur mein Cousin Beegee, der kann spanisch. Also per Skype eine Verbindung aufgebaut, und über Deutschland translatet.
Irgendwie geht am Ende alles. Es braucht halt nur etwas Zeit. Am Abend dann noch ein Bierchen in der Strandbar und wir sind an für sich ganz zufrieden. Alles hätte auch viel schlimmer ausgehen können.


Der nächste Tag beginnt und unser Dingi ist schon wieder weg. Klasse! Wir sind wahrscheinlich die einzigen, die so was ein einem Tag gleich zweimal schaffen. Nur diesmal war es über Nacht recht windig. Was nichts Gutes ahnen lässt.
Ernesto ist dann auch sofort zur Stelle und wir machen uns schon mal auf die Suche nach dem Ausreißer. Na ja, gefunden ist es schnell, doch in was für einem Zustand! Es war anscheinend doch etwas zu wellig. Den Rest hat dann die Brandung besorgt. Aber es ist alles da. Verstreut am Strand finden sich Paddel und sogar der verloren geglaubte Außenborder wieder an.
Den Motor muss ich zwar aus dem Sand ausgraben, doch er ist noch da. Ich wuchte alles in das völlig voll Wasser stehende, aber noch schwimmfähige Schlauchboot und versuch mein Glück. Zurück zur PERITHIA habe ich zwar die Strömung gegen mich, doch irgendjemand wird mich schon auflesen.
Dachte ich jedenfalls. Und so paddle und paddle ich dem Wind entgegen. Ab und an stehe ich auf, um mit meinem Paddel zu winken. Das ist ja überall auf der Welt das Zeichen von: "Ich benötige Hilfe!" Nur hier anscheinend nicht. Mich jedenfalls sieht keiner.
Und so treibe ich langsam aber sicher in die Mitte der Lagune. Und die ist groß. Ich denke, wenigstens Kathrin müsste doch eigentlich mal nach mir schauen. Nichts… Die Erlösung kommt mit Jim. Er, als der am weitesten weg liegende Segler, hat mich dann schließlich doch erspäht.


Zurück an Bord, die Schäden gesichtet, gilt es zuerst einmal den Sand aus dem Außenborder zu schaufeln. Dann den ganzen Spaß mit Süßwasser gespült und ordentlich gereinigt.
So richtig glaubt ja keiner an meinen Erfolg, doch ich werde das schon hinbekommen.


Und siehe da, ein halber Tag Arbeit und der Motor läuft fast besser als zuvor. Was auch gut so ist, denn jetzt können wir uns endlich wieder ohne fremde Hilfe an Land bewegen. Zwar hatten wir auch so keine Probleme, Jim oder Ernesto waren immer zur Stelle, doch auch unsere Wassertanks wollen gefüllt werden. Und das per Kanister.
So vergehen die Tage, eine Woche liegen wir nun schon hier. Mit jedem Tag wird es schwerer, diese Bucht wieder zu verlassen. Es ist aber auch angenehm hier. Alles läuft langsam und geruhsam ab.
Die Menschen sind super freundlich und durch das ständige Kommen und Gehen der Segler wird es auch nie langweilig. Das hat wohl auch George gemerkt, ein 73 jähriger Amerikaner, der hier mit seiner Segeljacht für immer liegengeblieben ist.
Doch was nützt es, langsam wird es Zeit für uns, die Segel zu setzen. Unser Propeller scheint auch unterwegs nach Cabo San Lucas zu sein, 400 nm sind es bis dorthin. Also los. Bei schönstem Wind geht es aus der Bucht hinaus in Richtung Süden.



4.März 2010
Kurzer Zwischenbericht zur Lage der PERITHIA in Mexico



Wir liegen in Ensenada, dem ersten ansteuerbaren Hafen in Mexico.
Angekommen sind wir, wie immer, mitten in der Nacht. Somit ist der erste freie Steg unser. Leider wohl auch der teuerste. 60 Doller Liegegebühren sind dann doch einwenig teuer. Sowieso sieht hier alles etwas anders als im ordentlichen Amerika aus. Keine Marina, nur viele verschiedene Stege. Und zu jedem gehört irgendwo jemand, mit dem es um den Preis zu feilschen gilt. Ich ziehe also los und rolle schon mal die Löckchen aus… Am Ende, nach zähen Verhandlungen, schacke Hands bei 15 Doller. Dafür ist der Steg zwar etwas wackelig, doch was soll uns das stören, Hauptsache er schwimmt. Und wir sind gespannt auf Mexico. Somit zieht es uns natürlich schon am ersten Abend in die Stadt. Mal sehen, wie das Leben hier so spielt. Bars an jeder Ecke und wir landen doch ausgerechnet in einem Puff.
Aber das Bier und der Tequilla schmecken und wir wissen jetzt, auf was man so achten sollte.


Zurück auf dem Boot fehlt Obermaat Tassi. Doch da er in letzter Zeit sowieso ziemlich landgangversessen ist, machen wir uns erst einmal keine all zu großen Sorgen, er wird schon wiederkommen. Nur, am nächsten Morgen ist er immer noch nicht zurück. Alles rufen, pfeifen und suchen bleiben erfolglos. Zum Glück gibt es Wachmänner. Tassi hat wohl unser Umparkmanöver verschlafen und ist somit nach seinem Landgang zum alten Steg zurückgelaufen. Dort musste er dann leider die Nacht auf einem fremden Boot verbringen. Dem Wächter fiel das auf und da sich die beiden schon kannten, konnten wir unser verlorengegangenes Mannschaftsmitglied wohlbehalten wieder an Bord begrüßen.
Überhaupt war die Nacht alles andere als ruhig. Ein ständiges Geschaukle und Gewackle. Ständig gungst uns irgendetwas an. Das bedeutet, bei jedem Schlag stehst du auf, guckst, welcher Kahn war das jetzt schon wieder, und ziehst die Taue straffer. Ich stell mir da den vorbildlichen Yachtbesitzer vor, er hätte wahrscheinlich graue Haare am nächsten Tag. Wir jedenfalls staunen nicht schlecht; am nächsten Morgen ist unser Nachbarbootssteg verschwunden. Nur noch Reste ragen aus dem Wasser. Der Tsunami hat doch tatsächlich seine Auswirkung bis zu uns geschickt. Ein Fischer erzählt, in der Nacht gab es Wasserstandsschwankungen bis zu 3 Meter. Das war dann wohl zuviel für den Steg.
Was man auch nicht vergessen sollte, das Einklarieren. Wir sind schon wieder einmal zu lange im Hafen und noch nicht bei den Behörden gewesen. Heute ist schon unser zweiter Tag in Mexico und somit sollten wir schnellstmöglich die Einklarierungsstelle aufsuchen. Also beißen wir in den sauren Apfel und stürzen uns in Paperwork. Die Beamten sind, kann man nicht anders sagen, wirklich nett. Doch Formulare en masse und alles in 5-facher Ausführung. Erst Stunden später haben wir unsere Stempel. Jetzt offiziell angekommen, können wir das Leben hier in Enzenada genießen. Und siehe da, eine kurze Eingewöhnungsphase und alles ist wunderbar.


Strandpromenade, kleine Läden und Freisitze. Jeder ist zu einem Schwätzchen bereit. Auch, was wir noch so für die PERITHIA brauchen, ist leicht zu organisieren. Bei einer neuerlichen Kontrolle z.B. hat unser Kabelgeist festgestellt, dringend benötigen wir ein neues Fall für den Blister. Hier kein Problem, irgendwo wird immer ein Boot zerlegt, und in Einzelteilen verkauft. Somit auch unser Fall. Doch auch wenn`s schön ist, wir müssen weiter.
An sich wollten wir von hier aus ja direkt in Richtung Südsee starten. Doch irgendwie hält es uns noch in Mexico; so richtig bereit zum Start für drei bis vier Wochen quer über den Pazifik sind wir noch nicht. Unser Stegvermieter, selber Segler, empfiehlt uns die Lagune de Negro. Dort soll es viele Wale geben und wunderschön sein. Fahren wir halt noch etwas an der Küste entlang. Mexico verspricht echt interessant zu werden. Dass wir das allerdings hätten lieber bleiben lassen sollen, wissen wir dann erst später.
Diese Tour soll sich doch tatsächlich zur gefährlichsten Situation unserer gesamten Reise entwickeln. Am Ende hätte sie uns beinahe das Boot und wahrscheinlich das Leben kosten können.
Doch zuerst einmal drei wundervolle Tage auf See. Der Wind kommt stetig von achtern, wir haben nichts zu tun, die PERITHIA segelt wie von selbst. Somit haben wir Zeit, um unseren, langsam Moos ansetzenden Blister wieder einmal aus der Versenkung zu holen. Wie gesagt, einfach wunderbar. Diese Art zu segeln, kennen wir ja nun schon seit langer Zeit nicht mehr. Die letzten Monate bedeuteten Wind für uns, meistens Sturm, Eis und Wellen. Somit genießen wir die Tage.


Doch wie sagt man? " Geht's dem Esel zu gut, geht er aufs Eis."
Wir freuen uns so über das entspannte, ruhige segeln, dass wir vergessen den Blister im letzten Tageslicht einzuholen. Die Dunkelheit der Nacht legt sich recht schnell über uns.
An sich kein Problem, nur hat sich an der Mastspitze etwas verheddert. Das Ding lässt sich beim besten Willen nicht zusammen ziehen. Nun ist so ein Blister doch recht gewaltig. Mit der Hand ist da nicht so viel zu machen. Schlagen wir ihn zuerst also los. Damit ist der Wind schon mal draußen. Der Nachteil ist nur, die Leinen schlagen durch das Wasser und damit leider auch unter das Boot. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf... Da am Bergungsschlauch immer noch nicht zu rütteln ist, entschließen wir uns, den Blister eben komplett herabzulassen.
Bei Wind zu zweit eine nicht so einfache Angelegenheit, da ja einer im Cockpit die Winsch bedienen muss. Der andere muss nun versuchen, das komplette Segel irgendwie im Boot zu behalten. Wie gesagt, etwas Wind weht auch.
Kurzum, am Ende liegt das meiste im Wasser und wir sind vollauf damit beschäftigt, das Tuch ins Boot zu hieven. Doch auch das ist irgendwann geschafft. Man sollte solche Manöver eben doch im Hellen erledigen.
Nur was jetzt kommt, ist wirklich Pech. Bei der gesamten Angelegenheit hing ja ständig eine Leine im Wasser. Von der Sache her hat uns das ja keine Sorgen bereitet. Der Motor ist aus, wir treiben nur.
Und doch, diesmal kein Krabbpott; wir haben uns selber geangelt! Aber nicht so wild, wir brauchen die Maschine nicht (denken wir) wir wollen in eine Lagune, das geht auch unter Segeln. Dort ist dann halt wieder tauchen angesagt. Bin ich ja schon gewöhnt und es geht auch immer schneller von der Hand.
Natürlich erreichen wir unsere Lagune wie üblich mitten in der Nacht. Somit drehen wir bei und driften so mit ca. 1 Kn vor der Küste entlang. Morgen ist auch noch ein Tag.
Die Einfahrt hat es allerdings in sich. Ab ca. 5 nm vor der Küste befinden sich überall Sandbänke. Das heißt, wir sollten gewaltig acht geben, nicht aufzulaufen. Die Karte weist einen bojebesetzten Kanal aus, der als Fahrrinne allerdings nicht gerade breit ist. Aber der Wind weht von achtern, somit wird das schon gehen. Oder eben auch nicht. An was wirklich keiner denkt und wir auch nicht wissen können, der Tsunami! Es rauscht hinter mir, ich drehe mich um und denke nur noch: "Na ach du Schreck!" Da Kommt eine Welle, besser ein Brecher angerollt - jeder Server hätte gejubelt. Machen kann ich nichts, viel zu schnell. Mein "Achtung!" nützt eigentlich auch nichts, Kathrin ist eh unten am Kartentisch. Ich kann nur sagen, zum Glück schließen wir bei solchen Angelegenheiten immer den Niedergang. Trotzdem, der Brecher schlägt mit aller Gewalt von achtern ins Boot. Der Niedergang ist zwar zu, doch die Luke oben auf ist offen. Binnen einer Sekunde steht das Wasser ca. 15 cm hoch im gesamten Boot. Ich habe mich irgendwie festgehalten und nun alle Hände voll zu tun, die PERITHIA gerade im Wind zu halten. Nur nicht querschlagen und ja nicht nach backbord abfallen. Auf der Steuerbordseite befindet sich unsere gesamte Elektrik. Das heißt bei den Wassermassen im Boot jetzt ja keine Schlagseite nach rechts bekommen. Und der nächste Brecher lässt auch nicht lange auf sich warten. Solange er uns direkt von hinten erwischt, mag das alles noch gehen. Er saust dann übers Boot- ich derweil unter dem Tisch- und schiebt uns nun mit einem Affenzahn der Küste entgegen. Nur bei der kleinsten Abweichung zur Seite schiebt es uns mit Sicherheit quer und wir schlagen zu 100 % um. Doch es geht gut! Drei, vier mal der ganze Spaß, dann sind wir erst einmal durch. Die See wird etwas ruhiger, doch der nächste Abschnitt vor uns ist schon auszumachen.


Dazu, wie gesagt sind überall Sandbänke. Ein Wunder, dass wir noch nicht aufgesessen sind. Also, um erst einmal einen Überblick zu bekommen, muss der Anker raus. Damit stehen wir denn auch mit dem Bug zu den Wellen. Nun ist schöpfen angesagt. Alle Pumpen laufen und man glaubt gar nicht, wie viel Wasser so durch den Eingang passen…


Jetzt die Frage: wie kommen wir hier wieder raus? Weiter Richtung Laguneneingang? Zu flach! Zurück aufs offene Meer? Der Wind weht direkt von vorn und es ist ebenso flach. Es gilt Untiefen von 1,50 m bis 0,30 m zu umsegeln. Auch 3 m reichen bei Wellenbergen von vielleicht 5 m nicht immer. Eigentlich bleibt nur ein May-Day. Ein Lotze, ein Schlepper oder wenigstens ein Rettungsboot in sicherer Entfernung würde schon helfen. Doch Funkstille! So gut scheint die Küstenwache hier nicht organisiert zu sein. Uns jedenfalls hört keiner. Aber irgendetwas sollte jetzt passieren! Der Anker hält nicht, und die nächsten Brecher nähern sich. Nach erneutem eingehendem Studium der Karten bleibt uns an sich nicht viel Spielraum. Doch besser versuchen, aus dem Schlamassel rauszukommen, als untätig auf die Wellen zu warten. Wie gesagt, dass dies hier nur die Auswirkungen der Tsunamiwellen sind, erfahren wir erst später.
Also Anker wieder hoch und los. Nun steuere mal einer bei absolutem Gegenwind solche Brecher aus. Der erste geht ja noch. Wir haben etwas Fahrt und es gelingt, ihn so halbwegs schräg zu nehmen. Doch jetzt beginnt das Elend. Kathrin ruft von unten die Richtung, ich versuche das mit der Windrichtung zu koordinieren. Keine Chance. Und die Wellen kommen. Um dem Boot wenigstens etwas Fahrt zu geben, muss ich doch recht schräg an den Wind und eben auch zu den Wellen. Es ist schon faszinierend, wie langsam, sozusagen in Zeitlupe sich am Ende alles abspielt. Der Brecher rollt heran, das Boot versucht in letzter Sekunde herumzuschwenken und ganz langsam dreht sich der Bug in die richtige Richtung. Nur- der Seegang ist zu hoch, zu schnell und wir viel zu langsam. Wir werden hochgehoben, schaffen den Berg nie und nimmer. Und das bedeutet: es geht mit voller Fahrt zurück. Nur ja gerade bleiben! Kommen wir quer, schlagen wir um. Und dann schlägt das Wasser mit voller Wucht übers Boot. Man könnt auch sagen, wir waren für kurze Zeit ein U Boot. Zum Glück, durch die vielen Stürme im Vorfeld vorgewarnt, haben wir uns im Gegensatz zu so vielen anderen Seglern schon lange von sämtlichen Aufbauten an Deck getrennt. Somit büßen wir bei dieser Gelegenheit nur unsere Sprayhot und unsere gesamte Decksbeleuchtung ein. Allerdings, und das ist weitaus gefährlicher, zerschlägt die Welle die Deckluke der vorderen Koje. Das bedeutet, wir schöpfen und schöpfen im Vorschiff. Aber wir schwimmen noch!
Der Tiefenalarm piept und gibt unmissverständlich zu verstehen, es ist zu flach. Doch man muss auch einmal Glück haben.
Genau in dem Moment, wo ich denke, jetzt sitzen wir auf, hebt uns eine gewaltige Welle an und schiebt uns über die Untiefe. Genauso schnell, wie alles angefangen hat, ist plötzlich alles wieder vorbei.
Wir waren, so könnte man sagen, eben genau im richtigen Moment am richtigen Ort.
Trotzdem, von dieser Lagune lassen wir mal lieber die Finger. Wir werden eine sichere Bucht so ca. 60 NM Südlich ansteuern, um dort das Boot trocken zu bekommen und sämtliche Schäden zu sichten und zu reparieren. Bahia Tortugas scheint dafür geeignet zu sein, vielleicht gibt es eine Kirche und wir zünden eine Kerze an…





01.01.2010 - 08.02.2010
Inside Passage und nordamerikanische Westküste bis San Francisco



Das Wetter ist günstig. Pünktlich zum Neujahrstag wollen wir von Sitka ablegen. Denn irgendwann sollte die Kälte ja auch mal ein Ende haben.


Der Plan: erst schrubben wir Meilen - bis Prinz Ruppert geht es außen, danach wird es gemütlicher, die Inside Passage entlang.
Nur noch verabschieden. Bei Andre ist gerade Dean, den wir interessanterweise am Abend zuvor schon auf der Strasse getroffen haben mit einer Flasche Bailey auf einen Neujahrstrunk zu Gast. (die Welt ist halt klein) Er ist ein älterer Skipper, der mit seinem Boot die Inside Passage zweieinhalb Monate von Süd nach Nord heraufgetuckert ist und jetzt hier im Hafen wohnt.
Wir mögen uns auf Anhieb, nur leider gibt es gewisse Schwierigkeiten bei der Verständigung. (Südstaatenakzent vom feinsten…)
Unser Ablegemanöver wird dann ein wenig zur Fotosession - Andre ist von Beruf aus Fotograf. Von Dean bekommen wir zum Abschied noch seinen Kartenatlas für die Inside Passage geschenkt, in dem er alles von seiner Route bis ins kleinste Detail eingezeichnet, markiert und kommentiert hat. Wir sind sprachlos und freuen uns riesig.
Die Meilen bis Prinz Ruppert vergehen dann auch ohne nennenswerte Schwierigkeiten wie im Fluge. Nur die Einfahrt in die Hafenbucht; man sollte lieber im Hellen ankommen. Wir jedenfalls kommen im Dunkeln… Nichts ahnend fahren wir in die riesige Bucht. Peng, ein gewaltiger Knall. Irgendetwas war da wohl im Weg. Ruck-zuck, die Treppe hoch und den Motor aus, dauert nur Sekunden. Im letzten Licht sehe ich einen Baumstamm in der Dunkelheit verschwinden.


Oh, Oh! das hätte auch anders ausgehen können. Ein kurzer Check der Bilge sagt, alles o.k. nur unseren Geschwindigkeitsmesser für die Fahrt durch das Wasser, den hat es erwischt.
Das ist dumm, denn nun können wir dir Strömung nicht mehr berechnen. Aber ab jetzt wird aufgepasst! Sowieso ist auf unserem weiteren Weg durch die Passage an Nachtfahrten nicht zu denken. Überall lauert Treibholz.
Dazu gilt es unbedingt die Gezeiten im Auge zu behalten. Es gibt Strömungen von sage und schreibe 11 ktn! Da wäre dann rückwärts angesagt. Und zu guter Letzt halten sich die Gezeiten noch nicht einmal an ihre sonst üblichen Nord-Süd Flussrichtungen.
Ist ein Wasserarm zu lang, teilt sich das Wasser kurzerhand und die Ebbe kann schon mal nach Norden zu abfliesen. Kurzum, man sollte sich immer überlegen, wo man gerade ist und spätestens um 17. Uhr muss ein Hafen oder Ankerplatz gefunden sein. Wobei das an sich kein all zu großes Problem darstellt, ab und an kommt ein kleiner Ort. Allerdings meist Indianerreservate, was wieder einmal bedeutet, es gibt kein Bierchen und auch kein Weinchen.
Doch trotz Treibholz, manchmal ganz schön engen Stellen, Prohibition, viel Regen und Nebel und sonstigen Widrigkeiten ist die Inside Passage eine wunderschöne Route. Natur pur.


Endlose Wälder, Wasserfälle, heiße Quellen, kleine und große Inselchen, im Sommer Bären, Fisch en masse - Ich denke, eine hervorragende Strecke zum paddeln oder so.

Unser Ziel jedenfalls heißt Victoria. Um dort hin zu kommen, gilt es nur noch einmal kurz den Dixon Entrance zu queren und anschließend rund 200 nm im Schutz von Victoria Island zurückzulegen. An sich nicht weiter schlimm. Nur bläst uns natürlich genau im richtigen Augenblick der Wind entgegen. Nichts ist mit: "schnell mal über das einzige Stück offene See". "Zurück!" ist angesagt. Und… es wird dunkel.
Auf der Karte finden wir eine winzige Bucht. Die könnte zum ankern gehen. O.k., eine Stunde im Dunkeln, dass wird schon klappen. Wir kommen im Stockfinsteren an und versuchen die Einfahrt zu finden. Auf den Kartenplotter ist in solchen Fällen kein hundertprozentiger Verlass, zu ungenau. 100 m Differenz sind keine Seltenheit.
In Barrow sind wir sogar einmal über eine Insel gefahren. (laut Karte) Zum Glück auf der richtigen Seite. Ausschließlich das Radar ist hier zuverlässig genug. Also - im Schleichgang. Nachts scheinen 50 m ziemlich eng. Die Bucht soll sich dann ca. 200 m breit öffnen. Wenn wir doch nur etwas sehen könnten! Wir suchen uns laut Radar ungefähr die Mitte und lassen erst einmal den Anker fallen.
Da etwas Wind geht und wir sicher liegen wollen, lassen wir eine Menge Kette aus. Dummerweise bringt aber gerade das uns natürlich wieder näher an die Felsen. Zu sehen ist nichts, aber wahrscheinlich könnte man bei Tag hinten von Bord an Land springen. Irgendwer aber muss hier wohnen. Unser Computer zeigt doch tatsächlich einen Internetzugang. So gelingt es uns, in der letzten Einöde, unsere Mails zu versenden. Man kann nur staunen.
Der Wind frischt auf, allmählich haben wir Sorgen. Wenn wir hier unglücklich mit dem Heck an die Felsen schlagen, das Ruder ist nun mal hinten, wer soll denn dann helfen? Also doch lieber wieder raus aus der Bucht. Nur - wie? Den Anker einholen, o.k.. Doch um auf dem Radar und dem Plotter etwas zu erkennen, brauchen wir erst einmal Fahrt. Also Augen zu und durch. Am Ende sind wir so besser aus der Bucht raus wie rein gekommen.
Eben Glück gehabt! Da es sowieso schon langsam hell wird, steuern wir zurück in Richtung offene See. Es schüttelt zwar etwas, doch das ist am Ende besser als ein Felsen. So kommen wir zwar langsam aber immerhin überhaupt aus der Passage und nähern uns Victoria.


Hier sollten wir, wenn wir Glück haben, Wale sichten können. Und wir haben Glück! Wie bestellt, kreuzt unser Kurs den Weg einer Orcafamilie. An die 20 kleine und große Familienmitglieder schwimmen sorglos um unser Boot herum. Immer wenn eins der kleineren uns nahe kommt, schiebt sich, wahrscheinlich der besorgte Vater zwischen uns und seinen Nachwuchs. Es ist einfach beeindruckend und wir sind absolut begeistert.


Und es gibt wieder Segelboote. In Victoria wird anscheinend gerade eine Regatta gestartet. Der Start sollte auch unbedingt vor unserer Hafeneinfahrt sein… So kreuzen wenigstens zwanzig Segler unter vollen Segeln vor uns hin und her und warten auf den Startschuss. Wir, mit Motor haben die Vorfahrt zu beachten und echte Schwierigkeiten mit diesem Gewusel. Bleibt zu hoffen,dass jeder weiß, was er tut.
Die Marina selber entpuppt sich allerdings als Flop. Der teuerste und nobelste Anlegeplatz überhaupt.


Und unheimlich nette Leute... Zuerst ein Zaun, der, ist man erst einmal draußen, nicht mehr ohne Schlüssel zu öffnen ist. Wir gehen zum Hafenoffice um uns anzumelden, doch es ist geschlossen. Gut, irgendwer wird schon kommen, um uns wieder zur PERITHIA zu lassen. Kommt auch und - schlägt uns die Tür vor der Nase zu! Was bedeutet, ich muss mich über den Zaun hangeln! Am nächsten Tag, wir bewegen uns nur noch einzeln und mit Funkgerät nach außerhalb, gelingt die Anmeldung.
Dabei erfahren wir die erste unmissverständliche Regel im Yachthafen: `Arbeiten am Boot, das geht hier gar nicht!` Na ja, wahrscheinlich könnte ich eine Firma beauftragen, selber machen scheint hier aber nicht angesagt.
Doch lange wollen wir sowieso nicht bleiben. Nur mit Tassi zum Tier- /Zahnarzt, unsere Pakete abholen und dann weiter. Wir haben einen Stadtplan und finden sogar unsere Adresse. Der Bus bringt uns an den Anfang der Strasse, den Rest können wir laufen.
Was wir dabei leider übersehen haben: wir sind bei Nummer 300 und wollen zur 850 oder so. Wer schon einmal in Kanada gewesen ist, weiß, dass das Hausnummern von Einfamilienhäusern sind. Stunden später, wir haben unsere Pakete, kehren wir dann völlig fertig zum Boot zurück. Laufen sind wir irgendwie nicht mehr gewohnt.
Von Victoria aus geht es nun weiter die nordamerikanische Westküste südlich. Der Wind ist nicht gerade berauschend, kommt meist von Süd, doch es sollte gehen. Erster Hafen ist Neah Bay. Eine Stadt kurz vor Cape Flattery. Man könnte denken, wir haben uns verfahren und sind wieder im Hohen Norden. Gerade mal eine Strasse. Gut, legen wir halt wieder ab.
Nächstes Ziel ist Westport. An sich nicht weit, nur - wir merken recht schnell, man sollte wieder einmal nicht im Dunkeln fahren. Die ganze Küste ist voll mit so genannten Krabbenfallen. Das sind Eisenbottische auf dem Grund, eine Leine und daran drei Bojen. Jeder Fischer besitzt wahrscheinlich hunderte davon.


Fährt man aus Versehen darüber, keine Chance das im Dunkeln zu vermeiden, hat man das gesamte Seil in der Schraube. So auch wir! Und da schaukeln wir nun ca. 10 nm vor der Küste, einen fetten Fitz von so einem Seil um unsere Schraube und haben natürlich: null Wind!
Man könnte meinen, dann springst du eben ins Wasser und entwirrst das Ganze. Geht aber nicht. Die Schraube ist recht weit hinten am Boot. Durch die Rundform unseres Bootes klatscht das Heck bei Stillstand bei kleinsten Wellen gewaltig auf das Wasser. Und 10 bis 15 Tonnen auf den Kopf zu bekommen, na ja.
Durch ständiges vorwärts- und rückwärts Geschalte, gelingt es uns schließlich, die Schraube wenigstens für Schleichfahrt vorwärts wieder in Gang zu bekommen. So mit 1 ktn tuckern wir dann fluchend und schimpfend die 10 nm dem Hafen entgegen. Die Einfahrt hat es leider auch noch in sich.
Durch die riesigen Brandungswellen der Pazifiks entsteht in der Einfahrt ein gewaltiger Schwell. An sich kann man das aussteuern, nur bräuchte man dazu Fahrt. Die Wellen rollen also nur so von hinten heran und schieben uns mehr recht als schlecht in den Hafen. Der Rest ist an sich kein Problem, wenn nur der Neoprener passen würde.
Die Länge haut ja noch hin, nur im Umfang scheint er gewaltig eingegangen zu sein… Über die Dirk (das Seil, welches den Großbaum hält und dadurch am weitesten oben am Mast endet) ziehen wir die PERITHIA so schief es geht und ich versuche mein Glück im Tauchen. Wie gesagt, der Neoprener scheint eingegangen und so entpuppt sich die gesamte Aktion als äußerst anstrengend. Doch so zwei Stunden später haben wir es geschafft und die Schraube ist wieder frei.


Unser nächstes Ziel ist Newport. Wir halten die Augen offen, denn noch mal tauchen, muss nicht sein. Wie gehabt gibt es keinen Wind, also laufen wir unter Motor - direkt in die nächste Falle. Es ist nicht zu glauben. Krabben mögen zwar gut schmecken, gesund sind sie bestimmt auch, aber überall.
Irgendwo müssen wir ja schließlich auch noch fahren. Der nächste, für uns erreichbare Hafen ist Garibaldi. Ein hübsches Städtchen mit netten Fischern, die uns bei der Einfahrt zuwinken.
Der Neoprener ist immer noch zu eng, aber wir haben Übung. Boot schief gezogen und mit dem Messer wild drauf losgesäbelt, es geht. Trotzdem sind wir langsam ratlos. Wie sollen wir die Küste hier jemals herabsegeln, wir können doch nicht in jedem Hafen einmal tauchen gehen, ein neues System muss her.
Also gehen wir am besten in eine Fischerbar. Ein paar Erkundigungen können nicht schaden. Der Abend wird recht lang und der Heimweg irgendwie schwierig…


Ich kann mich aber am nächsten Tag daran erinnern, eine Krabbenfalle kostet so um die 150 $ und kommt höchstens bis zu einer Tiefe von 120 Metern vor. Gut, fahren wir eben weiter raus.
Bis Newport ist es ein Stückchen, da kann ein kleiner Umweg nach draußen nicht schaden. Was wir dabei allerdings nicht bedacht haben, ist, irgendwann, spätestens vor der Hafeneinfahrt, muss man auch wieder an die Küste zurück. Wir denken uns, nachdem uns dies klar geworden ist, mitten in der Hafeneinfahrt wird ja wohl nun keiner fischen.
Also halten wir uns strikt an die Bojen und schwups - Krabbenfalle die dritte. Nur - diesmal hat es uns schlimm erwischt. Wir bekommen das Seil nicht durch. Somit haben wir den Eisenkorb unter uns und schleppen ihn über den Boden mit. Das geht ja nun überhaupt nicht. Viel zu gefährlich.
Erst nach endlosem Hin und Her haben wir zumindest soweit Erfolg, dass wir den Korb verloren haben. Nur das Knäuel in der Schraube scheint größer als gewöhnlich. Es ist, als hält uns jemand fest. Rüttelnd und schüttelnd kommen wir trotzdem langsam aber sicher zum Hafen. Nun natürlich im Stockdunkeln…
Was ich so von der Einfahrt erkennen kann, lässt mich Böses ahnen. Die Molen sind recht weit ins Meer gebaut und sollen die schlimmste Brandung abhalten. Wahrscheinlich funktioniert das auch, wenn man seit 20 Jahren hier Fischer ist, und jeden Tag dreimal rein und raus fährt.
Wir jedenfalls schaffen mit Ach und Krach einen Knoten Geschwindigkeit, mit Lenken ist da nicht so viel. Ich lass mich also erst einmal langsam in Richtung Einfahrt treiben. Diese ist vielleicht 100 m breit, das sollte zu schaffen sein.
Links ist ein Felsen, die Brandung bestimmt 10 m hoch. Rechts die Mole sieht auch nicht viel besser aus. Kathrin sitzt unten und versucht mir laut Karte den Weg zu weisen. Allerdings hat das den entscheidenden Nachteil, dass eben die Wirklichkeit manchmal doch etwas anders aussieht als auf dem Plotter.
Die Wellen krachen gewaltig von hinten und das erste Fischerboot hinter uns macht eine Notwende. An sich hätten wir Gas geben müssen, doch mit Seil in der Schraube? Kathrin dirigiert mich nach links, aber da ist doch der Felsen. So geht das nicht. Ruder rum und zurück.
Der Motor jault und rüttelt, die PERITHIA gibt wirklich alles. Langsam, wirklich langsam kämpft sie sich über die Brecher zurück. Gerade noch einmal geschafft. So geht es jedenfalls nicht. Ich beobachte das nächste Fischerboot. Es nähert sich der rechten Mole, bleibt dort stehen um auf die nächste Welle zu warten. Dann ordentlich Schwung auf den Felsen zu. Kurz davor noch eine Kurve und das war`s.
Gut, Test der zweite: Ich lasse mich langsam in Richtung Mole schieben. Kathrin hat den Auftrag, im richtigen Augenblick das Wendesignal zu geben. Im Dunkeln eine recht aufregende Angelegenheit. Man kann beim besten Willen die Entfernung nicht einschätzen. Aber es klappt. Die richtige Welle kommt und schiebt uns genau in die Einfahrt. Wir sind durch. Später (bei der Ausfahrt im Tageslicht) habe ich allerdings gesehen, unser erster Versuch hätte beinahe am Felsen geendet, ca. 20 m sind nicht unbedingt ein Sicherheitsabstand.


"Nie wieder nachts mit einem nicht voll funktionstüchtigen Boot!" sagen wir uns.
Nach der üblichen Tauchprozedur, die mittlerweile immer schneller geht, schauen wir uns die Stadt an. (für Insider, hier wurde die Serie OC Kalifornien gedreht). Lange wollen wir hier aber nicht bleiben, San Francisco ist unser Ziel. In einem Ruck schaffen wir das allerdings nicht. Ein Sturm ist angekündigt. Aber 2 Tage sollten noch gehen.
Wir segeln recht weit außerhalb, um nicht schon wieder einen Notstopp einlegen zu müssen. Der Wind frischt langsam auf und wir wundern uns. An sich sollte das erst in zwei Tagen passieren. So bis in die Nacht hinein geht es, doch dann entwickelt sich aus der frischen Brise ein recht ausgewachsener Sturm. Ein neuerlicher Check unserer Wettervorhersagen zeigt uns zwar keinen Wind aber eine 9 Bft ist eben doch eine 9! Es hilft nichts, drehen wir bei. Um nicht an Land getrieben zu werden, über Steuerbord.
So treibt es uns nur langsam aufs Meer. Auf diese Weise verlieren wir in der Nacht gerade einmal 10 nm. Der nächste Tag wird zum Glück etwas ruhiger. Da wir so schön weit draußen sind, können wir recht hart am Wind schräg auf die Küste zuhalten um Crescent City, unseren Schutzhafen anzulaufen. Diesmal segeln wir allerdings bis fast in den Hafen.
Nur nicht den Motor starten! Bis heute ist mir unklar, aus welchen Gründen die Fischer ihre Krabbenfallen genau in die Hafeneinfahrten legen. Die Einfahrt ist, wie alle hier hervorragend... Eng, steinig und der Schwell von hinten schiebt.
Doch diesmal ist bei uns alles klar. So haben wir auch keine nennenswerten Probleme. Der Hafenmeister wartet schon und weist uns den Gästeliegeplatz zu.
Hier erfahren wir auch den Grund für unseren unerwarteten Sturm, der im Übrigen mit satten durchschnittlichen 44 nm geblasen hat. Ein Erdbeben, ca. 400 nm nördlich von San Francisco, also direkt in unserer Nähe, könnte dafür der Auslöser gewesen sein. Gut, das konnte ja nun wirklich keiner unserer Wetterfrösche voraussagen. Auch so haben wir gut daran getan, diesen Hafen anzulaufen, um den angesagten Sturm abzuwarten. Sogar mitten im Hafen bläst eine 8 Bft. Wir benötigen alle Anlegeleinen, die wir haben, um nicht vom Steg geschoben zu werden.
Von hier bis Fan Francisco sind es jetzt auch nur noch zwei bis drei Tage. Wir haben Glück, das Wetter spielt mit und so haben wir zwei wunderbar ruhige Tage auf See. Wind von achtern, fast ein wenig zu lau. Doch wir haben ja Zeit.
Und siehe da, pünktlich zur Abenddämmerung kommt 14.633 nm nach unserer Abfahrt in Korfu am 2.Mai vergangenen Jahres die Golden Gate Bridge in Sicht.


Leider ist es dunkel und es regnet…


22.12.2009
Von Kodiak über Seward nach Sitka



Wir nähern uns Kodiak. Die Hafenwacht ist informiert, und bietet an, uns die letzten Meilen zu schleppen. Brauchen sie aber nicht, mittlerweile hat unser lieber Volvo Penta ein Einsehen und gurgelt, abgesehen von ein paar Aussetzern, so leidlich vor sich hin. Sogar der Autopilot gibt auf den letzten Meilen noch einmal sein Bestes. Zwar muss Einer von uns ständig an Deck sein, um ihn im Auge zu behalten, doch das ist allemal besser als selbst zu steuern. Mit dem Frost scheint er die Unart entwickelt zu haben, immer im ungünstigsten Augenblick Kompass-Nord und damit seinen Kurs ändern zu wollen. Doch nicht so wild, sind wir schnell genug, geht das nach ein paar Schlenkern oder ab und an einem Kreis zu korrigieren. Nur die Einfahrt hat es eben in sich, sie ist sehr lang und recht steinig.


So kommt doch tatsächlich zu guter Letzt noch der Vorschlag, wir sollen lieber ankern und bis morgen auf das Tageslicht warten. Das geht ja nun gar nicht! Das Land lockt. Wir wurschteln, schlenkern und kreiseln uns also durch das Gewirr aus Steinen, Felsen und Bojen und kommen zwar im Dunkeln, aber ohne Dellen und Blessuren im Hafen an. Der erste Schwimmsteg ist unser. Empfangen werden wir vom Hafenmeister und erhalten von ihm auch gleich eine erste Ortseinweisung. Alles Wichtige liegt in der Nähe, problemlos zu Fuß zu erreichen. Kodiak selbst stellt sich als nette, kleine Stadt heraus mit Bar und Internetzugang (für uns immer ganz wichtig), Bootsshop, Supermarkt und was man sonst so braucht. Nur unseren Motor können wir hier leider nicht reparieren. Anscheinend haben alle zu viel zu tun, keine Lust oder beides. So ordern wir hier halt nur einen neuen Autopiloten sowie Ersatz für den "gestohlenen" Windmesser. Wobei sich der Anbau des selbigen als recht schwierig erweist. Unser Mast ist so um die 18 m hoch, also nichts für meine Höhenangst. Der Versuch, einen Arbeiter anzuheuern, scheitert - trotz der vereinbarten 60! Doller Stundenlohn an - was weiß ich was. So bleibt also nur Kathrin. Es ist windstill, die Sonne scheint, somit die besten Voraussetzungen. Ich kurbele also und kurbele, der Weg nach oben ist weit! Kathrin hat in letzter Zeit wohl doch etwas mehr Schokolade gegessen, als sie sollte…


Oben angekommen, versucht sie den Rest des Windmessers zu lösen. Und es klappt. Nur mit der Montage des Neuen, an derselben Stelle, hapert es ein wenig. "Es geht nicht!" höre ich sie von oben klagen. Das kann doch wohl nicht wahr sein! 20 Meter tiefer demmle ich derweil so vor mich hin, fluche auch ein bisschen - was soll man jetzt nur tun? Ich kann sie doch nicht da oben lassen. Gut, dann eben wieder abwärts. Unten angekommen, vergleichen wir altes und neues Gerät auf das genauste. Es sind haargenau dieselben Teile. Nützt nichts, wir starten somit den zweiten Versuch. Und wir haben Glück, nach anfänglichen Schwierigkeiten der Sieg. Wir haben wieder einen Windpiloten. Seither wird jeder, sich auch nur aus der Ferne nähernde Adler misstrauisch beobachtet, das Gewehr ist geladen! Unser Plan, jetzt direkt über den Golf von Alaska nach Sitka zu segeln, scheitert an der Einwanderungsbehörde. Wir müssen schnellstmöglich einklarieren und die Beamten wollen dazu unser Boot besichtigen. OK. Nur leider ist der nächste Hafen, der von Anchorage aus mit dem Auto zu erreichen ist, Seward. Das liegt zwar nun so gar nicht auf unserer Route, doch was nützt es, segeln wir halt wieder nach Norden. Somit erreichen wir den nördlichsten Punkt im Golf von Alaska. Im Nachhinein sind wir allerdings unserem Officer Peterson sehr dankbar. Seward ist ein Ort, den man, einmal hier oben, nicht verpassen sollte. Zuerst geht es ca. 20 nm in einen Fjord hinein. Wunderschön einbebettet in schneebedeckte Berge liegt malerisch ein Segelboothafen. Fast nicht zu glauben. Nur die dünne Eisdecke im Hafen macht uns Sorgen. An Einfrieren hatten wir nun eigentlich nicht mehr gedacht. Knirschend schieben wir uns an den Steg und freuen uns, erst einmal angekommen zu sein. Der erste Weg führt uns, was sonst, natürlich in die nächste Hafenbar. Nirgendwo sonst bekommt man schneller alle nötigen Infos und was man sonst so alles braucht. So natürlich auch hier. Schon am ersten Abend bekommen wir den Schlüssel zum hiesigen Yachtclub. Ist das nicht großartig?!


Wir können das ganze dreistöckige Haus nutzen, duschen oder dort schlafen, was immer wir wollen. Und wir bekommen eine Telefonnummer. Hier im Ort wohnt seit mehr als 30 Jahren ein Deutscher, den wir doch unbedingt anrufen sollen. Brauchen wir aber nicht, Wolfgang, ein alter Seebär und Kapitän auf vielen Schiffen in allen Teilen der Welt hat sich schon selber auf die Suche nach uns gemacht, denn es hat sich schnell rumgesprochen, dass wir zwei mit einem Segelboot aus dem Norden angekommen sind. Er lädt uns erst einmal zu sich zum Dinner ein. Es wird ein wunderschöner Abend mit abenteuerlichen Geschichten aus seiner Zeit auf See und unseren Erlebnissen. Diese Nacht schlafen wir seit Ewigkeiten mal wieder in einem richtigen Bett in einem Haus an Land. Die nächsten Tage werden etwas anstrengend. Unsere PERITHIA geht aus dem Wasser und wir wohnen somit auf dem Trockendock.


Unser Mechaniker Dennis nimmt alles in die Hand und kümmert sich um alle möglichen Arbeiten. Somit sind wir guter Hoffnung, am Ende ein endlich wieder funktionierendes Boot zu haben. Auch Officer Peterson mit netter Bekleidung kommt extra aus Anchorage vorbeigefahren. Wir bekommen schließlich ein Visum und haben 1100 Doller weniger. Alles in allem vergeht die Zeit wie im Fluge. Weihnachten rückt näher und wir stecken immer noch hier in der Kälte, die bei -18°C nun auch noch unser Gas zum Kochen lahmlegt. (zum Glück wird es nach 3Tagen wieder etwas wärmer) Endlich kommt auch die PERITHIA wieder ins Wasser und siehe da, alles ist beim Alten. Nur - wir haben 4500 Doller weniger. Unser guter Mechaniker Dennis (der eigentlich Schweißer ist, wie wir hinterher erfahren) hat alles Mögliche gemacht. Nur halt nicht das Richtige. Eigentlich hätte der hiesige Volvohändler auch mal einen Ton dazu sagen können. Na, man lernt halt nie aus. Immerhin versichern sie uns, dass das Getriebe nicht kaputt sein kann, es müssten sonst Spuren im Getriebeöl erkennbar sein. Wir könnten beruhigt weiterfahren. Diese Aussage beruhigt uns zwar ein bisschen, aber so richtig glücklich sind wir nicht. Trotzdem brechen wir auf, der Preis hat uns dann doch etwas geschockt. Wir haben guten Wind, also auf in Richtung Sitka. So um die fünf Tage werden wir für die Tour brauchen. Kurz vor dem Ziel erwischt uns doch tatsächlich noch ein Sturm. Zu unserem Glück kommt alles schräg von achtern. Aber eben mitten in der Nacht. Was allerdings auch sein Gutes hat, man ahnt zwar die gigantischen Wellen, sieht sie aber nicht so deutlich. Jedenfalls überfordert das Geschaukel sogar unseren neuen Autopiloten. Es hilft nichts, dicke Sachen an und selber steuern. Im Stockdunkeln mitten in einem Schneesturm wirklich nicht die angenehmste Angelegenheit. Die Genua zieht das Boot zum Glück immer in den Wind. Somit ist das Steuern kein allzu großes Problem, nur ist es eben saukalt. Eine Stunde segeln, eine halbe Stunde Pause. So vergeht die Nacht auch irgendwann. Nach der dritten Dusche und dem letzten Paar trockener Schuhe (das Cockpit sieht jedes Mal aus wie eine Badewanne) geben wir schließlich lieber auf und drehen bei. Dann wird die Nacht doch noch recht gemütlich. Früh ist der Sturm vorbei, der Autopilot funktioniert wieder tadellos und die Wellen schieben uns geradezu unserem Ziel entgegen.


Ich glaube wir sind in der schönsten Gegend hier oben angekommen. Eine Landschaft aus Fjorden, kleinen Inseln, Vulkanen und sogar heißen Quellen. Im Sommer ein wundervolles Segelrevier und ein Paradies für Angler und Jäger. Hier werden wir die Weihnachtstage verbringen. Wenn schon nicht unter Palmen auf Hawaii, so doch wenigstens gemütlich bei Weihnachtsente, Klößen und Rotkraut, mit Lichterkette und Kerzenschein. Über Skype erzählen wir Weihnachtsgeschichten und singen Weihnachtslieder mit unseren Lieben daheim. Und der Weihnachtsmann beschenkt uns mit einem lang ersehnten Satellitentelefon.
Wir treffen hier einige, die auf ihren Booten wohnen und auf den Sommer warten. Kaum angekommen, klopft es und wir werden von Andre, einem charmanten, französischen Einhandsegler zum Dinner eingeladen. Oder Susann, die mit ihrem Mann Toni von Neuseeland kommend in Sitka überwintert und uns deutsche Bücher und Weihnachtsplätzchen bringt. Oder Dean, der vor einem Jahr mit einem alten Fischkutter von Vancouver nach Sitka die schwierige Inside-Passage gefahren ist und uns seinen Marineatlas schenkt, in dem er seine Route bis ins kleinste Detail dokumentiert hat. Und JR, der von den Philippinen kommt und mit benachteiligten Kindern arbeitet. Er ist nicht nur lustig und liebenswert, er kriegt es auch hin, unser neues Telefon für den Emailempfang einzustellen.


Wir fühlen uns hier rundum sehr wohl, wenn da nicht noch die Sache mit dem Motor wäre: Also starten wir unseren, hoffentlich letzten Versuch, die gute PERITHIA wieder fit zu bekommen. Irgendwie muss der Motor doch zu reparieren sein. Um es kurz zu machen, zwei Mechaniker und prompt auch zwei unterschiedliche Diagnosen später, beschließen wir: selbst ist der Mann! Und siehe da, ein paar neue Einspritzdüsen und alles ist in bester Ordnung. Somit ein Hoch auf alle hiesigen Mechaniker; das waren Nummer 12 und 13!!! Wir sind wieder rundum seeklar und bestens ausgerüstet. Und dann noch ein Sahnehäubchen zum Schluss: Dank einer superfreundlichen Frau von der Einreisebehörde stellt sich heraus, dass unser netter Officer Peterson mit der Zeitbemessung unseres amerikanischen Visas aus irgendeinem, nicht nachvollziehbarem Grund, etwas arg gegeizt und uns damit in ziemliche Zeitnot gebracht hat. Am letzten Tag des alten Jahres bekommen wir die Verlängerung zu uns ans Boot gebracht! Das heißt, wir verbringen den Jahreswechsel mit Startvorbereitungen und stoßen voller Vorfreude auf unsere gute alte PERITHIA und unsere Weiterfahrt an. Am ersten Tag des neuen Jahres, geht es los. Der Norden, mit seiner wundervollen Landschaft liegt jetzt definitiv hinter uns.


Unsere Herzen können auch gar nicht mehr die Einzigartigkeit dieser faszinierenden Gegend wahrnehmen. Wir sehnen uns nach so langer Zeit einfach nach Wärme und nehmen nun endgültig Kurs Richtung Sueden.


10.11.2009
King Cove bis Kodiak


Wolkenverhangen kommt King Cove in Sicht. Wind und Wellen von achtern, treibt es uns geradezu in den Hafen.
Keine besonderen Zwischenfälle, wir sind froh, uns endlich von Dutch Harbor gelöst zu haben. Hier wollen wir jedoch nur kurz bleiben, so groß ist die Stadt (Dorf) nun auch wieder nicht.
Es gilt eine Sturmwarnung abzuwarten, dann sollte es schnellstens weitergehen. Der kluge Mann baut vor, also habe ich mich gründlich informiert.
Hier lebt alles vom Fischfang (was auch sonst), sowie von dessen Verarbeitung.
Ein Supermarkt sowie zwei Bars. (ich habe eine Freigetränkmarke) Die Schule nicht zu vergessen. Wir legen also an und starten erst mal eine kurze Erkundungstour.
Und dabei soll's auch bleiben. Man, hier ist wirklich der Hund verreckt.


Interessant ist jedoch, Internet haben wir hier nur in der Schule beim Rektor gefunden. Doch da Beamte ja meistens nett sind, kein Problem sein Büro als unsere Nachrichtenstation zu nutzen.

Na wenigstens spielt das Wetter mit. Es weht zwar eine ziemliche Brise, wie bestellt jedoch genau von Westen. Warten wir noch einen Tag und dann ist Start mit Ziel Sand Point.
Zwei Tage später sind wir zur Weiterfahrt bereit.
Die Strecke vor uns ist ein wenig kompliziert. Wir fahren jetzt innerhalb der Aleuten, somit gilt es eine Menge Inseln zu umrunden.
Bei 2,5 Meter Gezeiten baut sich da doch stellenweise eine gewaltige Strömung auf. Von den Wellen, die das so mit sich bringt, nicht zu reden. Jedenfalls ist die Karte übersät mit Warnungen und Hinweisen. Doch abwarten und los.
Es weht eine ordentliche 7 BF. Strömung und Wind schieben uns nur so dahin. Die Durchfahrten zwischen den Inseln sind stellenweise recht schmal und wir kommen so mit cirka 9 bis 12 Knoten dahergesaust.
Etwas Aufpassen sollte also nicht schaden.
An ein Aufstoppen bei der Geschwindigkeit ist nicht zu denken. Aber alles ist gut, wir sind so schnell - wir kommen zur Abwechslung einmal viel zu zeitig im nächsten Hafen an.
Ich finde es zwar wunderschön, kommt ein fremder Hafen in Sicht - alles ist neu, man wartet, was bringt diese Landung wieder für neue Erlebnisse.
Nur eben bitte nicht im Stockdunkeln. Erst gilt es, in einen kleinen Durchgang zwischen zwei Inseln einzubiegen. Dort ist es flach und zu allem Elend hat's auch noch jede Menge Felsen.
Es gibt zwar ein paar Tonnen, doch die kann ich doch von unten aus der Kombüse raus nicht sehen…
Aber zum Glück gibt es ja einen Autopiloten und ISY mit dem Seekartensystem. Wie immer, stimmen selbst die kleinsten Details, wir umgehen die Felsen und stehen mitten in einem stockdunklen Hafen. Haben die denn hier kein Licht? Der einzige helle Fleck - ein Fischkutter.
Gut, sagen wir uns, legen wir halt dort kurz an. Allerdings, anlegen an einem Fischereifahrzeug bringt meistens einen Vorteil sowie einen gewaltigen Nachteil. Zum einen braucht man sich nicht um die Gezeiten zu kümmern, das ist gut. Allerdings pflegen Fischer meistens recht früh aufzustehen, das ist schlecht.
So auch bei uns. Schon beim ersten Hahnenschrei müssen unsere Nachbarn doch tatsächlich unbedingt los und wir halt ebenso. Nicht mal Zeit für einen Kaffee. Doch was will man machen, nutzen wir also das frühe Tageslicht und suchen uns einen guten Platz im Hafen.


Der ist schnell gefunden und ein erster Überblick zeigt, gar nicht so schlecht.
Sand Point ist an sich recht klein, hat sich aber voll auf Fischkutter spezialisiert. Fischfang und Reparatur.
da heute Veteranentag ist, wird es auch erst einmal nichts mit anmelden beim Hafenmeister. Also zum Glück kein Papierkram.
So erkunden wir halt die Stadt. Viel gibt es nicht zu sehen, aber wir treffen Jim und Charlie. Es ist wie überall. Auf dem Rückweg zum Hafen sehen sie uns durchs Fenster und winken uns zu sich ins Haus.
Anscheinend sitzen sie allerdings schon ein ganzes Weilchen, es muss irgendetwas zu feiern geben. Genuscheltes alaskanisches Amerikanisch, dass muss erst einmal einer verstehen! Wir jedenfalls haben so unsere liebe Mühe. Auch das Level stimmt nicht ganz. Aber egal, beeilen wir uns und feiern halt mit.
Zu guter Letzt bekommen wir sogar noch einen Lachs eingepackt. Ich kann nur sagen, so was von lecker!!!
Sonst gibt es über Sand Point eigentlich nicht sehr viel zu erzählen.
Vielleicht noch, dass die Leute hier, wie überall im Norden, sehr freundlich und hilfsbereit sind. So vergeht die Zeit und zwei, drei Tage später sollten wir an sich weiter.
Noch tanken, was nicht ganz so einfach ist, das Tankdock ist anscheinend für Kreuzfahrtschiffe gedacht. Dermaßen hoch, ich könnte die Kanister über die Davits ablassen. Besser doch die Autotankstelle und schleppen.


Zum Glück treffe ich jemanden auf der Mole, der mir seinen Truck borgt. Der hat zwar ein Lenkrad, das dermaßen schlackert, dass ich doch lieber erst einmal nachschaue, ob es auch wirklich nicht abfällt, doch so geht das Tanken dann am Ende doch recht schnell.

Die Strecke vor uns ist so ziemlich die schwierigste, auf den Aleuten. Also erkundigen wir uns mal lieber bei den Fischern nach der besten Route.
Und Klasse - hätten wir mal lieber nur einen gefragt. Es ist wie überall, fragst du vier, hast du mindestens fünf Wege.
Das Problem der Strecke aber, so viel wird schon einmal klar, liegt an den vielen Buchten und den recht hohen Bergen dahinter. Der Wind pfeift darüber, so dass keiner sagen kann, was die nächsten 100 Metern bringen werden.
Die Empfehlungen gehen von: ganz nah dran vorbei, so sind die wenigsten Wellen bis: weit draußen, da hat man kleinere Böen. Also entscheiden wir uns für den goldenen Mittelweg und mixen Böen mit Wellen. Nicht, dass wir was verpassen.
Und los, so schlimm ist das gar nicht. Die Wellen kennen wir schon. Von vorne links bis hinten rechts übers Boot. Schlecht nur, wir haben uns ein paar recht kalte Tage ausgesucht.
Der Wind nimmt zu, und irgendwann bekommen wir langsam Schwierigkeiten, die Höhe zu halten. Da rings um uns schon wieder recht viele Felsen auftauchen, beschließen wir, um aus dem Legerwall zu kommen, mal lieber einen kleinen Umweg in Kauf zunehmen.
Man muss sich das so vorstellen: wir fahren an einem Inselgebiet vorbei, wo es zu gewaltige Strömungen bei den Gezeiten kommt. Das, gepaart mit dem üblichen Sturm plus den Wellen von der Seite macht es schwer, auf Kurs zu bleiben. Wenn dann irgendetwas passiert, sollte man lieber nicht vor einer Küste stehen.
Also doch sicherheitshalber außen rum. Anscheinend haben wir uns allerdings zur Shelikof-Strait, dem kältesten Punkt hier, auch noch den kältesten Tag ausgesucht.
Dazu hat es eine Gischteiswarnung gegeben. Die müssen wir allerdings irgendwie überlesen haben. Es sind -13°.
Jede Welle, die über das Boot schlägt, gefriert sofort. Langsam wird die Angelegenheit nun doch etwas gefährlich.
Die PERITHIA bekommt einen Eispanzer, der mit jeder Welle dicker wird und eben auch schwerer. Viel geht da nicht mehr, und wir kommen in ernsthafte Schwierigkeiten.


Mittlerweile haben wir so ca. 20 cm Eis auf dem Deck. An Segeln ist so schon lange nicht mehr zu denken, alles eingefroren und unser, schon ewig leicht defektes Getriebe holt uns nun genau im richtigen Augenblick natürlich auch noch ein.
Inzwischen haben wir backbord eine stabile ca. 60 cm hohe Mauer aus Eis. Unsere Reling auf Luv ist komplett zugefroren.
Das sind 15 m mal 60 cm mal 20 cm kompaktes Eis. Rechne einer das Gewicht aus. [[Webmaster hat gerechnet : 1,8 t ]]
Langsam bekommen wir jedenfalls Schlagseite. Das Beste ist wohl, erst einmal anzuhalten und die Nacht über abzuwarten.
Um nicht allzu weit abzutreiben, tun wir also das einzig Richtige - wir binden das Ruder ganz nach backbord fest und stellen den Motor auf Schleichfahrt.
So schafft es die Maschine nicht, uns gegen den Wind zu drehen, drückt aber gegen das Ruder und hält uns somit gegen die Wellen ungefähr auf der Stelle. Das bringt den Vorteil, stehen wir, sind wir wie ein Korken auf dem Wasser. Die Wellen bleiben außer Bords.
Zu guter letzt funke ich noch die Küstenwache an, so dass sie wenigstens unsere Position kennen und sich ein Bild machen können. Man kann ja nie wissen!
Um den Motor sicher über Nacht am Laufen zu halten, mache ich das, was ich seit Wochen beinahe täglich tue, ich lasse Wasser aus den Filtern.


Keine Ahnung, wo das noch herkommt. Ich kann mir nur vorstellen, dass durch die Temperatur Schwitzwasser gebildet wird.
Dringend muss ein neuer Wasserabscheider her. Somit ist alles klar für die Nacht.
Nur das mit der Coast Card hätte ich mal lieber lassen sollen. Sie vermuten Gefahr und wollen uns doch tatsächlich mit dem Helikopter holen.
Doch was wird denn dann aus der armen PERITHIA? So schlimm ist es ja nun auch wieder nicht.
Es gelingt mir, sie zu überzeugen und wir einigen uns auf regelmäßige halbstündige Positionsangaben. Da wir allerdings ab und an auch etwas Schlaf brauchen, was bei dem ständigen Gefunke nicht so einfach ist, verlängern wir die Frist später auf eine Stunde.
Trotzdem, auf einem Segelboot gibt es ab und an auch etwas zu arbeiten und jede Stunde eine 15 min Unterbrechung zum funken - was soll da werden? Jedenfalls, der nächste Tag kommt mit Sonnenschein und gemütlichem Wind aus der richtigen Richtung.
Wir sehen zwar aus wie der Eispalast der bösen Schneekönigin, aber mit Hammer und Meisel fällt auch der härteste Eisklumpen irgendwann mal ab.
Ein Helikopter kommt, um zu schauen, ob wir noch schwimmen.


Bei bestem Wetter und Sonnenschein segeln wir unserem Ziel Kodiak entgegen. (stündliche Meldung nicht vergessen)



20.10. bis 09.11.2009
Dutch Harbor

Eine Verschnaufpause für uns und unsere PERITHIA

Seit langem wieder der erste großen Hafen. Man, sind wir froh, ohne weitere Probleme hier anzukommen.
Im Hafen winkt schon der Hafenmeister. Ein Segelboot fällt anscheinend auf. Er erklärt uns den Weg zum Liegeplatz. "Macht mal bei Good Deal fest!"
Etwas irritiert überlegen wir: "Sollen wir jetzt etwas mit den Fischern aushandeln, oder was?" Ist aber nur ein Bootsname. Leinen klar und angelegt.
Kaum ist alles verzurrt, scheint sich unsere Ankunft sowie unsere technischen Sorgen auch schon herumgesprochen zu haben.
Die Welt ist klein in Dutch Harbor. Unser Nachbar Mat, ein Segler, der im Hafen überwintern will, sowie ein Lette Namens Karl, der ebenso Segler ist, stehen am Boot und bieten ihre Hilfe an.
Einen Kaffee später klopft der örtliche Mechaniker an die Tür. Ich glaube, um diese Zeit treffen nicht mehr all zu viele Segelboote ein. Schnell werfen wir die Leinen wieder los. Machen wir halt zur Anschauung eine Proberunde.
Sowieso ist Dutch Harbor hier der Dreh- und Angelpunkt. Kaum ein Boot auf der Nord-Süd Route legt hier nicht kurz an.


Wir staunen nicht schlecht, als wir erfahren, die FIONA ist erst vor 2 Wochen von hier gestartet. Da hätten wir sie ja fast noch wieder getroffen.
Probefahrt beendet, sind wir jedenfalls der Meinung, wir sollten aus dem Wasser. Was sich allerdings als gar nicht so einfach herausstellt.
Alles hier ist auf große Fischerkähne ausgelegt. Mit 4.000 $ kein Problem, aber für unsere kleine PERITHIA? Wir werden sehen. Ich gehe schon mal ein paar Erkundigungen einziehen und die Lage peilen. Einen Kran finde ich dabei zwar nicht, aber eine Riesentüte Königskrabben bekomme ich als Ankommensgeschenk mit auf den Weg.
Dumm nur, dass die so schnell sattmachen. Die schmecken dermaßen gut, doch alle sind beim besten Willen nicht zu schaffen.
Die Stadt selber ist dann doch nicht so groß, wie man es vermuten könnte. Alles ist auf den Fisch- und Krabbenfang fixiert.
Aber es gibt lustige Leute. Noch am ersten Abend, wir gehen uns den Hafen anschauen, fällt uns ein Boot auf. Alles voll Pflanzen, ist ja doch etwas seltsam.
Jedenfalls dauert es keine Minute, und wir können uns Jeff sein Hausboot von innen beschauen. Hier leben neben der Familie noch zwei Hunde, eine Katze sowie eine Menge Meerschweine. (einen alten Blues auf der Gitarre spielt er uns auch)
Und Adler gibt es. In allen Variationen und in solchen Mengen, man glaubt es kaum. Überall sitzen sie herum, ich würde sagen, wie bei uns die Tauben (nicht übertrieben)
Schlecht nur, sie scheinen mir recht schwer. Mein letzter, funktionierender Windmesser jedenfalls hat einen Landeanflug nicht überlebt.
Sogar zahm werden sie. Charlie, ein älterer Einäugiger, sitzt jeden Tag pünktlich vor der einzigen Kneipe im Ort und wartet auf sein Mittagessen.


Unser erster Tag endet dann, wie seit Wochen sehnlichst erwartet, im Hotel. Nach Monaten im Boot endlich mal wieder ein Bett, dass nicht schaukelt und sogar eine richtige, etwas klein geratene Badewanne.
So vergehen die Tage. Dadurch, dass wir eines von sehr wenigen Segelbooten hier oben und das Letzte um diese Zeit noch dazu sind, sind die meisten sehr neugierig auf unsere Geschichte.
Die Werkstatt kann uns zwar nicht helfen, kümmert sich aber ununterbrochen um unsere Bestellungen (alles muss geordert werden und kommt somit entweder vom Festland, oder von sonst wo her). In ihren Hallen bekommen wir sogar endlich einmal unsere Segel incl. Reservesegel trocken.
Nur aus dem Wasser kriegen wir die PERITHIA nicht. Doch zum Glück kennen wir ja Karl. Ihn haben wir am ersten Tag sowie auf einer der folgenden verschiedenen Dinnerpartys kennen gelernt. Er ist Taucher und bietet uns an, die PERITHIA von unten zu inspizieren und eventuelle Schäden zu reparieren. Klar sagen wir ja.
Ich habe zwar so meine Bedenken, die Schraube habe ich schon in Griechenland auf dem Trockendock nicht einen Millimeter bewegt. Doch Karl scheint ein Künstler und unser extra aus Seattle georderter neuer Propeller wechselt sich beinahe wie von selbst. Eine eingehende Untersuchung ergibt, alles in bester Ordnung, nur das Ruder hat einen Riss.


In einem der nächsten Häfen werden wir ein Trockenfalldock aufsuchen. Etwas Spachtel sollte reichen. So vergehen die Tage mit Flicken, Schrubben, kleineren und größeren Reparaturen und Verbesserungen.
Zum Beispiel brauchte ich letztens einmal schnellstens eine Signalrakete: "Wo sind die verdammten Dinger denn nur?" Oder die Handlampe. Vom Feuerlöscher gar nicht zu reden. "wieso haben die keine Halterung da, wo man sie auch findet?" Sogar Old Ganstick ist im letzten Sturm durch seinen Schrank marschiert und hat ein Loch hinterlassen.
Jetzt ist Zeit, für alles eine stabile Halterung zu bauen, so dass alles seinen festen Platz hat.


Es gibt einiges zu tun, wir haben Zeit und zum Glück einen Nachbarn, der Elektriker ist. Er bekommt sogar das Problem mit der ständig kochenden Batterie in den Griff.
Auch uns selber vergessen wir nicht. Die letzten Wochen waren dann doch etwas anstrengend. Doch hier ist es schön. Das Wetter ist zwar wechselhaft, aber öfters Sonne und selten unter 5° C.
Wir genießen es und sogar Tassi hat einen Park direkt am Boot zum Spazierengehen gefunden. So vergehen die Tage mit lange schlafen, ein bisschen Arbeit und abends Party.
Sitte ist übrigens, bei jedem Drink muss unbedingt ein Trinkspruch her. Das heißt, sollte der Abend lang sein, kann es schon passieren, dass sich der eine oder andere wiederholt.
Doch eigentlich sollten wir langsam wieder weiter. Und wie das Leben so spielt, wir sind zur Abfahrt bereit - das Wetter ändert sich.
Es gibt eine Sturmwarnung. Dass man diese sehr ernst nehmen sollte, ist schon daran zu merken, es fährt kein einziger Fischer mehr aufs Meer.
Also verknoten wir die PERITHIA mit allen Seilen, die wir haben und warten erst mal ab. Nachts schaukelt es, als würden wir segeln.
Doch wir sitzen bombenfest an unserem Nachbarn GOOD DEAL. `Nur`, überlege ich `hoffentlich er auch an seinem! ` (wir liegen im Dreierpack).
Denn wenn er nicht hält, gehen wir zusammen. Eine schnelle nächtliche Inspektion zeigt gravierende Mängel. Schnell suche ich noch ein paar Leinen zusammen, um ihn und damit auch uns nicht durch den Hafen treiben zu sehen.
Später ist mir dann allerdings die Aktion ein bisschen peinlich; ein Fischer wird wahrscheinlich besser wissen, wie er sein Boot zu vertäuen hat, als ich. Doch sicher ist sicher!
So verlängert sich unser Dutch Harbor Aufenthalt unfreiwillig um eine weitere Woche. Es scheint, der Winter hält Einzug. Zwar wird es nicht wesentlich kälter, doch der Wind gibt sich Mühe und pfeift mit aller Macht über die Berge, die sich nun vollends verschneit geben.
Aleuten im Spätherbst!.


Wir trösten uns damit, dass es bis King Cove gerade einmal 160 nm sind. Zwei Tage mit einer einigermaßen guten Wettervorhersage sollte es doch geben.
Derweil dreht der Wind, so dass wir in der Stadt von ihm nichts mehr zu spüren bekommen. Nur die Fischer liegen immer noch alle im Hafen.
Aber auch das ändert sich, das Barometer steigt. Wir sind bereit.
Die vor uns liegende Strecke ist ein wenig kompliziert zu segeln. Mat ist ein Kenner dieses Segelreviers; er gibt uns gute Tipps für die Route.
Da wir ja noch auf der Beringseeseite der Aleuten sind, müssen wir nach ca. 15 nm durch einen schmalen Pass, um auf den Pazifik zu wechseln. Es gibt aber nicht besonders viele solcher Durchgänge, deshalb strömt bei den Gezeiten eine gewaltige Menge Wasser bergauf oder ab.
Es heißt also: absolut pünktlich eine Stunde vor Flutende am richtigen Fleck zu stehen. Start somit zwingend 10.00 Uhr.


Das scheint allerdings die Trowlermanschaft vor uns nicht zu wissen. Ihr Kapitän ist mit der Bordkasse abgehauen.
Sie haben also Zeit und laden uns auf einen Wodka ein. So feiern wir dann Abschied. Allerdings haben wir noch mehr Nachbarn… Es wird nur "ein ganz klein wenig" später!
Aber mit dem 10.00 Uhr Start, na ja! Wir können es niemals schaffen, pünktlich an besagter Stelle zu sein, deshalb bereiten wir alles für den nächsten Morgen vor.
Ein neuerlicher Wettercheck zeigt, noch ist nicht alles verloren. Anderthalb Tage haben wir, dann wird es wieder windig. Eine ruhige 5 Bf, die sich allerdings am nächsten Nachmittag zur 7 mausern will.
An sich keine große Sache, wenn dahinter nicht die 10 und 11 Bf lauern würden. Das heißt, diesmal sind wir zeitig genug auf den Beinen.
Sowieso habe ich keine Lust, noch einmal jedem in der Stadt unseren neuerlichen technischen Defekt zu erklären. Aufgetankt und frohen Mutes starten wir diesmal zur rechten Zeit.
Draußen vor dem Hafen wedelt es ein bisschen, doch das sollte uns nicht stören.
Genau im richtigen Augenblick biegen wir in die Durchfahrt. Mein lieber Mann, die Strömung ist gewaltig!
So mit durchschnittlich 11 Knoten schiebt sie uns voran. An Aufstoppen ist da nicht zu denken.
Uns ist`s recht! Inklusive Segel und Motor geben wir alles, nur schnell durch und weiter.
Der Rest ist dann ein Kinderspiel. Ein gewaltiges Geschaukel, da aus jeder Bucht die Gezeiten anders abzufliesen scheinen und sich dabei auch noch mit dem Wind ins Gehege kommen.
Aber das sind wir gewöhnt. Brav hebt die PERITHIA Heck oder Bug und lässt die Wellen unter sich hindurch rollen.
King Cove kommt in Sicht.


Zwar wolkenverhangen, doch malerisch inmitten gewaltiger Berge…


05.10.09 - 19.10.09
Von Russland wieder nach Amerika


Nur noch weg und in die Freiheit ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten…! Das ist unser, im Augenblick vordringlichstes Ziel. Wenn ich überlege, dass uns unser Dolmetscher aus Providenia schon vor fast zwei Wochen auf diesen Weg bringen wollte….
Jetzt sind es jedenfalls rund 280 nm bis nach St. Lawrence, einer amerikanischen Insel direkt unterhalb der Beringstrasse.
Irgendwie hat es den Anschein, als bewegen wir uns im Kreis. Anfang Oktober, und wir trödeln immer noch hier rum. Am nördlichsten Ende der Beringsee!
Auf St. Lawrence, unserem ersten Etappenziel sollte es auf der südlichen Seite ein kleines Eskimodorf geben. Dort werden wir tanken und Wetterinformationen einholen. Nur ein kurzer Segeltörn. Bei bestem Wetter und gutem Wind gar kein Problem, ruck zuck, zwei Tage später kommt auch schon Land in Sicht.


Endlich geschafft, ab jetzt dürfte die Fahrt einfacher werden und es sollte eigentlich keine Schwierigkeiten mehr geben, von Bord zu gehen um Internet oder nur die simpelsten Wetterdaten zu bekommen.
So denken wir. Nur entpuppt sich unser Eskimodorf allerdings als Camp, und die meisten Camps, wie auch dieses, sind im Winter natürlich unbewohnt. Klasse!
Wir kreuzen ein bisschen vor der Küste und wollen nicht glauben, was wir sehen. Wenn ich überlege, wir sollten von Providenia aus direkt hierher zum tanken fahren. Nicht auszudenken.
Hier oben im Norden sind Diesel und Benzin zwei der wichtigsten Sachen überhaupt.
Sie bedeuten heizen und vorwärtskommen, also Überleben. Aber zum Glück bewegen wir uns nie ohne restlos gefüllte Tanks aus einem Hafen, wir sind also gut versorgt.
Nur fehlen uns eben die Wetterdaten. Nach unseren letzten Erlebnissen kein schönes Gefühl. Mittlerweile haben wir höllischen Respekt vor der Beringsee. Wir wissen, wie schnell sich hier das Wetter ändern kann.
Zwei Tage bis Nunivak, auf südlichem Kurs. Bangen Herzens, immer das Barometer im Auge, machen wir uns auf den Weg.
Doch diesmal scheint das Glück uns hold zu sein; bestes Wetter.
Wir kommen ungeschoren davon. Langsam aber sicher nähern wir uns der Insel. Beim Ansteuern sollte man ein wenig Obacht geben, sie ist umgeben von einem Gürtel aus Sandbänken und allen möglichen Untiefen, was die Navigation nicht gerade erleichtert.
Einen Hafen gibt es nicht, dafür aber eine große, lang gezogene Bucht. Und ein Schiff, das Erste seit langem, welches uns begegnet, liegt vor der Einfahrt.
Eine Ölbarge, die auf ihre Ladung wartet. Natürlich stoppen wir für ein kurzes Schwätzchen über die Reling, Das woher und wohin ist Pflicht in dieser gottverlassenen Gegend.
Besser wäre es allerdings gewesen, wir hätten gleich bei ihnen festgemacht und dort geschlafen. Doch das konnte nun wirklich keiner wissen.


In der Bucht empfängt uns sodann ein Motorboot und bringt uns an den, für uns besten Ankerplatz.
Wir wollen doch bestimmt den großen angekündigten Sturm hier abwettern, so ihre Vermutung. Es gibt eine Sturmwarnung für die gesamte Region.
Wir haben dies allerdings nicht mehr mitbekommen und beglückwünschen uns bestimmt einhundertmal am Tag dafür, noch rechtzeitig angekommen zu sein. Bei unserem Glück in letzter Zeit hätten wir eigentlich mitten rein fahren müssen.
Kaum ist der Anker unten, werden auch schon unsere leeren Dieselkanister von Bord geholt und zum Strand gefahren. Alles geht schneller, als wir eigentlich wollen und ehe wir uns versehen, sitzen wir erst im Auto und dann in der Stube unseres Begrüßungskomitees.


Wir freuen uns wirklich, endlich angekommen und vor allem sofort so herzlich aufgenommen zu sein.
Das Dorf, eine mittelgroße Eskimosiedlung mit ca. 200 Menschen. Eben ein typisches Bild hier im Norden. Nett, aber hier wohnen möchte, glaube ich, keiner von uns.
Doch es gibt einen Einkaufsladen, Tankstelle, Propanfüllstation und alles was man sonst so braucht.
Wieder zurück an Bord finden wir Zeit, uns erst einmal mit unserem Liegeplatz zu beschäftigen.
Die Bucht ist überall viel zu flach für uns. Nur eine schmale Fahrrinne, in der wir liegen. Da es zu allem Überfluss auch noch ca. 3 Meter Tide gibt, heißt es; gewaltig aufpassen.
Viel Platz nach unten bleibt da nicht, aber wir liegen sicher, wird uns auf meine Nachfrage in Bezug auf den kommenden Sturm immer wieder versichert. Und wir glauben es…!

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück steht nach, was weiß ich wie langer Zeit endlich mal wieder duschen auf dem Programm; es gibt, welch Luxus, eine Wäscherei mit Badehaus. Zwar haben wir auf der PERITHIA zwei warme Duschen, aber schon ewig nicht mehr die nötigen Wassermengen dazu.
Die Wäscherei muss natürlich, warum auch nicht, genau am anderen Ende des Dorfes liegen. Es kommt wie es immer kommt, endlich dort angekommen, kennen wir wahrscheinlich jeden. Alle die wir treffen, fragen nach woher und wohin. Wir erzählen unsere Geschichte so oft, dass wir uns ernsthaft überlegen, gleich auf dem Marktplatz eine Rede zu halten.
Der Weg zum Duschen wird somit länger als gedacht. Die Rettung bringt ein Truck, der kommt, um uns zu fahren.
Anscheinend haben die Leute hier keine Waschmaschinen, die Wäscherei ist also gut frequentiert, oder rammelvoll. Die Frauen sitzen mit einer Engelsgeduld zwischen ihren Wäschebergen, es ist fast wie in alten Zeiten donnerstags am Waschtag. Die neuesten Neuigkeiten gibt es im Waschsalon.


Derweil frischt draußen der Wind auf, es könnte der Sturm im Anmarsch sein.
Um das ewige Warten auf entweder eine freie Waschmaschine oder einen freien Trockner etwas abzukürzen, nutzen wir die Zeit für eine ausführlichere Ortsbesichtigung und für Besuche bei neuen Bekannten.
Außerdem genießen wir es, uns endlich einmal wieder so richtig zu bewegen. Zu tun ist auch genug und wir sind neugierig. Wir merken schnell, es gibt hier wirklich freundliche Leute.
Mit meinen Wasserkanistern in der Hand, frage ich zum Beispiel einen älteren Eskimo nach dem Weg zum Wasserhahn. Sofort und ungefragt überläst er mir sein Quadt. Der Weg wäre sonst zu weit. Eine liebe Bekanntschaft, wir werden später noch so einiges mit ihm erleben.
Es wird langsam Abend, unser Waschtag geht zu Ende, wir müssen zurück. Wir sollten unbedingt noch einen zweiten Anker ausbringen.
Im Regen und Halbdunkel marschieren wir, beladen mit unseren Wäschebeuteln, zum Strand. Unser Dingi hatten wir an einem anderen, auf dem Sand liegendem Boot, festgebunden.
Clever wie wir sind, bei Ebbe, jetzt ist Flut…
Der Kahn schwimmt nun für uns unerreichbar im Wasser - Mit ihm unser Dingi…
Wenn man aber auch nicht an alles denkt! Also suche ich ein Stück Seil, binde einen Stein daran und übe mich im Angeln.
Das klappt dann sogar, nur fallen in der Zwischenzeit unsere Wäschesäcke ins Wasser. Die Trockner hätten wir uns sparen können.
Schnell zurück zur PERITHIA, im Regen ist es langsam saukalt und unser zweiter Anker muss noch raus. Aber bald ist alles geschafft, die Heizung ist an und es wird gemütlich.
Nur eins stört, die Ebbe setzt ein und es baut sich wie immer eine ziemliche Strömung auf. Das ist an sich nichts Neues, nur, liegen wir falsch rum, das heißt entgegen der Flussrichtung im Wasser. Lange Zeit schieben wir es auf den Wind, aber irgendetwas stimmt hier nicht.
Anscheinend haben wir uns gedreht und dabei hat sich die Leine unseres Reserveankers unter dem Boot vertüdelt. Na gut, liegen wir eben andersrum und schauen morgen nach dem Rechten.
So der Plan.
In Wirklichkeit kommt ja der angekündigte Sturm. Langsam aber sicher weht es stärker und stärker. Also nichts mit schlafen, Nachwache ist angesagt.
Ich versuche, durch das Verkürzen unserer Ankerkette wenigstens etwas unsere Richtung zu korrigieren. Zuviel geht aber auch nicht, die Kette sollte schon noch lang genug bleiben.
Irgendwann in der Nacht dann der Moment, wo wir dringend die Bucht verlassen sollten. Es ist viel zu flach, die Wellen zu hoch und direkt hinter uns Felsen.
Nur wie, wir hängen an der verhedderten Leine und die bekomme im Stockdunkeln mal einer ab!
Früh um drei wird die Sache dann langsam dramatisch. Der Wind peitscht das Wasser mit solcher Macht gegen uns, lange können wir uns hier nicht mehr halten. Ganz so sicher, wie gesagt, war der Platz dann wohl doch nicht.
Unsere letzte und einzige Chance ist die Barge, sie könnte uns aus der Bucht schleppen. So um vier Uhr morgens bleibt dann wirklich nichts mehr anderes zu tun, ich setze den Notruf ab und bitte sie um Hilfe.
Zu unserem Glück gibt es eine Nachtwache, welche auch sofort reagiert und ihren Kapitän weckt. Dieser versteht unsere Lage und seine einzige Frage ist, wie viel Zeit uns noch bleibt.
„Keine“, antworte ich „bitte komme so schell wie möglich!“ „OK wir sind auf dem Weg“, ist die knappe Antwort.
Des öfteren haben wir jetzt schon erfahren, es braucht nicht vieler Worte, um auf See zu helfen. In der Zwischenzeit wird die Lage bei uns immer gefährlicher.
Hält nur einer unserer beiden Anker nicht, sitzen wir auf den Felsen hinter uns fest. Der Moment, das Schiff noch zum richtigen Zeitpunkt zu verlassen, rückt immer näher und Hilfe ist noch lange nicht in Sicht.
Schweren Herzens gebe ich den Befehl – Klarmachen zum Verlassen des Schiffes! - Interessanterweise läuft bei uns in Notsituationen alles recht geordnet und geregelt.
Kathrin schlüpft in ihren Überlebensanzug und holt die Schwimmwesten. Tassi bekommt seine Kiste inklusive Schwimmweste gepackt, sowie alles Notwendige an Geld, Karten, Pässen usw. wird zurechtgelegt.
Inzwischen kommt auch die Barge näher. Es ist schon ein gespenstiges Bild, sie kommt in voller Fahrt in die Bucht gefahren, sämtliche Scheinwerfer eingeschaltet. Um sie herum ist es taghell und man sieht die Gischt der Wellen wie in Momentaufnahmen über das Deck peitschen.
Ich ziehe schon mal den Neoprenanzug über, denn irgendwie müssen wir noch versuchen, den zweiten Anker loszuwerden.
Langsam versucht der Schlepper uns rückwärts zu erreichen. Da der Wind von Minute zu Minute weiter zunimmt, wird bei jedem misslungenen Versuch die Lage kritischer für uns.
Ich stehe am Bug, fest am Vorstag vertäut und versuche unsere Leine überzuwerfen. Beim dritten oder vierten Versuch haben wir Glück. Ich binde uns fest währenddessen. Kathrin versucht über Funk das Problem mit den Ankern zu erklären.
Langsam zieht der Schlepper an und es gelingt, wenigstens den Hauptanker zu bergen. Jetzt liegt es an mir.
Im Neopren an ein Seil gebunden, lasse ich mich ins Wasser und versuche, unter dem Schiff das Ankertau zu erreichen.
Es ist absolut nichts zu sehen und die Wellen schieben das Boot hin und her. Die Gefahr, von zehn Tonnen einfach erschlagen zu werden, ist riesengroß.
Es ist sinnlos, nicht zu machen!
Mit einem lauten Knall löst sich nun auch noch die Schleppleine. Eine plötzliche, nicht unbedingt kleine Welle hat uns erfasst, hebt uns an und setzt uns ca. 100 Meter später auf flachem Grund wieder ab.


Wir liegen jetzt mit mindestens 45° Schräglage, die Wellen gehen über das Deck und zu allem Unglück fängt es auch noch an zu hageln.
Einem Ungetüm gleich kommt der hell beleuchtete Schlepper mit Höchstgeschwindigkeit hinterher und versucht erneut, uns zu erreichen.
Hoffnungslos, die Ebbe ist zu weit fortgeschritten, er schafft es nicht. Am Funk entschuldigt er sich und muss, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, die Bucht schleunigst verlassen.
Mir bleibt nur, mich zu bedanken. Danach schließen wir alle Luken und gehen unter Deck.
Auf unserer Sandbank sitzen wir bombenfest. Keine Welle rüttelt auch nur an uns. So warten wir eben auf den Morgen.
Mittlerweile ist natürlich das halbe Dorf am Ufer versammelt, nur helfen können sie auch nicht. Die Stimmung an Bord hellt sich so langsam ein wenig auf, wir sind froh, mit heiler Haut davongekommen zu sein, an und für sich ist ja nichts passiert. Nur, wie kommen wir hier wieder weg?

Schon beim ersten Tageslicht bekommen wir wieder Besuch. Ein Eskimo auf seinem Quadt will fragen, wie`s uns denn so geht.
Es ist beinahe eine komische Situation. Ich krabble an Deck, laufen ist bei der Schräglage nicht möglich und steige von Bord zu ihm herunter. So stehe ich plötzlich in voller Montur, Überlebensanzug plus Schwimmweste im knöcheltiefen Wasser.
Ich habe doch glatt die Ebbe vergessen. Das Meer hat uns freigegeben. Wir liegen auf feinstem Sand, vielleicht 50 Meter von den Felsen entfernt, am Ufer.
Henry, so heißt unser erster Besucher, erklärt mir, an dieser Stelle müsste die Flut ungefähr 2 Meter steigen. Das bedeutet, wir kommen frei.
Mit zunehmendem Tageslicht kehrt so langsam auch wieder Zuversicht und Leben in die Crew. Die störende Ankerleine ist rasch entfernt, der Anker schnell geborgen. Da nach eingehender Untersuchung keinerlei Schäden festzustellen sind, sieht die Welt mit einem Schlag wieder besser aus.
Trotz allem bleibt einiges zu tun. Das Wasser bekommen wir, so schräg wie wir liegen, nicht aus dem Boot. Aber klar Schiff machen ist angesagt. Anker müssen ausgelegt werden, denn irgendwann kommt auch die Flut zurück.
Bei unseren Dorfbewohnern trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen, die Jungen kommen zum schauen, die Alten packen mit an. Wer von denen nicht helfen kann, bringt eben Kaffee und Biskuit vorbei.


Am Ende legen wir drei neue Anker aus, und versuchen, sie so weit wie möglich, entgegen der zu erwartenden Strömung, zu platzieren.
Wir bilden eine Kette und zerren und schieben Anker für Anker samt Leinen bis in Brusthöhe ins Wasser. Henry (der mit dem Quadt vom Wasser holen) in vorderster Front.
Unklar bleibt, wie er es in völlig normalen Sachen über Stunden im eiskalten Wasser ausgehalten hat. Auch ich ernte so meine Bewunderung und Anerkennung, ein Eskimo friert in diesem angeblich noch gar nicht kaltem Wasser nicht so schnell, dass ist klar, aber ein Deutscher?!
Dass ich unter meinem wärmeisolierten Überlebensanzug auch noch einen Trockenneobren anhabe, braucht an dieser Stelle ja keiner zu wissen. So bleibt am Ende sogar noch etwas Zeit, um endlich den Algenbewuchs am Rumpf der PERITHIA loszuwerden. Zwar nur auf einer Seite, aber immerhin.


Gegen Mittag kommt die Flut zurück und unsere Helfer müssen uns verlassen.
Langsam spannen sich unsere ausgelegten Seile und halten uns an Ort und Stelle. Leider sollen sich aber genau die Leinen später als unser größter Fehler erweisen.
Die Stunden vergehen und langsam aber sicher richten wir uns wieder auf. Durch den Sturm, der die ganze Zeit über weht in der Bucht ,mit 8 Bft und den dazugehörigen Wellen, stecken wir Schläge ein - es ist nicht zu beschreiben!
Jeder Hieb, den die arme PERITHIA einstecken muss, trifft auch uns. Unsere größte Sorge gilt dem Ruder.
Hier ein Schaden, wer will das reparieren?
Doch wir haben auch spirituelle Unterstützung. Ein Flötenspieler bezieht Stellung am Strand. Sein Spiel bringt uns wohl die letzten Zentimeter Wasser unter den Kiel.
Fast aufrecht stehend, starte ich den Motor und versuche schon einmal, uns aus dem Sand zu schieben. Es klappt; zwei, drei Wellen später und wir sind frei.
Überglücklich lassen wir uns in die Mitte der Fahrrinne treiben. Geschafft!!!
Denken wir. Als nächstes müssen die Anker ins Boot. Stellt sich nur die Frage, wie? Was wir bei aller Voraussicht nicht bedacht haben: Wie bekommt man mehrere Anker, die an verschiedenen Seilen hängen, bei Sturm gleichzeitig wieder ins Boot?
Um es vorweg zu nehmen; überhaupt nicht!
Die Situation beginnt sich zu wiederholen. Wir drehen uns um unsere eigene Achse. Mit Motor kommen wir nicht gegen Wind und Strömung gleichzeitig an.
Hinter uns nähern sich die Felsen und von vorn schießen die Wellen mit voller Wucht über das Deck.
Langsam wird guter Rat teuer. Als letzte und sogleich schlechteste Möglichkeit bleibt nur noch, die Leinen zu kappen. Um sie später zu bergen, binden wir an jedes der zwei Taue einen Fender und ab über Bord damit.
Plötzlich - ein Hieb, dann Stille. Der Motor ist aus. Eines der beiden Taue haben wir wohl wieder in der Schraube.
Die schwerste Entscheidung muss nun ich treffen. Lassen wir die Kette als letztes auch noch über Bord oder nicht?
Aber eigentlich habe ich keine Zeit zum Überlegen. Kurz vor den Felsen lassen wir sie rutschen.
Und jetzt kommt die Kunst: Im, wohl schnellsten Segelmanöver der Welt, setze ich das Mainsegel zu einem Drittel und anschließend die Fock vielleicht zwei Meter und schieße in allerletzter Sekunde in einem engen Bogen knapp an den Felsen vorbei über die Untiefen hinweg der Ausfahrt entgegen.
Zwei Wenden später, die Fahrrinne ist eng, sind wir draußen. Und das bei Windstärke 8 Bft gegen den Wind und die Strömung!


Dumm nur, ohne Anker und Motor.
Vorerst in Sicherheit, stellt sich nun die Frage, wie zurück.
Denn per Segel bei dem Wind können wir uns nun wirklich nicht sehr lange vor der Insel halten. Doch auch das gar kein Problem, Hilfe ist in Sicht.
Zwei Boote der Eskimos, die ja unseren Schnellstart mitbekommen haben, sind schon auf dem Weg, uns zu holen.
Erstaunlicherweise schleppen sie uns jetzt tiefer in die Bucht in völlig ruhiges Wasser. Den Platz muss es doch auch vor dem Sturm schon gegeben haben?!
Sie denken an alles, also haben wir zwei neue Anker und liegen die Nacht über völlig ruhig. Nur, wenn fünf Eskimos gleichzeitig versuchen, einen Anker auszuwerfen, sollte man besser beiseite gehen…

Nächster Morgen:
Von der Bucht aus kann man ins Dorf schauen. Allerdings hat sich gestern bei der ganzen Dramatik leider unser Dingi überschlagen, wobei natürlich Luftpumpe und Paddel über Bord gegangen und auf Nimmerwiedersehen entschwunden sind.
Vom unter Wasser gesetzten Motor wollen wir erst gar nicht reden. (Später gelingt es mir Widererwarten, ihn mit tatkräftiger Unterstützung eines Freundes, wieder in Gang zu setzten)
Irgendwie sollte ich aber das Dorf erreichen. Es gilt eine Menge zu erledigen. Zum Glück steht der Wind günstig. Ein Brett als Ruder treibe ich alsbald gemächlich und in aller Ruhe dem anderen Ufer entgegen.


Von dort aus zum Dorf geht es durch Sumpf und Morast. Zu meinem Glück bleibt mir dieser Weg erspart. Irgendwo scheint hier immer jemand zu lauern, ein Quadt lädt mich auf und bringt mich ins Dorf.
Es gibt einiges zu organisieren. Da ja wieder ein halbes Tau in der Schraube hängt, heißt es: Trockenfallen zum zweiten.
Aber diesmal organisiert und mit Plan. Außerdem gilt es, die Anker zu bergen. Von den drei ausgelegten Fendern ist nur noch einer zu sehen, die anderen zwei scheinen verschwunden.
Wir benötigen dringend ein Boot.
So treffen wir auf Howard. Er kümmert sich in seinem Büro mit Leib und Seele um den Erhalt und die Förderung eskimoischer Kultur und Tradition, besonders für die Generation der Kinder.
In seinem Boot ziehen wir im knietiefen Wasser also unsere Kreise, um irgendwo auf dem Grund, eines der Taue zu entdecken.
Unmöglich, bleibt nur der dritte Fender. Wir ziehen und zerren, und staunen. Ein kleines Wunder ist geschehen.
Da haben sich doch tatsächlich beide verloren geglaubten Leinen um unsere letzte Ankerkette gewickelt. Alles da, kein Verlust!

Nun zum Trockenfallen:
Howard schleppt uns abends zu unserem alten Platz und wir versuchen, bei zurückgehendem Wasser, ungefähr an der richtigen Stelle zu stehen. Durch die starke Strömung erweist sich genau dies, nur mit drei Ankern, die strategisch platziert, uns lenken sollen, allerdings als nahezu unmöglich.
Also; Anker wieder über Bord und Segel hoch. Das einfachste, was wir tun können; wir segeln langsam auf den Strand zu. Es knirscht und wir sitzen auf.
Nun schnell noch ein Seil vom Mast aus zum Ufer gespannt -wir wollen doch richtig herum fallen- und warten.
Vier Stunden später liegen wir so, ohne die leiseste Erschütterung, wieder einmal recht schräg auf dem Sand. Das Seil ist nun schnell von der Schraube gelöst, doch hat es den Anschein, als haben wir diesmal doch einige Schäden davongetragen.
Zumindest der Propeller gleicht einem mittelalterlichen Schwert nach der Schlacht. Das Getriebe, na ja, hoffen wir das Beste. Auf jeden Fall muss das Boot im nächsten Hafen aus dem Wasser.
Entspannt warten wir auf die Flut, halten dabei noch so manches Schwätzchen und sind zum Aufbruch bereit.


Es ist schon rührend, wer so alles kommt, um zu fragen, ob alles ok ist, oder ob wir noch Hilfe benötigen.
Viele Verabschiedungen später, dass Wasser ist wieder auf dem Höchststand, starte ich den Motor. Am neu ausgelegten Anker sind wir schnell zurück in die Fahrrinne gezogen.
Allerdings erweist sich das Einholen der restlichen, ewig langen Leinen und Anker als eine Heiden-Arbeit; geht aber diesmal ohne nennenswerte Schwierigkeiten von der Hand.
Endlich, und wie bei uns mittlerweile fast üblich, im zweiten Anlauf, laufen wir aus.
Schnell noch über Funk ein paar Dankesworte an das Dorf, die neuesten Wetterdaten abgerufen und wir halten Kurs auf St. Paul.
Einen Tag und zwei Nächte, also nicht sehr weit, verspricht es, ein ausgesprochen erholsamer Törn zu werden.
Das Wetter hält, was es verspricht, nichts los, bis St. Paul. Wir laufen in den ersten freien, wirklichen Hafen seit Cambridge Bay/ Canada ein und sind überglücklich, zur Abwechslung mal wieder an einer Mole festmachen zu können.


Vom Hafenmeister sehr freundlich empfangen, bekommen wir die Erlaubnis, über Nacht liegenzubleiben. Wahrscheinlich sind wir auch das einzige Segelboot, welches sich hierher verirrt, zumindest um diese Zeit.
Auch hier gibt es einige Überraschungen, wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Mitten im Hafen befindet sich eine riesige Robbenkolonie. Die Kinderstube, hier sicher vor den Orcas draußen vor der Mole. Wir erfahren so, das St. Paul eine Naturschutzinsel ist. Alle möglichen Arten von Vögeln und Robben leben hier geschützt in Reservaten.
Der Ort selber, überrascht uns mit Straßen, schicken Häusern, Supermarkt und Kneipe. Ein gewaltiger Unterschied zu dem kaum 200 nm entfernten Nunivak. Zwei völlig unterschiedliche Welten eben.


Doch auch hier wollen wir nicht lange bleiben. Ein Besuch vom örtlichen Mechaniker, er bringt die PERITHIA wenigstens provisorisch wieder zum Laufen, und das war´s auch schon. Bei strahlendem Sonnenschein und bestem Wetter steuern wir weiter in Richtung Dutch Habor.


Die Städte werden langsam wieder größer. Dutch Harbor ist in dieser Ecke der Welt einer der größten Fischereihäfen der Aleuten. Eine ganze Flottille von Krabbenfischerbooten liegt hier vor Anker.
Es scheint uns der beste Platz für die notwendig gewordenen Reparaturen zu sein.
Der Hafenmeister wartet schon und wir bekommen einen Liegeplatz im smalboat Harbor. Wirklich angenehm, einmal wieder an einem richtigen Schwimmsteg zu liegen.
Wasser, Strom - alles da. Nur bei dem Strom hapert es etwas, es sind 110 Volt.
Und auch hier gibt es natürlich etwas Verwunderung, wir sind wohl etwas spät unterwegs...
Als Segler hier um diese Zeit?
Aber wir sind da und haben mal eben im Oktober die gesamte Beringsee durchsegelt, und das natürlich genau mittendurch!


15.09.2009 Tribut an die Nordwest-Passage

Ein Nachdenken und kurzes Innehalten

Erstaunt stellen wir fest, dass wir mit dem Abschluss unserer Tour durch die Beaufort Sea schon die halbe Welt umsegelt haben.

Deshalb eine kleine Zusammenfassung

Die Route NORDWESTPASSAGE - Beringstraße für eine Weltumseglung sowie einen Abstecher in die Südsee zu wählen, halten wir für sehr interessant und auf alle Fälle eine Überlegung wert.
Erstens kürzt sie gewaltig ab und zweitens erspart sie den langweiligen und langwierigen Sprung von den Kanaren aus über den Atlantik.
Der Weg über England oder über die Azoren verkürzt die Anfahrt und gestaltet sie abwechslungsreicher. Und sie erspart zudem den Panamakanal.
Da quasi auf dem Weg, lohnt auf jeden Fall ein Abstecher nach Grönland. Riesige Fjorde, unberührte Natur, freundliche Menschen und bundbemalte Häuser locken.
Es gibt wohl kaum Ergreifenderes, als die riesigen Eisberge zu umrunden, dem Tosen beim Brechen gewaltiger Eismassen zu lauschen sowie den vorbeiziehenden Walen nachzuschauen.
Die Temperaturen sind erträglich, Sonne pur und oder aber für den Segler leider in den Sommermonaten nie Wind.

Als reines Seglerrevier zum Spaß aber halten wir die nördliche Route nicht unbedingt für empfehlenswert.
Eine Einöde aus Stein und Geröll. Dazu nur an sehr wenigen Stellen besiedelt.
Auch wenn das Eis langsam aber sicher zurückgeht, bleibt immer noch ein extrem enges Zeitfenster um die mitunter sehr schwierigen Stellen der Passage zu durchqueren.
Es sollte von vornherein klar sein, dass auch bei bester Vorbereitung die Gefahr einer Überwinterung oder gar eines Totalverlustes des Bootes bestenfalls reduziert werden können.
Schon das kleinste Problem kann mit katastrophalen Folgen zur echten Gefahr für Boot und Crew heranwachsen.
Das Eis lässt sich weder beherrschen noch lässt sich sein Verhalten vorausbestimmen. Dazu kommt die totale Abgeschiedenheit. Der nächste Eisbrecher steht nicht um die Ecke, sondern benötigt schlimmstenfalls einige Tage zur Rettung.
Man stelle sich also sein Boot im Eis eingeschlossen vor.
Dazu eine Familie neugieriger Eisbären, derer es hier sehr viele gibt und auf deren Einkaufsliste man recht weit oben steht. Wer nicht an ein Gewehr auf seiner Ausrüstungsliste gedacht hat, hat spätestens jetzt ein Problem.
Eisbären stehen zwar in Deutschland unter Naturschutz und unsere Jagbehörde ist auch nicht so ohne weiteres zu überzeugen. Doch ich möchte nicht wirklich testen, ob der Kampf mit Pfeife und Topfdeckeln gegen das gefährlichste Landraubtier letztendlich sehr aussichtsreich ist.
Zwei Eissorten könnte man unterscheiden:
Bei Glück Treibeis - es nimmt das Boot ein Stückchen mit und sollte es sich nicht entschließen, ausgerechnet über flachen Grund zu wandern, entlässt es einen zu gegebener Zeit auch wieder ungeschoren.
Die zweite und weitaus unangenehmere Variante: das Packeis - große Eisschollen schieben sich an bzw. übereinander und türmen sich zu bizarren Gebilden auf. Dabei kann ein extremer Druck entstehen.
In ein solches Feld geraten, fangen die Probleme auf jeden Fall erst an. Zu allem Überfluss können Eisbarrieren entstehen. Das Eis staut und staut sich dahinter. Was mit einem Boot, das beim Brechen der Barriere im Einflussbereich des Eises überrascht wird, passiert, braucht hier nicht beschrieben zu werden.
Auch von einem Defekt, der das Bergen des Bootes und das Einfliegen eines Ersatzteiles nötig macht, wollen wir erst gar nicht reden. Nur - dass dann mit ziemlicher Sicherheit, wenigstens an ungefährlicher Stelle, das Winterlager für die nächsten 10 Monate aufgeschlagen werden kann.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die rund 1000 Seemeilen von Ost nach West zurückzulegen.
Welche von beiden die bessere ist, kann im Vorfeld keiner sagen, da es meistens sowieso die andere ist.
Zuvor sei gesagt, im Juli beginnt das Eis zu schmelzen und im September, kehrt es zurück.

Plan A: so zeitig wie möglich, also ab 01.August in Resolute oder, was etwas weiter ab und damit ungünstiger liegt, in Pond Inlet, auf eine kurze eisfreie Zeit warten. Das hat den Vorteil einer relativ großen Zeitreserve, ist aber wegen der sich ständig verändernden riesigen Eisfelder extrem gefährlich.
Ein Irrglaube, man warte am Eisrand auf eine Lücke um dann hindurch zu sausen. Erstens ist es nicht nur ein Eisrand und zweitens ändert sich die Lage der Felder ständig, und das in einer nicht vorstellbaren Geschwindigkeit.
Die Gefahr des Eingeschlossenwerdens ist enorm. Dies zeigt übrigens die Statistik der Eisbrecheranforderung.

Plan B: Warten bis Mitte, Ende August. Der Vorteil - das Eis hat sich nahezu aufgelöst. Mit etwas Glück kommt man relativ ungeschoren voran. Aber es ist absolut keine Zeit mehr für einen zweiten Versuch. Es darf also weder etwas kaputt gehen, noch darf einem das Eis einen Strich durch die Rechnung machen und zum umkehren zwingen.
In jedem Fall, reicht die Zeit mit Sicherheit nicht für einen vernünftigen zweiten Anlauf.
Bei viel Pech ist sogar der Rückweg versperrt,und es geht ans überwintern.
Der weitaus größte Nachteil von Plan B sind aber die im Anschluss noch zurückzulegenden 1600 Meilen bis zur Beringstraße.
Der Weg über das Nordpolarmeer kann sowohl mit Sonnenschein und Windstille, als auch mit Westwind aller Stärken aufwarten. Dabei ist zu bedenken, dass in den Randzonen der Beaufortsee nur eine Wassertiefe von 3m bis 50 m vorherrscht. Bei einem Sturm nicht unbedingt die beste Stelle zum Abwettern.
Und weiter draußen, wo es tiefer wäre und man dem Legerwall entgehen könnte, lauert das Eis.
Dazu kommt der beginnende Kampf gegen die Zeit.
Wer nicht ein ausgesprochener Liebhaber arktischer Stürme ist, sollte dieses Gebiet spätestens um den 22./23. September verlassen haben. An diesen Tagen herrscht Tag und Nachtgleiche und es ist mit heftigen Stürmen zu rechnen.
So gesehen hat sowohl Plan A als auch Plan B seine Vor- und Nachteile, die gegeneinander abzuwägen, leider erst im Nachhinein möglich ist.
Hinterher ist man immer klüger!

Da es immer einige Segler gibt, die die Passage auf der gleichen Route passieren wollen, wäre es natürlich am Sinnvollsten sowie am Sichersten, sich zusammenzuschließen.
Somit wäre im Ernstfall Hilfe zur Stelle und auch die moralische Stütze ist nicht zu unterschätzen.
Dem scheint aber leider in den meisten Fällen das freiheitsliebende, individualistische Seglerherz im Wege zu stehen.
Zusammenschluss bedeutet Absprachen und was das ärgerlichste wäre, vielleicht behindert einen der andere gar und man gerät in Abhängigkeiten.

Bei all diesen geschilderten Schwierigkeiten, hat die Passage natürlich unbestritten auch ihre Reize.
Schon allein die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der hier oben im Norden wohnenden Menschen beeindruckt einen immer wieder.
Ohne deren Unterstützung wäre an eine einigermaßen sichere Durchquerung der Passage gar nicht zu denken.
Wir sind uns sehr wohl darüber im Klaren, dass uns in großem Maße das Glück geholfen und am Ende auch bei allen noch so großen Widrigkeiten immer weiter voran geschoben hat.
Beim besten Willen können wir von uns nicht behaupten, die Experten für Eis, Wind und Strömung hier oben zu sein.
Nachträglich betrachtet, hätte es alles auch komplett anders verlaufen können.
Wie gesagt, der kleinste Fehler… .

Somit gedenken wir mit absoluter Hochachtung der Ersten, die das Wagnis der Entdeckung dieser Route auf sich genommen haben. Ohne den uns heute zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmitteln, nur mit Sextant und Kompass, der hier noch nicht einmal funktioniert, ausgerüstet, haben sie nahezu Übermenschliches geleistet.
Wir reden hier von Schwierigkeiten und rufen den Eisbrecher über Funk zu Hilfe, wenn es nicht mehr weiter geht.
Die Expeditionen Amundsen und Franklin zeigen, was, für uns unvorstellbar, am Ende doch alles möglich ist.
In Anbetracht dessen, sollten wir alle, die wir die NORDWESTPASSAGE angehen und hoffentlich auch bezwingen, einen Augenblick verweilen und der Männer der Franklin Expedition gedenken.

Sie haben es nicht geschafft.


17.10.2009
Von Barrow durch die Beringstraße nach Russland


Endlich das Segel in der Hand, legen wir natürlich sofort ab. Das Wetter ist nahezu optimal. Nur - müssen wir uns beeilen um in zwei Tagen am Cap von Point Hope, wo wir kurz Zwischenstation machen wollen, zu sein. Dort soll der Wind laut Wetterbericht drastisch zunehmen.
Unser Plan ist, in Point Hope oder im nächsten Ort, Kotzebue, auf die richtige Brise für die Durchfahrt der Beringstrasse zu warten. So setzen wir alle Segel und schießen wie der Teufel übers Wasser.
Zur Abwechslung stimmt die Vorhersage sogar einmal. Mitten in der Nacht am Cap angekommen, bläst uns der Wind dermaßen entgegen, dass wir alle Mühe haben, überhaupt die Höhe zu halten.
Es ist frustrierend, wir sehen die Lichter weniger als zwei Meilen voraus, kommen aber partout nicht vom Fleck.
Motor und das bisschen Segel, was gerade noch geht, halten uns eben mal auf Höhe, bringen uns aber nicht ein Stückchen näher.
Die Maschine jault zum Herzerweichen, das Stück Stoff am Mast legt das Boot fast auf die Seite, aber die extreme Strömung, vereint mit den kurzen peitschenden Wellen, scheinen uns partout nicht am Point Hope zu wollen.
Keine Chance!


Der Not gehorchend, beschließen wir, es mit Kotzebue zu versuchen.
Theoretisch müsste das unter Land zu machen sein. Praktisch kommen jetzt auch noch die Wellen ins Spiel. Mehr überm als unterm Boot drängen sie uns immer weiter vom Kurs ab.
Nun gut, überlegen wir. Bleibt halt noch die dritte Variante. Augen zu und durch. Wieder drehen wir ab und halten quer übers Beringmeer direkt auf die Beringstrasse zu.
Wahrscheinlich halten wir mit dieser Entscheidung einen neuen Geschwindigkeitsrekord Barrow - Beringstrasse. Wind und Wellen von hinten, und das nicht zu knapp, hab ich am Ende noch alle Mühe, die doch recht schmale Durchfahrt überhaupt zu treffen. Das klingt vielleicht komisch, es sind immerhin über 20 nm.
Es ist aber wirklich nicht immer einfach, bei richtig Wellen von achtern ein bisschen quer abzulaufen. Das drückt bei jeder Welle das Heck dermaßen aus der Spur, dass der Autopilot alle Mühe hat, die Abweichung zu korrigieren. Dazu landen die meisten im Cockpit, was auch nicht immer so angenehm ist.
Bergab in Schussfahrt sind wir so einige male auf bis zu 16 Knoten gekommen.
Im Nebel segeln wir früh morgens am dritten Tag nach Barrow trotz aller Ärgernisse an den Diomedes Inseln vorbei und sind durch.

WIR SIND DURCH DIE BERINGSTRASSE GESEGELT!!!

Leider gelingt uns trotz aller Mühe kein Foto von den Diomedes (die eine gehört zu Russland, die andere zu Amerika), der Nebel versperrt einfach jegliche Sicht und verschluckt sie vollends.
Plötzlich ein Schrei, klägliches Wimmern; ich weiß nicht, was los ist. Dann Blut!
Erst jetzt wird mir klar, Kathrin hat den Kühlschrank zugeschlagen und vergessen, ihren Finger aus der Tür zu nehmen.
Alles muss jetzt schnell gehen. Das Blut ist überall und durch das Gewackel, es sind bestimmt 5 Meter hohe Wellen, die uns durchschütteln, ist Laufen gar nicht so einfach. Meine größte Sorge ist, lass den Finger noch dran sein. Mit viel Mühe aber im Höchsttempo gelingt es, den Schaden zu sichten und erst einmal notdürftig zu verbinden.
Der Finger ist also noch dran. Sieht schlimm aus und tut garantiert fürchterlich weh.
(Bei der Gelegenheit fällt uns auf: wieso sind in einer Kompressenpackung immer zwei Kompressen? Die zweite ist doch dann nie mehr steril).
Schwer lädiert bekommt Kathrin so einen Schonplatz und ich bin heilfroh, nicht als Chirurg arbeiten zu müssen.
Zum Glück ist es ja nicht mehr weit. Kurz nach der Beringstrasse in Richtung West liegt unser Ziel: die russische Hafenstadt Providenia.
Nun wird's eigentlich lustig und ärgerlich zugleich. Über Funk melden wir uns ordnungsgemäß an, das heißt wir versuchen es. Unser freundlicher Gesprächspartner ist des Deutschen oder Englischen ungefähr so mächtig wie wir des Russischen.
Aber aus unerklärlichen Gründen, will er uns nicht so richtig haben. Im letzten Licht des Tages laufen wir dann trotzdem ein und sind glücklich, angekommen zu sein, Immerhin waren die Wetterbedingungen alles andere als optimal. Geschafft ist geschafft.
Providenia sieht vom Wasser aus nicht unbedingt einladend aus. Eine typische Industriestadt mit Neubaublocks a la DDR.


Wir suchen uns eine Barge zum Anlegen und werden, wie nicht anders vermutet, von der hiesigen Kommandantur erwartet.
Nett wie sie sind, nehmen sie uns die Leinen ab und wir können festmachen. Die erste Frage betrifft natürlich die Visa.
Da wir ja keine haben, schildern wir das Problem mit Wind und Wetter, fehlendem Diesel, sowie dass wir dringend ärztliche Hilfe für Kathrins Finger benötigen.
Soweit so gut, wir werden gebeten, noch schnell umzuparken. Wir verstehen das zwar nicht so richtig, tun ihnen aber den Gefallen. Alle fahren mit, so haben wir am Ende auch genügend helfende Hände. Später wird uns klar, zu unserem oder ihrem Schutz müssen wir unbedingt bewacht werden.
Am neuen Molenplatz liegt schon ein Belgier, der auf ein Visum wartet. Das spart Soldaten, wir liegen sozusagen am Sammelplatz. Das Boot dürfen wir nicht verlassen und sofern der "richtige" Soldat Posten bezogen hat, ist eine Unterhaltung über die Reling auch verboten…
Warum, ist uns nicht klar, aber was will man machen. Außerdem gibt es ja auch noch das Funkgerät. Die Belgier sind über die OSTWESTPASSAGE gekommen und warten auf eine Sondergenehmigung.
Und das kann dauern. Bei uns erscheint alsbald ein Eskimo, der englisch sprechend als Dolmetscher fungieren soll. Wir können uns über mangelnde Hilfsbereitschaft wirklich nicht beklagen.
Kathrin wird sofort, begleitet von einer 5 Mann starken Eskorte, zur örtlichen Krankenschwester gefahren (ich darf nicht mitfahren) Nach kurzer Desinfektion jedenfalls tauscht sie unsere schöne Binde gegen ein russisches Gegenstück aus, empfiehlt röntgen und gibt Kathrin wieder frei.
Nach langen Diskussionen werden auch unsere sonstigen Notlagen anerkannt und gemeinsam nach einer Lösung gesucht, aber auf morgen vertagt.
Einkaufen wollen sie aber noch heute für uns. Schnellstens nutze ich meine Chance und klage mein Leid…
Bei einem Russen natürlich genau an der richtigen Adresse. Für Bier und Wodka ist somit gesorgt.
Das Bier gibt's hier nur in gewöhnungsbedürftigen 1,5 l Plasteflaschen.


Aber damit kann ich leben, ein Fest. Es gibt Pelmeni und süße Teigtaschen zum Abendbrot.
Bei Strom für uns ist die hiesige Kommandantur allerdings dann doch überfordert. Doch unser freundlicher Bootsnachbar, ein Schlepper, an dem wir festgemacht haben, findet bei sich eine freie Steckdose und auch dieses Problem ist gelöst.
Am nächsten Morgen haben wir Zeit, uns ein wenig umzuschauen: Wir liegen mitten auf einem Werksgelände und was wir so vom Boot aus erkennen können, sind die besten Tage hier wohl auch schon lange vorbei. Es sieht alles ein wenig nach Zusammenbruch aus, oder wie zu Zeiten "lang lang ist`s her".
Unser Besuch (die Kommandantur) lässt natürlich auch nicht lange auf sich warten. Am interessantesten scheinen unsere Kommunikationsgeräte zu sein. Haben wir etwa ein Satellitentelefon oder Ähnliches?
Haben wir nicht, also in Ordnung. Wer bezahlt unsere Reise? Keiner, also auch gut. Ein Milizionär möchte unsere sämtlichen Fotos kopieren. Wie erklären etwas von Copyright und auch das wird akzeptiert.
So geht der offizielle Teil der Verhandlung recht schnell zu Ende und es gibt Wodka.
Das Problem besteht, für uns völlig unerwartet, eigentlich einfach nur darin, dass Diesel oder Benzin beantragt werden müssen und dafür bräuchten wir ein Visum aus Moskau.
Ob wir nicht lieber nach St. Lawrence fahren wollen. Dort sei eine kleine amerikanische Eskimosiedlung, die aber auf unseren Karten nur als Camp eingezeichnet ist. Was also tun?
Zwischenzeitlich turne ich übers Nachbarboot, und lerne dessen Kapitän und seinen Maschinisten kennen. Beide wohnen in einem winzigen Raum auf dem Schiff.
Kathrin und ich werden eingeladen und wir schleichen möglichst ungesehen von unseren Bewachern unter Deck. Bier, Wodka, Karlbasa und getrockneter Fisch - wir machen unsere erste wirklich russische Bekanntschaft. Keiner versteht keinen, aber auch das wird mit der Zeit immer besser.


Nur unserem Soldaten passt unser konspiratives Treffen natürlich überhaupt nicht. Eine Einladung zu uns an Bord endet so auch in einem Fiasko. Kaum sitzen wir, müssen prompt auch unsere Offiziellen wieder auftauchen und schnell stellt sich heraus, es gibt hier zwei Welten. Daran hat sich anscheinend trotz aller vergangener Zeit und sämtlichen errungenen Freiheiten hier im tiefsten Hinterland noch nichts geändert.
Wir sind schon ein bisschen sauer, lieber säßen wir wieder auf dem Nachbarboot. Trotz allem bleibt die Sorge, was wird nun werden. Visa oder nicht.
So richtig beunruhigt sind wir allerdings noch nicht. Meistens findet sich am Ende immer ein Weg. So unsere Erfahrung bis jetzt.
Und siehe da: abends um 23.00 Uhr - urplötzlich - klärt sich völlig überraschend die Lage. Entweder Arrest oder wir nehmen Diesel und fahren bis morgen Mittag.
Ein wenig überrascht entscheiden wir uns natürlich für den Diesel. So wandern in einer Nacht- und Nebelaktion aus einem kleinen Schuppen im Hafen 200 l Sprit in unseren Tank, Wasser wird in Kanistern von zu Hause geholt und auf meine Nachfrage hin auch ein paar Schachteln Zigaretten.
Bezahlen dürfen wir nicht! Mit den Worten, das ist alles, was wir für euch tun können, sind alle wieder weg und wir verstehen die Welt nicht mehr.
Es scheint, als gibt es am Ende doch überall Menschen, die einfach nur hilfsbereit sind, denen aber all zu oft leider die Hände gebunden sind.
Am nächsten Morgen bekommen wir noch einmal offiziellen Besuch, recht schnell wird uns klar, eigentlich ist nur Fotosession angesagt. Jeder will unbedingt hinterm Lenkrad fotografiert werden.
Nach getaner Arbeit und wortreichen Verabschiedungen schleichen wir noch schnell zu unseren russischen Nachbarn, sagen so lange auf Wiedersehen. Nach echt russischer Art natürlich mit Wodka und Bier.
Irgendwann wird unser Bewachersoldat allerdings dann doch etwas nervös und anfängt zu drängeln. Also: Leinen los, auf geht`s! Alles in allem hat der Besuch somit gerade einmal zwei ereignisreiche Tage gedauert.


Raus aus dem Hafen empfängt uns bestes Wetter. Wir sind überglücklich - Jetzt aber schnellstens auf nach Japan!
Von wegen schnellstens.
Wochen werden vergehen, Wochen werden vergehen, ehe wir uns auch nur von der Beringstraße entfernen.
Doch das ahnt noch keiner.
Abendbrotzeit, wir bauen den Laptope auf und machen es uns so richtig gemütlich…
Peng, kippt das Bier um und natürlich über den Computer. Es wäre ja auch zu schön, sollte mal alles durchweg bis zum Ende klappen. Somit ist unser Navigationssystem erst einmal außer Kraft gesetzt.
Klingt nicht weiter schlimm, ist aber dramatisch. Alle Trockenversuche schlagen fehl, der Reservelaptope ist schon eine Weile außer Gefecht gesetzt und Spiros` tragbares Navi hat der letzte Sturm auf dem Gewissen.
Für Ersatz wollten wir leider erst in Japan sorgen. So ohne Augen und Ohren müssen wir unbedingt zurück. Doch wohin?
Die Küste können wir sehen, die Einfahrt in den Fjord zum Hafen im Dunkeln aber schon lange nicht mehr. Zwar kann ich zwei Buchten ausmachen, welche, ist aber völlig unklar.
Ans Funkgerät geht erst recht keiner. Wenn - wir würden uns auch bloß nicht verstehen.
Irgendwann dann die Erlösung, eine Fähre hat unseren May-Day-Ruf gehört und kehrt um. Und der Kapitän spricht zum Glück aller Erlösung auch noch Englisch: "Was können wir für euch tun?" "Wir haben keine Navigation, bitte zeige uns den Weg zum Hafen." "OK. Folge mir!"
Die Passagiere mussten leider warten und der Dampfer fährt uns solange voraus, bis wir die Lichter von Providenia wieder im Blickfeld haben.
Mitten in der Einfahrt erholt sich dann wie von Zauberhand auch unser alter Reservecomputer wieder. Das heißt, zu aller Erstaunen sind wir am nächsten Morgen schon wieder weg.


Wieder gehen wir bei absolut ruhigem Meer auf unseren alten Kurs und fühlen uns schon fast in Japan.
Noch ca. 700 nm die Küste entlang. Hinter den Kommandeursinseln ist das Schlimmste überstanden.
Aber es kommt erst noch…

Gegen Abend frischt der Wind etwas auf, wir freuen uns und setzen die Genua. Doch leider scheint uns die Beringsee mal wieder daran erinnern zu wollen, wo wir uns befinden.
Im Gleichklang mit dem Wind reffen wir, bis nur noch ein "Handtuch" steht.
Dass das die Nacht der Katastrophen wird, ahnt zu dieser Zeit immer noch keiner.
Der Erste ist Tassi. Plötzlich fängt er jämmerlich an zu miauen und verschwindet, eine Spur von Erbrochenem hinterlassend, im Schlafzimmer.
Später lernen wir, ihn, wie die alten Bergleute ihre Wellensittiche, als Frühwarner zu sehen.
Ich sitze am Kartentisch und merke, irgendetwas stimmt hier nicht. Gerade noch reicht die Zeit, Kathrin zu rufen, dann haut`s mich um.
Ich falle einfach in Ohnmacht oder was das sonst so war. Zu nichts mehr fähig, nehme ich die Umgebung nur noch schemenhaft bzw. gar nicht mehr war.
Das Schlimmste, Kathrin geht es auch nicht viel besser. Dazu bläst der Wind mit nie gekannter Stärke und schiebt uns unaufhaltsam in Richtung Küste.
Zu unserem Glück steuert der Autopilot und wir sind somit nicht völlig außer Kontrolle. Am Ende wäre es nicht gerade optimal für eine Jacht, unter Segeln steuerlos in einen Sturm zu sausen.
Ich finde irgendwann später so langsam wieder zurück ins Leben, kann aber überhaupt nichts tun.
Gerade mal, das ich ungefähr die Situation einschätzen kann. Sofort müssen die Segel rein, egal wie.
Kathrin ist die einzige von uns, die überhaupt noch etwas unternehmen kann, also muss sie zuerst die Genua bergen. Das Manöver ist allerdings bei Sturm von Achtern und ohne dabei aus dem Wind zu gehen keineswegs einfach und ein ganz schönes Stück Arbeit.
Schwer angeschlagen und dazu noch der verletzte Kühlschrankfinger ein elendes Unterfangen.
Um nicht im Chaos zu enden, müssen irgendwie mindestens zwei, meistens drei Leinen gleichzeitig geführt werden. Und so ein Wind hat ganz schöne Kraft. Geschafft!
Alle Luken dicht, treiben wir später langsam aber sicher in Richtung Küste. Und wir haben erst einmal Zeit, uns neu zu ordnen.
Das Boot liegt zwar verhältnismäßig sicher und ruhig, aber die Wellen schlagen von allen Seiten über uns hinweg. Es ist nie richtig zu sehen, ob unter oder über uns mehr Wasser ist.
Hilflos müssen wir zusehen, wie unser Verdeck in Fetzen geht, zum Bergen fehlt einfach die Kraft.
Eine Weile später ist das Windrad an der Reihe. Wenn es wenigstens im Meer verschwunden wäre.
Aber nein, es muss an einer Schraube hängen bleiben und knallt, im Wasser treibend, immer wieder gegen die untere Befestigung vom Achterstak.
Es hilft alles nichts, ich muss raus. Festgeknotet und mit allen notwendigen Schlüsseln bewaffnet, krieche ich auf allen Vieren nach hinten. Um überhaupt etwas zu sehen, versucht Kathrin vom Niedergang aus zu leuchten.
Faszinierend sieht es schon aus: die Flügel drehen noch im Wasser und werden dabei von unserem Hecklicht beleuchtet. Sie spiegeln sich auf ihrer schön polierten Halterung, die ja eine Verbindung mit unserem Achterstak eingegangen ist.
Doch gar nicht so einfach, dass schwere Ungetüm vom Boot zu befreien. Ich hänge Kopf über hinten unter der Reling und zerre und schiebe. Viele Flüche und Schläge später, verschwindet es endlich auf Nimmerwiedersehen im Dunkeln.
Da sitzen wir nun also; alles was nicht wirklich niet- und nagelfest war, ist schon durch die Gegend geschossen, aber aufräumen lohnt sich im Augenblick eh nicht. Wir treiben unerbittlich auf die Küste zu.
Alle drei krank und somit recht hilflos.
Wir denken an Abbruch unserer Reise, wenn wir hier irgendwie heil rauskommen sollten und erst einmal überwintern.
Die einzige Stadt mit sicherem Hafen, die somit für uns in Frage kommt und überhaupt erreichbar ist, ist Anadyr.
Die größte Stadt hier mit Flugplatz und großem Hafen. Aber leider auch fast 200nm entlang der Wellen. Es nützt nichts, wir müssen los. Mit letzter Kraft schleppe ich mich wider an Deck und starte den Motor.
Das heißt, ich versuche es. Die Elektrik ist völlig durchnässt. Nach einigen Versuchen, ich denke schon über ein Stück Großsegel nach, springt er tatsächlich an.
Soweit überhaupt möglich, gehen wir auf direkten Kurs und sinken völlig erschöpft aufs Sofa.
Die PERITHIA stampft tapfer durch die Wellen und hält somit ihre Höhe und Richtung. Diese Nacht werden wir, glaube ich, nie vergessen.
Wie stecken Schläge ein, ein Wunder dass wir noch schwimmen. Zu allem Unglück kommt auch noch irgendwo Wasser ins Boot. Ich nehme an, wir schöpfen es von hinten.
Wir können den Stand am Kühlschrank messen, dort quillt es nämlich unter den Bodenplatten hervor. Jedenfalls überleben wir!
Am nächsten Morgen geht's besser, sogar der Sturm hat sich etwas gelegt. Erst einmal verschaffen wir uns einen ersten Überblick: Ganz schön lädiert aber funktionsfähig!
Also stürmen wir durch die Wellen und so langsam kehrt auch unsere Zuversicht zurück. Da wir uns im Anlaufen fremder Häfen mittlerweile bestens auskennen, gibt es in Anadyr auch keine größeren Probleme. Ordnungsgemäß melden wir uns an und erbitten Einfahrerlaubnis auf Grund eines akuten Seenotfalles.
Wir können aber sowieso erzählen, was wir wollen, es versteht ja doch keiner. (Das nächste Mal brauchen wir unbedingt ein Russisch-Wörterbuch)
Im Dunkeln legen wir an und sind recht verwirrt; uns werden zwar freundlich die Leinen abgenommen, von offizieller Seite ist aber niemand zu sehen. Das sind wir ja nun gar nicht mehr gewohnt.
Verwirrt beschließen wir, 1,5 h zu warten und dann in die Stadt auf Suche zu gehen.
Wir müssen unbedingt das Hafenamt zur Anmeldung finden.


Da keiner kommt, laufen wir los. Quer durch Neubausiedlungen Marke DDR erreichen wir unbehelligt das Stadtzentrum. Nicht das wir hier wohnen möchten, aber so schlecht sieht es gar nicht aus. Zuerst gehen wir einkaufen, der Supermarkt sieht aus wie bei uns. Dann suchen wir das Hafenamt und finden ein Restaurante.
Ich denke, das Beste am Platz. Nur das Essen, na ja…! Ganz schön übersichtlich auf dem Teller und der Koch hat wohl die Beilagen vergessen. Trotz allem, frohen Mutes wollen wir zurück zur PERITHIA, doch dieser Weg bleibt uns erspart.
Ein Jeep hält und wir werden eingesammelt. Von der Sache her war das ja auch nicht anders zu erwarten. Außerdem spart es den langen beschwerlichen Rückweg.
Ab jetzt wird es nun offiziell. In der Amtsstube werden wir freundlich begrüßt und es gibt erst einmal einen Kaffee. Es wird eine junge Dolmetscherin, die ins Englisch übersetzt herbeibeordert.
Dann werde ich aus irgendwelchen mir unverständlichen Gründen in der Amtsküche platziert und übe mich im Warten. Mein Bewacher kann zwar kein Englisch, ansonsten klappt die Verständigung aber sehr gut.
Ich kann eine Menge über die Stadt und ihre Leute in Erfahrung bringen.
Kathrin schildert unterdessen unsere Odyssey und beantragt offiziell, stellvertretend für ihren Kapitän die Hilfe Russlands. Es gibt an für sich keine größeren Probleme. Nur hat es den Anschein, als ob niemand so richtig weiß, was nun zu tun ist.
Nachts 2.00 Uhr wieder zurück an Bord, kehrt endlich Ruhe ein und wir kommen zu dem Schluss, erst einmal abzuwarten.
Zu unserer großen Überraschung funktioniert sogar unser Telefon wieder, das heißt, so abgeschnitten sind wir trotz unserer beiden Bewacher auf der Mole nun auch wieder nicht.


Der nächste Tag beginnt mit Arbeit. Hafenamt, Hafenkapitän, Reparaturwerkstatt und Krankenhaus. Beim Facharzt ging alles sehr schnell. Gerade anwesende Patienten wurden kurzerhand herausbefördert, die Armee braucht Platz…
Die Diagnose des Arztes ist knapp und verständlich, wir brauchen dringend Ruhe, dürfen aus ärztlicher Sicht nicht an Bord zurück, müssen also ins Hotel. Wie das aber nun mit den fehlenden Visa vereinbaren?
Um es kurz zu machen, wir haben weiter an Bord geschlafen.
Wir lernen in Anadyr eine Menge Bürokratismus, (die Untersuchung unseres "Falles" umfasst ein achtseitiges Protokoll!) Misstrauen den eigenen Landsleuten gegenüber, aber auch wirklich echte, alles übertreffende Hilfsbereitschaft und Anteilnahme kennen.
Gerade wenn alle aufgeben wollen, gibt es am Ende doch noch einen Weg. (Es gäbe an dieser Stelle einiges zu berichten… Wir sind sehr dankbar!)
So ist es am Ende wie in Providenia, keiner glaubt daran, und plötzlich geht es los. Nach 6 Tagen Hin und Her, Hoffen, Verzweifeln und wieder Hoffen heißt es: Leinen los!


Zwischenzeitlich haben wir unsere Route geändert; nur noch weg und irgendwie so schnell wie möglich die freie Welt erreichen.
Also verabschieden wir uns über Funk mit den Worten:
"The PERITHIA is Anker up. We living now to USA. Mui gawarim doswidania!"


21.09.2009
Barrow, Wie man es nicht machen sollte

Die Fahrt von Tuck nach Barrow verläuft völlig ereignislos. Gutes Wetter, natürlich kein Wind. Kaum, dass wir mal die Nase aus der Kajüte stecken. So gleiten die Meilen an uns vorbei.
Nur kurz vor dem Ziel, um mir einen Überblick über die Lage zu verschaffen, zwinge ich mich und gehe dann doch mal an Deck.
Es ist doch kaum zu glauben, fahren wir doch gerade durch eine riesige Walherde. Na ja, so kommen wir wenigstens noch zu ein par Bildern. So nähern wir uns also Barrow.


Barrow liegt in Alaska und ist demzufolge kein Eskimostaat…!
Rasieren, Duschen, neue Sachen und Kathrin instruieren: alles muss jetzt glatt von der Hand gehen.
Hier gibt es seit Monaten die erste Bar. Ein schönes Bierchen ruft.
Um keine Zeit zu verlieren, funke ich also schon mal den Hafenmeister an: "Wo ist denn hier der Hafen?" frage ich ihn.
Er ist verwundert: "einen Hafen - so was haben wir hier nicht".
Aber welchen Tiefgang wir haben, dass will er wissen und nach einigem Hin und Her schickt er uns in eine vorgelagerte Lagune. Nett wie er ist, teilt er uns gleich noch die Telefonnummer der Einwanderungsbehörde in Nome Alaska mit. An sich völlig problemlos.
`Wir sind da`, denken wir. Leider muss es aber ein Missverständnis zwischen Meter und Fuß als Maßeinheit gegeben haben.
Jedenfalls gibt es bald darauf einen kurzen Ruck und wir sitzen auf. Ich rufe also wieder den Hafenmeister an, um, nun schon langsam etwas entnervt, nach einem Abschlepper zu fragen.
Derweil versuchen wir mit Hin und Her, uns selber aus dem Dreck zu ziehen. Wir haben es gerade geschafft, da ist auch schon der "Abschleppdienst" zur Stelle.
Nun, so haben wir wenigsten einen Lotsen, dem wir folgen können. Wir fahren hinterher, doch bei 5 Fuß ist dann auch bloß Schluss.
Also, diese Seite von Barrow bleibt uns verschlossen. Notgedrungen beschließen wir, vor der Küste zu ankern.
Das Wetter spielt mit. Gesagt, getan - fahren wir auf die andere Seite der Halbinsel und lassen den Anker fallen.
Es ist unheimlich flach, gerade mal 4 Meter. Schnellstens wird das Dingi zu Wasser gelassen und ab geht's an Land.
Zwei Eskimomädchen auf Quadts begrüßen uns und erklären mir auf meine sofortige Frage nach der nächsten Bar verwundert:
            "No Bar, everywhere is dry."
Mittlerweile ist es auch schon recht spät, aber wir brauchen dringend noch einen Internetanschluss. Da wir unser neues Segel aus Griechenland hierher bestellt haben, wollen wir natürlich wissen, wo es denn ankommt.
In einer Bank werden wir fündig. So stehen wir dann mitten in der Nacht im Foyer beim Geltautomaten und klappen unseren Laptope auf.
Es dauert natürlich keine Minute, dann ist auch schon die Polizei zur Stelle. Aus irgendwelchen Gründen interessiert sie aber zu unserem Glück nicht sonderlich, dass wir gar keinen Einreisestempel haben, nur in der Bank sollen wir doch bitte nicht bleiben.
Wir sollen doch lieber ins Hotel gehen.


Und wir sollen auf die Eisbären aufpassen, die hier nachts durch die Ortschaft stromern. Und schwimmen sollen sie anscheinend auch noch gerne.


Gut - das Hotel hat zwar schon zu, gegenüber ist aber ein japanisches Restaurant. Wir finden sogar ein ungesichertes Netz und können uns einloggen. Alles scheint zu klappen.
Das Segel soll morgen, am Montag, kommen. Guter Dinge gehen wir beruhigt, aber "durstig" wieder zurück zur PERITHIA.
In Anbetracht der Warnung durch die Polizei, holen wir Old Gunstick wieder raus - man weiß ja nie - und gehen ins Bett.
Richtig wohl ist mir aber dann doch nicht dabei. Wir liegen völlig frei und ungedeckt direkt vor der Küste. Dazu noch bei 4 Meter Tiefe.
Ich schlafe also lieber die Nacht auf der Couch, um den Strandungsalarm nicht zu überhören. Doch das Wetter spielt mit und wir überstehen die Nacht ganz angenehm.
Am nächsten Morgen im Hotel dann die traurige Wahrheit. Das Segel ist vor dem 18.September, das heißt Freitag, nicht da!
Vier Tage, die wir verlieren! Und - was, wenn es dann auch noch nicht kommt?
Allmählich dämmert uns die ganze vertrackte Misere. Hätten wir gewusst, dass es hier keinen Hafen gibt, nie hätten wir das Segel hierher bestellt. So haben wir absolut keine Zeit- der Winter mit seinen Stürmen sitzt uns im Nacken und wir liegen völlig ungeschützt vor der Küste. Was bleibt uns also übrig?
Immer ein Auge auf die Wetterentwicklung, schauen wir uns Barrow an. Viel gibt es nicht zu sehen.
Eben eine typische nordamerikanische Kleinstadt. Ich denke, die Bilder sagen alles.


Wir nutzen die Zeit zum tanken, etwas Wasser auffüllen, einkaufen - vor allem Schokolade, Kekse, Nüsse und Lakritze, ein geniales Wetterprogramm besorgen und schlagen die Zeit irgendwie tot - recht bequem auf dem Hotelsofa mit Internetanschluss und mitfühlenden Angestellten.


Natürlich muss sich nun auch das Wetter ändern. Windstärke 5 Bft ist angesagt.
Direkt vor der Küste können wir da nicht mehr liegen, also beschließen wir, es doch noch einmal mit der Lagune zu versuchen.
Wir tuckern die zwei Stunden um die Halbinsel herum - um auf der anderen Seite genau in die Wellen zu laufen.
Schnell wird klar, durch die schmale Einfahrt der Lagune kommen wir nie und nimmer. Die Wellen türmen sich dermaßen, dass wir Mühe haben, wieder ums Kap zurück zu entwischen.
Dabei habe ich wieder einmal ausreichend Gelegenheit, hinten das Cockpit unter Wasser zu setzen. Die Wellen kennen wirklich kein Erbarmen mit mir und der armen PERITHIA. Entweder sie sausen von vorne übers ganze Boot, oder sie schlagen von hinten zu.
Aber wenn, dann immer mit voller Wucht. Und ich stehe wieder einmal bis zu den Knien im Wasser. Die schärfste jedoch ist ein kleines Ungetüm direkt von quer ab.
Ich hechte in letzter Sekunde neben den Cockpittisch auf den Boden und halte mich irgendwo fest. Die PERITHIA wird auf die Seite gelegt und schusselt so, Mast voran, unter der Welle bergab.
Unten angekommen steht sie aber brav wieder auf und ich sehe zu, wie ich das Wasser wieder aus dem Boot bekomme. Dann sind wir durch und um`s Kap herum.
Wir ziehen die Segel hoch und zurück geht's mit 7 Knoten zu unserem alten Ankerplatz. Gewissermaßen hätten wir uns diesen Ausflug auch sparen können…!
Da wir mit dem Dingi wegen der enormen Brandung nicht mehr anlanden können, funke ich schnell noch den Hafenmeister an. Er soll doch bitte mal im Hotel nachfragen, ob denn nicht zwischenzeitlich unser Segel angekommen ist, denn heute ist Freitag!
Macht er auch - es ist nicht da!
Dafür machen wir an diesem Abend eine ganz lustige Entdeckung. Es gibt einen Funkkanal, der zweimal täglich das Wetter ansagt. Mit dem Operator kann man recht gut reden und ist somit immer genauestens informiert.
Ansonsten wird der Kanal von Einheimischen genutzt. So ab 19.00 ist da richtig was los. Anscheinend haben die andere Quellen als ich…! Jedenfalls ist, glaube ich, keiner mehr nüchtern. Und so hört sich das dann auch an!
Heute am 19. September (Sonnabend) soll das Paket nun endlich unwiderruflich eintreffen! Sollte es nicht kommen, müssen wir ohne Segel weiter. Hier schneit es mittlerweile und der Weg nach Süden ist noch weit.
Zu überlegen ist: Wie kommen wir am besten mit dem Dingi durch die Brandung ans Ufer und vor allem, wie wieder zurück?
Also verpacken wir alles, was wir so brauchen, in Plastiktüten und verzurren es ordentlich fest. Sollten wir kentern, haben wir zwar unsere Überlebensanzüge, schaffen es aber nie bis zur PERITHIA zurück.
Bleibt also nur das Ufer und das ist weit - zumal die Strömung parallel zur Küste geht.
Ein Hoch auf Spiros Salvanos` Motor - er springt wirklich in jeder Lebenslage an! Egal wie - wir müssen ans Ufer.
Jetzt kommt es darauf an, genau die richtige Welle zu erwischen und darauf auf den Strand zuzureiten.
Klappt soweit auch ganz gut. Nur - kommen wir für quer an. Das war ganz schön knapp!


Trockene Sachen haben wir mit, also ab ins Hotel.
Kathrins erste Handlung: der Anruf bei UPS, und siehe da, das Segel ist endlich angekommen!!!


Überglücklich schießen wir noch ein Foto von der Übergabe und schleppen alles zum Strand zurück. Die weitaus schwierigere Aufgabe steht uns nämlich noch bevor.
Irgendwie muss das Schlauchboot einigermaßen sicher wieder durch die Brandung raus aufs Wasser. Uns ist nun mittlerweile aber schon alles egal, auf der PERITHIA ist es warm.
Nass ist also kein Problem, nur nicht kentern. Wir warten also die beste Welle ab und schieben los. Kathrin macht natürlich einen Bauchklatscher, aber wenigstens ins Boot und nicht daneben.
Doch ihr Schwung rettet uns, klitschnass zwar, aber dafür sicher, schwubsen wir über die ersten Wellen.
Der Motor springt an und alles ist gerettet. Zurück auf der PERITHIA steigen wir aus den nassen Klamotten, ziehen das Dingi hoch und endlich können wir in Richtung Beringstraße starten.


Nur das Wetter macht noch etwas Sorgen. Wenn alles so bleibt, steuern wir punktgenau in einen wunderschönen kleinen Sturm.
Wahrscheinlich wird es das Beste sein, einen kleinen Umweg über Kotzebue, der letzten Ansiedlung vor der Beringstraße in Kauf zu nehmen und erst einmal abzuwettern.
Dumm ist nur: da dort überall Sandbänke sind, brauchen wir einen Lotsen um an Land zu kommen.
Ach so, die besagte Monsterwelle hat anscheinend irgendetwas in der Elektrik bewirkt. Ab und an fängt die Starterbatterie an zu kochen. Wahrscheinlich werde ich sie erst einmal abklemmen. Im nächsten Hafen ist noch genug Zeit, dem Übel auf den Grund zu gehen.
Der Windmesser hat´s auch bloß nicht überlebt, also haben wir wieder mal genug zu tun.
Wirklich schön ist nur, ab jetzt sollten wir den Wind ständig von achtern bekommen. Somit wird es geruhsam schaukelnd Stück für Stück gen Süden gehen.




15.09.2009 Von Cambridge nach Tuktoyaktuk


Nun müssen wir "nur" noch das Eismeer hinter uns lassen…!!!
Erst wir mal hinkommen!
Die Fahrt nach Cambridge ist ein Wettlauf gegen die Zeit.
Alles hängt davon ab, pünktlich Freitagabend anzukommen; hab ich doch gehört, dass es in ganz Nunavut einen einzigen Club gibt, in dem Bier ausgeschenkt wird. Und der ist in Cambridge und öffnet ausschließlich Freitagabend. Ich denke: `so ein schönes Bierchen …`
Wir kommen Sonnabend 5.00Uhr morgens in Cambridge an… !
Der kleine Kai ist schon von einem Schlepper besetzt, was uns natürlich ganz lieb ist. So können wir seitwärts an ihm festmachen und brauchen uns über die Gezeiten keine Sorgen zu machen.
Was wir nicht wissen, diesem Schlepper werden wir noch öfter begegnen. Kaum festgemacht, kommt auch schon ein Matrose, ich glaube es ist der Obermaat oder so, und schaut, was wir da treiben. Wir rauchen erstmal eine mit ihm und erzählen das übliche Woher und Wohin. Sie legen bald ab, aber wir können ja dann an ihren Platz.
Vorher sind wir selbstverständlich zum Frühstück eingeladen, können duschen und bekommen die Wassertanks der PERITHIA gefüllt. Das Duschen ist eine Wohltat, uns ist schon vor Tagen das Brauchwasser ausgegangen.
Auch so wird die Begegnung immer interessanter. Der Koch brutzelt Eier mit Speck nach Wunsch und wir sollen ruhig nehmen, was da ist. Der Kapitän Stephan Wright der NUNAKPUT, so heißt das Schiff, begrüßt uns beim Frühstück, drückt uns zwei Basecups in die Hand, die wir sofort für das obligatorische Foto aufsetzen müssen.


So hängen wir jetzt im der Messe der NUNAKPUT. Da mir wieder einmal ein Stück Seekarte fehlt, frage ich ihn nach einer Kopie.
Der Maat wird geschickt und kommt alsbald mit einem ganzen Stapel voll Karten unterm Arm zurück. Erst einmal nachschauen, ob auch wirklich keine Detailkarte fehlt.
Wir wissen gar nicht wie uns geschieht und nennen plötzlich einem kompletten Satz Karten inklusive aller Details unser eigen. Dessen nicht genug, lockt uns der Koch in seinen Vorratskeller.
Vollgefüllt mit allem, was ein Schiff mit 12 Mann Besatzung so braucht. Wir sollen doch einpacken, sagt er und hilft auch selbst fleißig mit.
Vor Schreck wissen wir gar nicht, wo wir zuerst hinlangen sollen. Aber der Koch ist nicht zimperlich und packt beherzt ein: Kaffe, Milch, Butter, Sahne, Cornflakes, Fisch, Austern, Wurst, Käse, Juice, Brote, Zwiebeln, Kartoffeln, Knoblauch, Kuchen, ja selbst Klopapier schleppt er an. Wir müssen mehrmals laufen, um alles auf die PERITHIA zu bringen.
Kaum fertig, legen sie auch schon ab und wir sind traurig, dass diese ganze Begegnung gerade mal 2 Stunden gedauert hat.
Aber so kann´s gehen.


Wir krachen uns aufs Ohr, um dann frisch gestärkt Cambridge zu erkunden und auch die längst fälligen Reparaturen (Thermostat) sowie Wartungsarbeiten an der leidgeprüften PERITHIA zu erledigen. Von der SILENT SOUND weiß ich eine Werkstatt direkt am Kai. Das ist also nicht so das Problem.
Schlimmer - mein Blick in den Dieselfilter! Jetzt wird mir auch klar, warum das Gas immer so ruckelt. Bei uns im Tank scheint sich eine Art Schleim zu bilden. Denselben haben wir schon einmal an dem Reservekanister des grönländischen Fischkutters gehabt. Jedenfalls ist der komplette Filter total dicht und verklebt.
Ein Wunder, dass überhaupt noch was ging. Ich denke, es liegt am Kondenswasser in Verbindung mit der Kälte. Ausgetauscht ist der Spaß schnell. Nur - starten will der Motor nicht.
Ich also zurück in die Werkstatt und klage dort mein Leid.


Zum Glück gibt es nette Mechaniker, einer davon verspricht, am nächsten Morgen bei uns vorbeizuschauen.
So haben wir Zeit für Sihgtseeing und einkaufen und so. Trotz fast der gleichen Größe unterscheiden sich die Orte Gjoa Haven und Cambridge um Welten.
Hier sieht es doch fast wie in einer Stadt aus. Und die Menschen werden mit Recht als -angenehm freundlich- beschrieben. Keiner, der uns nicht zuwinkt oder grüßt. So werden wir, wieder zurück am Boot auch alsbald von einer Menge Kinder belagert, die unbedingt die PERITHIA erkunden wollen.


Es kostet einige Mühe, in dem Gewusel den Überblick zu behalten.
Othmar, ein Mediziner aus der Schweiz, hilft uns dabei. Er wohnt schon seit Jahren in Kanada. Zuerst im Yukon und jetzt hier in Cambridge. Es ist wirklich sehr interessant, mit ihm zu plaudern und seinen Geschichten über seine Ankunft in Kanada und das Wohnen im Zelt mit Bären vor der Haustür zu lauschen.
So verbringen wir einen netten Abend und sind ganz begeistert davon, wie gut doch alles klappen kann. Sogar das Wetter scheint mitzuspielen. Es ist zwar ein Tief angesagt, aber mit 5 Bft sollten wir doch klarkommen.
Frisch proviantiert und überholt geht's los zur wirklich letzen Etappe der Passage. Hier kann eigentlich nichts mehr passieren.
Um es mit Dieters Worten zu sagen: "Na ja, dieser Abschnitt wird ja dann eher langweilig!"…
Bis nach vielleicht anderthalb Tagen das Barometer fällt und fällt und fällt.
So richtig Sorgen machen wir uns aber nicht, wir sind immerhin in einem Sound, umgeben von Land. Da dürfte außer ein bisschen Wind nicht viel passieren. Gegen Abend fängt`s dann auch langsam an. Der Wind bläst wie üblich genau von vorn und es baut sich langsam eine ganz enorme Welle auf.
Das Dumme dabei ist, wir müssen durch eine recht enge Stelle, die wie eine Düse wirkt und auch ansonsten sind die Felsen und Inseln nicht wirklich weit weg.
Sicherheitshalber ändern wir die Route etwas querab zum Wind, um wenigstens der Strömung zu entgehen.
Und das Barometer fällt derweilen munter weiter.
Irgendwann kommt der Augenblick, wo das Boot unter Motor nicht mehr zu halten ist.
Unter Segeln ist das so eine Sache. Das letzte uns verbliebene Großsegel ist an allen Ecken und Enden geflickt, das Neue liegt hoffentlich bald in Point Barrow. Einen Verlust können wir uns deshalb einfach nicht erlauben.
Also - Genua ein Stück raus und mit dem Wind zurück.
Der Wind nimmt derweil immer mehr zu und die Wellenberge überragen uns mittlerweile haushoch.
Da wir nichts sehen können und im Abstand von ca. 5 nm um uns herum überall Inseln oder Untiefen lauern, sitzt Kathrin unten am GPS und gibt ständig die Richtung durch.
Wir versuchen, eine Bucht schräg auf Luvseite zu erreichen, unter Motor vielleicht machbar.
Bei mir hinten im Cockpit schlagen die Wellen schneller rein als das Wasser ablaufen kann. Stellenweise sieht`s aus wie in einer Badewanne. Meine Stiefel sind wohl zu flach, sie sind recht schnell voll gelaufen. (2 ° C!)
Zwischendurch muss zu allem Unglück immer mal einer von uns nach vorne um das Schlauchboot samt Blister neu zu verzurren.
Die Persenning hält einfach nicht. Das ist vielleicht ein Spaß, auf allen vieren übers Boot, immer irgendwo festgeklammert und ständig unter Wasser. Der Wind ist eigentlich gar nicht so das Problem, 8 Bft mit Böen 9 Bft kann man schon absegeln.
Nur die Wellen sind aus irgendwelchen Gründen gigantisch.
Und das Schlimmste oder auch das Gefährlichste ist - wir haben kein Platz zum Ausweichen!
Dazu kommt der Schlafmangel, wir sind beide schon seit gut 36 h voll am rotieren.
Den Anfang vom Ende läutet dann eine Riesenwelle ein.
Sie schlägt mit voller Wucht ins Boot und setzt die halbe Elektrik außer Gefecht.
Plötzlich ist eine unheimliche Ruhe an Bord. Das war`s für den Motor. Zuviel!
Das war`s auch mit unserer Bucht. Die Wellen haben inzwischen dermaßen zugelegt, das habe ich überhaupt noch nicht erlebt!
Also doch Segel. Die Genua auf Handtuchgröße und das Groß ein winziges Stück.
Nach 10 min gibt es dann kein Groß mehr, war auch zu erwarten.
Am Ende ist das der Augenblick, wo nichts mehr geht.
Segel hin, Motor hin und Ablaufen unter Top und Takel -bei den Wellen nicht mehr machbar. Dazu überall Legerwall.
Wir fangen tatsächlich an, die Nottasche zu packen. Signalraketen, Wasser und was man alles schnell so braucht, wenn` ans Aussteigen geht.
Irgendwann bleibt nichts anderes zu tun, ich entschließe mich zu einem May -Day Ruf.
Das Problem, dass wir dabei zu bedenken haben, ist: zwar werden wir geholt, aber die arme PERITHIA bleibt vor den Felsen zurück. Das wär`s dann für sie.
Dummerweise ist die Funkmastdichte hier draußen so gering, dass wir mit unserem UKW Funk nicht ankommen.
Bleibt nur noch: warten. Ich lasse ein kleines Stück Fock stehen, schlage das Steuer ganz nach Luv und gehe nach unten. Hier oben an Deck gibt es für uns nichts mehr zu tun.
Die PERITHIA dreht auch brav quer zu den Wellen und wir wettern ab. Wie durch ein Wunder schiebt der Wind uns zum einzigen Ausgang aus dem Schlamassel. Wir kommen ungeschoren zurück auf unsere Hinwegroute. Also keine Felsen.
Da wir eh nichts tun können, schicke ich Kathrin, die völlig übermüdet und mit den Nerven so ziemlich am Ende ist, ins Bett, hocke mich vor das Radar und suche die Umgebung nach vielleicht einem anderen Schiff ab.
Langsam aber sicher werden wir in die Dease Strait geschoben und der Wind und auch die Wellen lassen etwas nach. So kann ich sogar etwas mehr Genua setzen und die PERITHIA ist wieder steuerbar.
Wenn nur ja der Wind nicht dreht. Unsere einzige Chance ist, jetzt Wind von achtern - nur ja nicht mehr als querab.
Endlich ein Frachter in Sicht. Ich schildere ihm unsere Situation und bitte ihn, die Küstenwache zu verständigen.
Es dauert dann auch nicht lange, und wir haben wieder Verbindung mit der Außenwelt. Die Küstenwache funkt uns an und wir besprechen die Lage, was am besten zu tun ist.
Da Wind und Wellen sich mittlerweile stabilisiert haben, vereinbaren wir ständigen Funkkontakt und in Cambridge werden die Vorbereitungen zu unserer Bergung getroffen.
Ironischerweise haben wir mit einer stabilen 6 Bft von achtern einen viel schnelleren und ruhigeren Rück- als Hinweg.
Mir bleibt nichts anderes zu tun, als ständig die Richtung zu überwachen und unsere Position und Geschwindigkeit durchzugeben. Dazwischen schaue ich Fernsehen.
So passiert es dann auch, dass ich unsere Retter verpasse und erst vom Dispatcher der Küstenwache aufgefordert werden muss, ich solle doch bitte mal an Deck kommen. Peinlich!
Schwer angeschlagen werden wir in Schlepptau genommen, und an unseren alten Platz in den Hafen manövriert.


Zwischendurch erfahre ich von der Küstenwache, dass ein anderes Segelboot in Cambridge liegt.
Da sie von unserer Misere erfahren haben und eine Segelnähmaschine an Bord haben, warten sie auf uns.
An unserem alten Platz am Frachter NUNAKPUT, der zwischenzeitlich wieder eingelaufen ist, stehen dann auch alle zum Empfang bereit. Die Leinen werden uns abgenommen und wir auf das herzlichste begrüßt.
Die anderen Segler, eine amerikanische Familie mit zwei Kindern, lassen uns erst gar nicht zu Wort kommen. Unser Segel wird geborgen, die zerfetzte Persenning eingeladen und alles in die Messe des Frachters transportiert.
Dort werden die Tische abgeräumt und zusammen geschoben. Wir werden derweilen ins Bett geschickt.
So stehen wir ziemlich perplex da und fügen uns unserem Schicksal.
Man will's wirklich kaum glauben, ein paar Stunden später kriechen wir aus den Federn und alles ist gerichtet.
Wir sind quasi abfahrtbereit. Beim abendlichen Dinner auf dem Nachbarboot lernen wir dann auch unsere fleißigen Helfer kennen.


Eine Familie mit zwei Kindern aus Michigan-USA, die auf dem Weg sind, Amerika zu umrunden.
Sie nennen einen kleinen, wirklich schönen Holzkutter, die PRECIPICE, ihr Eigen. Wir wundern uns nur, wie alle da reinpassen.
Da die Zeit drängt, der Winter naht und sie durch uns schon einen Tag verloren haben, brechen sie noch am Abend auf.
Wir sind noch nicht soweit, versprechen aber, uns zu beeilen. Da wir schneller sind, werden wir sie bestimmt bald, noch vor dem Nordpolarmeer einholen.
Diese Strecke wollen wir dann zusammen segeln. Gesagt getan, nach einem erholsamen Abend und morgendlichem Einkauf (meine Handschuhe hat der Sturm geschluckt) holen wir die Leinen ein und starten zum zweiten Anlauf.
Da die Wettervorhersagen auch diesmal nicht wirklich gut sind, haben wir uns in weiser Voraussicht entlang der Route Fluchtbuchten aufgezeichnet.
So segeln wir unter höchster Anspannung und immer den Himmel und das Barometer im Auge, so schnell es geht die Dolphin Strait entlang.
Ich rechne ein bisschen hin und her, irgendwann müsste die PRECIPICE bald auftauchen. Über Kurzwelle geben wir uns die Position durch, und siehe da, wir wären doch beinah vorbeigefahren.
So geht's nun zusammen weiter.


Der Wetterbericht scheint hier oben zum Glück auch nicht der verlässlichste zu sein.
Wir segeln bei bestem Wind und strahlendem Sonnenschein in das Nordpolarmeer hinein. Kathrin nutzt das schöne Wetter zu einem kleinen Nickerchen im Freien.


Trotzdem bin ich froh, endlich das offene Meer zu erreichen.
Wir sausen wie die Verrückten, um diese Etappe so schnell wie möglich hinter uns zu bringen und setzen alles an Segeln, was nur irgendwie geht.
Das bedeutet aber, dass immer eine Rehling im Wasser ist und die Wellen übers Vorschiff sausen.
Mit schlafen ist da wieder mal nichts. Zum Glück gibt's jetzt aber einen neuen Kurs, Wind von achtern.
Ruhiger kann man nicht mehr segeln. Bis Tuktoyaktuk sind es noch 120 nm.
Das bedeutet - morgen früh müssten wir relativ entspannt ankommen.


14.08.2009
Von Resolute nach Cambridge Bay -
unser schwierigster Abschnitt der Nordwestpassage



Morgen ist also Aufbruch angesagt.
Da wir mit unseren amerikanischen Freunden von der FIONA zusammen segeln wollen, werden beim Essen noch schnell die letzen Details besprochen.
12.00 mittags soll Start sein. Wir alle sind guten Mutes, die Eischarts sehen nicht schlecht aus. Wird schon klappen.
Doch keiner von uns ahnt auch nur im Entferntesten, was da auf uns zukommt.
Wie auch? Aus irgendwelchen, uns nicht verständlichen Gründen, werden die Amis aber plötzlich unruhig und nervös. Sie wollen unbedingt schon früh am Morgen los.
Da wir noch einiges zu erledigen haben, zerfällt unsere kleine Seglergemeinschaft, bevor sie richtig begonnen hat.
Wir verabreden einen Treffpunkt auf einer späteren Insel und verabschieden uns erst einmal.
Gesagt - getan stechen wir mittags in See. Das heißt, erst einmal muss die PERITHIA vom Eis befreit und ein Weg aus der Bucht gefunden werden.


Das Wetter ist so la la und prompt stoßen wir auf das erste Eisfeld. Nichts schlimmes, braucht bloß ein bisschen Zeit.
Wir überqueren die Barrow Strait und biegen in den Peel Sound ein. Völlig eisfrei liegt er vor uns.
Kein Wind, keine Wellen - es ist nur recht kalt. "So schlimm kann das also alles gar nicht sein!" denken wir und sollten noch so viel lernen.
Wir kommen eigentlich recht gut vorwärts; das karge Land zieht an uns vorbei und es passiert nichts wirklich Aufregendes.
Wir haben Zeit, uns das Vergangene in Resolute noch einmal Revue passieren zu lassen. Beide sind wir der Meinung, es war am Ende ein sehr angenehmer Aufenthalt und wir haben nette Menschen getroffen und neue Freunde gefunden.
Erst einen Tag später, in der nächsten Nacht werden wir durch eine Eisbarriere gebremst. Da ich gerade Wache habe, versuche ich mein Glück und steuere erst einmal ins Eis.
Mittlerweile werden die Tage wieder kürzer und es wird nachts schon etwas dämmerig, so dass ich nach einiger Zeit des Wegsuchens durch die Schollen lieber wieder umdrehe um auf Licht zu warten.
Doch - wo nun festmachen?
Ohne lange nachzudenken, worüber auch, stoppe ich die PERITHIA im nicht ganz so dichten Eis, lasse sie treiben und tauche ab in die Koje.
Früh morgens dann ein kleiner Gungs, so als wollte das Eis uns sagen: "Jetzt aber los!"
Nur ist es eben erst 4.00 Uhr morgens und dementsprechend ungemütlich und kalt. Aber es ist hell und damit die Durchfahrt bei guter Sicht durch das Eisfeld schnell geschafft.
So geht's also weiter in die Franklin Strait, wo wir direkt neben der einmündenden Bellow Strait eine, der hier sehr seltenen Ankerbuchten für den Abend auf der Seekarte ausgemacht haben.
Die FIONA müsste so ungefähr 8 Stunden vor uns sein, wir werden sie spätestens bei Tasmania einholen.
Die Ankerbucht ist übrigens zugefroren. Was bleibt uns weiter übrig, wir fahren die Nacht durch und kommen so recht schnell nach Tasmania Island.
Von der FIONA ist natürlich weit und breit nichts zu sehen. Wie auch? Das komplette Island liegt im Eis.
"Macht nichts" denken wir uns. "Ankern wir eben vor der Bucht" Dummerweise ist es hier oben im gesamten Gebiet sehr tief. Die Ufer fallen steil ab. Direkt vor dem Eingang unserer anvisierten Bucht werden wir aber fündig.
Es ist recht landnah, aber es ist ruhig. Kathrin lässt also den Anker runter, ich bringe das Boot in die richtige Lage wobei ich wenden muss.
Und bekomme bald einen Herzschlag!
Ich kann es nicht glauben. Wie von Geisterhand setzt sich das gesamte in der Bucht liegende Eis in Bewegung und strömt heraus. Es ist ein atemberaubender Anblick.
Dumm nur, wir liegen genau im Weg und haben auch noch den Anker unten. Wenn das jetzt nicht schnell geht....
Kathrin hat's noch gar nicht bemerkt und wundert sich über meine "Anker hoch!" Rufe und denkt wahrscheinlich, ich bin ein bisschen verwirrt oder so. Aber wir schaffen es gerade noch so und können ein beeindruckendes Schauspiel erleben.
Das gesamte Eis der riesigen Bucht bewegt sich wie von Geisterhand und gibt den Ankerplatz frei.
Doch wie kommt man rein?
Durch das Eis geht's jedenfalls nicht.
"Na, hier kann die FIONA ja wohl nicht sein." denken wir uns und beschließen eben weiter zu fahren. Irgendwann werden wir sie schon einholen. Das hätten wir dann auch beinahe geschafft. Nur glaube ich aber nicht, dass wir sehr glücklich darüber gewesen wären…
Wir passieren immer größer werdende Eisfelder, rechts neben uns eine nicht enden wollende Barriere und links kommt das Land dazu.


Langsam fange ich an, mir Sorgen zu machen.
Was - wenn das Eis zum Land driftet?
Wohin dann ausweichen?
Irgendwann ist dann Schluss.
Bedrohlich und undurchdringlich erstreckt sich eine Hügellandschaft aus Eis vor uns. Hier ist beim besten Willen kein Weiterkommen mehr.
Das Eis liegt mitten in der Strömung vor uns und was sich dahinter für ein Druck aufgebaut hat, möchte ich lieber gar nicht wissen.
Ich weiß nur, hier sollten wir nicht stehen.
Auf meine dauernden Funkrufe hört auch niemand. Wo sind die denn bloß? "Wahrscheinlich" sagen wir uns "haben sie noch eine schmale Fahrrinne gefunden und sind durchgeschlüpft."
Damals konnten wir noch nicht wissen, dass nur ein paar Kilometer weiter die Katastrophe ausgebrochen ist und die Mannschaft der FIONA um Schiff und Leben kämpfte.
Ein Eisbrecher ist auf ihren MAY-DAY-Ruf hin schon unterwegs und sollte in zwei Tagen eintreffen.
Von all dem wissen wir aber zum Glück nichts.
Jetzt zieht auch noch ein, für diese Gegend typischer dicker Nebel auf und taucht die ganze Misere in ein unwirkliches Weiß.
Wir fahren noch ein bisschen die Eismauer ab und wissen eigentlich nicht so recht - was jetzt tun?
Hinter der Mauer stehen bleiben - geht gar nicht!
Der undurchdringliche Nebel drückt auf das Gemüt und die Stimmung sinkt auf den Nullpunkt. Es lief einfach zu gut bis jetzt!
O.K.! lenken wir um und suchen uns einen Warteplatz in der mittlerweile eisfreien Bucht von Tasmania. Wir wenden und sitzen alsbald auch schon fest.
Noch haben wir nur mit kleineren Eisschollen zu kämpfen. Aber es ist, als führe das Eis ein gewisses Eigenleben und versucht immer wieder uns den Weg abzuschneiden.
Durch den Nebel verlieren wir alsbald völlig die Orientierung und kämpfen erst einmal um ein bisschen Bewegungsfreiheit.
Doch nichts zu machen. Es dauert nicht lange, dann geht gar nichts mehr.
Das Dumme ist, jeder Kompass zeigt hier so nah am Magnetpol etwas anderes an und für's GPS bräuchten wir Fahrt.

Das einzige, das wir auf der Karte noch ausmachen können, ist: wir nähern uns langsam aber sicher dem Land.
Wenn wir jetzt mit unserem Eisfeld auf Grund laufen - na, Prost Malzeit!
Verzweifelt versuchen wir die Schollen mit einer Stange beiseite zu schieben. Den entstehenden Spalt kann dann die PERITHIA mit Motorkraft erweitern.
Bloß - wie lange soll das gehen?
Knapp neben uns hat sich eine schmale Rinne geöffnet. Ob die ins offene Wasser führt, wissen wir nicht. Egal, wir brauchen Bewegung um wenigstens die Richtung wieder bestimmen zu können.
Das Ganze wird immer bedrohlicher und die Stimmung sinkt und sinkt.
Nur weg hier! Wir müssen zurück!
Das ist nichts für uns und das Boot!
Schließlich - nach viel schieben und drücken und gewaltigen Schlägen, die die arme PERITHIA einstecken muss, sind wir in der freien Rinne und können wenigstens die Richtung bestimmen.
Die ganze Strecke bis nach Tasmania, die vor kurzem noch so leidlich frei war, ist mittlerweile von Eis bedeckt. Wir schieben uns Stück für Stück in Richtung vermuteter Bucht.
Sehen können wir inzwischen gar nichts mehr!
Es geht eigentlich nicht weiter. Nie im Leben bis zur Bucht!
"Na, zum Glück nicht!" sollen wir später dann noch sagen. Auf dem Hinweg habe ich auf einer kleinen vorgelagerten Insel eine winzige Bucht gesehen.
Die könnte in der Not noch gehen. Wir suchen also und stellen fest - wir sind fast da.
Noch ein paar Meter, eine kleine Einkerbung im kargen Fels wird sichtbar.
Wir schieben uns vorsichtig hinein, lassen den Anker fallen und manövrieren zurück um den Heckanker zu werfen. Ganz passen wir nicht in die Bucht, aber so sind wir wenigstens vor den schlimmsten Schlägen der sich vorbeischiebenden Schollen in Sicherheit.
Wenn bloß der Wind sich nicht dreht!


Zeit, erst einmal zur Ruhe zu kommen.
Völlig niedergeschlagen fallen uns sämtliche Fehler ein, die wir so gemacht haben.
Ja, hinterher weiß man alles besser. Hier haben wir jedenfalls nichts zu suchen. Rückzug!
So bricht der nächste Morgen an und eröffnet uns außer Nebel, dass sich über Nacht unsere, am Vortag eigentlich angesteuerte, Ankerbucht wieder bis auf den letzten Meter mit Eisschollen gefüllt hat.
Nicht auszudenken, wir hätten dort gelegen.
All das zeigt uns: das Eis kann man nicht berechnen und man sollte ihm auch nicht trauen und sich in Sicherheit wiegen. Abstand ist die beste Vorsicht.
Niedergeschlagen machen wir uns also auf den Rückweg.
Natürlich ärgern wir uns, vieles wäre vielleicht zu vermeiden gewesen. Später sollen wir lernen, dass auch die beste Vorbereitung nichts nützt, wenn das Eis nicht will.
Natürlich ist mittlerweile der gesamte, bis gestern noch freie Weg, zurück komplett mit Eisfeldern übersät. Und es wird immer kälter, das Thermometer zeigt -3°C, das Wasser hat -2,7°C.
An Deck bildet sich eine Eisschicht, die das Laufen zur Schlitterpartie werden lässt.


Pünktlich zum Abend ist dann auch der Rückweg versperrt.
Und - die Zigaretten gehen zur Neige.
Zum Glück befinden wir uns an einem recht breiten Stück der Franklin Strait. Neben uns sind ein paar Inseln, die zum Ankern einladen könnten.
Eine Bucht scheint geeignet, ein wenig flach und steinig aber ansonsten, wie durch ein Wunder eisfrei.
Kaum haben wir den Anker unten, beschließt das Eis natürlich mit dem Gezeitenwechsel, unsere Bucht müsste ebenfalls gefüllt werden...
Gesagt - getan, rumst und schiebt es solange, bis der Kampf gegen uns gewonnen ist und wir sitzen wieder einmal fest.
Mittlerweile ist es auch zu kalt, um draußen noch irgendetwas Sinnvolles zu unternehmen. Wir machen es uns gemütlich, und schauen dem Treiben der Eisfelder zu.
Viele Robben tummeln sich dazwischen oder darauf.


Es ist, von der elenden Lage mal abgesehen, ein wundervolles Schauspiel.
Wir diskutieren die Lage und einigen uns nach reiflicher Überlegung, von Resolute Bay aus unter günstigeren Bedingungen einen zweiten Versuch zu starten.
Irgendein Geräusch, anders als die uns inzwischen vertrauten, lässt uns aufhorchen.
Vielleicht bewegt sich das Eis.
Kathrin geht nach oben und ist recht schnell wieder zurück. "Ich glaub da steht ein Eisbär" flüstert sie, "Auf einer Scholle hinten an der Plattform direkt am Eingang."
Was soll man dazu sagen. Old Gun Stick, die Patronen und ich verschmelzen zu einer Einheit.
"Bei 5 Schuss auf 2 Meter Entfernung sollte wenigstens einer treffen" sage ich mir und lege vorsichtshalber noch ein Reservepack von 20 Patronen in Reichweite.
Lärm ist gut, fällt uns ein.
Also bewaffnet sich Kathrin mit Topfdeckel und Schöpfkelle. So ausgerüstet bauen wir dann unsere Verteidigungslinie aus.
Dummerweise eine "Alamostellung", da die einzigste, infrage kommende Fluchtluke hinter uns durch das Dingi blockiert ist.
Meiner Aufforderung, doch schnell draußen ein Foto zu machen, kommt Kathrin übrigens nicht nach...
Da wir den Bären im Ernstfall nicht unbedingt erschießen wollen, holen wir noch die Signalraketen, um ihm im Notfall einen Schuss vor den Bug zu setzen.
Draußen bleibt alles still, also pirsche ich mich mit angeschlagenem Gewehr ganz in Indianermanier, jede Deckung ausnutzend, nach draußen.
Die Luft ist rein!
Er hat wahrscheinlich die Fischbüchse auf dem Tisch gerochen und ist dann aber von unserer wild entschlossenen Verteidigungsbereitschaft in die Flucht geschlagen worden.
Wir sehen ihn noch schwimmen und können sein Treiben eine Weile lang auf der nächsten größeren Eisscholle beobachten. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich die letzten beiden Nächte im Eis an Deck ohne Gewehr geschlafen habe, wird mir heute noch ganz schlecht.
Jedenfalls gehen wir unbewaffnet keinen Schritt mehr.
Auch abends im Schlafzimmer ist immer die Flinte in der Nähe.
Man kann sich das eigentlich gar nicht so richtig vorstellen. Aber "Knut" ist doch ziemlich groß, verdammt schnell und kann auch noch schwimmen.
Zu allem Unglück scheint er Eisschollen zu lieben. Nicht umsonst ist er das gefährlichste Land-Raubtier, heißt es jedenfalls.
Am nächsten Morgen können wir ein kleines Wunder erleben.
Abends noch war der ganze Sound voll mit Eis. Jetzt ist er komplett frei.


"Wo ist das Eis hin?" fragen wir uns.
Da die Strecke wieder frei ist, nähern wir uns jetzt schnell unserem Startpunkt Resolute Bay.
Das schmelzende Eis sagt uns, wir waren zu voreilig. Abwarten und Geduld haben, ist hier die Devise.
Wir beschließen, nur nachzutanken, die neusten Eiskarten zu besorgen und nach ein bisschen Wundenlecken einen zweiten Versuch zu wagen.
In Resolute angekommen, wundert man sich. Aber man freut sich auch, dass nichts passiert ist und wir heil wieder angekommen sind.
Die Menschen hier leben mit ihrer Natur und wissen sehr wohl, dass nichts zu erzwingen ist.
Und Hilfsbereitschaft um der Sicherheit willen steht hier immer an erster Stelle.
Man kann nie wissen, ob es einen nicht selber einmal trifft.
So organisieren wir Treibstoff, Propangas, Zigaretten und was wir sonst noch so brauchen.
Zwischenzeitlich werde ich noch zum Fotomodell.
Das Kreuzfahrtschiff BREMEN legt an und ein Haufen Passagiere werden mit Zodiaks am Strand abgesetzt.


Natürlich muss ich gerade in diesem Moment mit unserem Dingi dahergeschippert kommen.
Ein Segelboot hier oben im Norden will durch die Passage, das interessiert natürlich alle.
Und schon werden die Fotoapparate gezückt: ich mit Dingi, ohne Dingi, von allen Seiten. Mit meiner Fellmütze, Wärmestiefeln und den überdimensionalen Wärmeklamotten, die auch nicht unbedingt die saubersten sind, sehe ich wahrscheinlich aus wie der Alte Mann und das Meer oder wie Robinson Crusoe nach 5 Jahren.
Ein Mechaniker repariert später das defekte Thermostat am Motor, und wir besuchen unsere Freunde.
Irgendwoher besorgt jemand sogar Bier, was bei weitem keine Selbstverständlichkeit ist, da ja verboten und somit unverschämt teuer.
In unserer Tasche finden wir am Ende auch noch einige Zigarettenschachteln, die uns kommentarlos und heimlich zugesteckt wurden - wahrscheinlich auf meine Erzählung in Bezug auf den überstandenen Engpass hin.
Später gegen Abend laden wir uns im Hotel zum Abschiedsdinner ein.
Wie es der Zufall so will, ist dort gerade der kanadische Verteidigungsminister samt seinem Beratergremium zu Gast und beim Empfang.
Ossi, der Hotelmanager wird für sein Engagement mit einem Basecup und einer Münze geehrt.
Denkt aber ja nicht, dass er deswegen sein Büro aufgeräumt und keine Jogginghose an hätte.
Auch stehen alle, incl. Minister, wie hier üblich, in Strümpfen da. Die Schuhe werden draußen ausgezogen, auch beim Ministerempfang!
Es geht also recht zwanglos zu. Wir schnappen uns unser Essen, (es gibt leckeren frischen Fisch mit Pilzen...) und verziehen uns an einen der wenigen, insgesamt 10 Tische.
Zwei Bissen später sitzt auch schon ein sehr netter Herr, zum Glück spricht er perfekt deutsch, bei uns und wir sind mitten im Geschehen.
Später stößt noch der Herr Minister zu unserer Runde und Kathrin fängt an sich zu fragen, ob ihre nicht ganz so schicke aber bequeme Trainingshose wohl das angemessene Outfit ist.
Jedenfalls unterhalten wir uns alle sehr gut. Der Minister und seine Berater sind sehr interessiert und begeistert von unserer Reise und stellen uns viele detaillierte Fragen.
Einmal trete ich allerdings gewaltig ins Fettnäpfchen. Bilde ich mir doch bis zuletzt ein, der hohe Besuch bei uns am Tisch ist der Minister der Inuitrepublik Nunavut.
Man klärt mich aber recht schnell auf, und so schlimm war`s dann auch wieder nicht.
Adressen und emails werden getauscht und so geht der letzte Abend in Resolute unerwartet interessant und unterhaltsam zu Ende.

Wir wollen eigentlich sofort starten, beschließen aber noch ein, zwei Stündchen zu schlafen, und dann eben ganz zeitig aufzubrechen. 3.00 Uhr morgens ist Start.
Die rote Temperaturleuchte vom Motor brennt und es ist kein Start.
Was kann das sein? Ich überlege, was der Mechaniker wohl so alles gemacht haben könnte. Um den Fehler zu finden, zerlege ich also sein getanes Werk Stück für Stück noch einmal.
So nach einer Stunde frage ich mich dann, warum ich es nicht gleich selber gemacht habe.
Ausbau, Wiedereinbau, Test, Ausbau, Einbau, usw. Die Zeit vergeht und eine Lösung ist nicht in Sicht.
Um ein Thermostat auszubauen, neu abzudichten und wieder einzubauen, benötige ich jetzt nur noch 2 min. Ich könnte glatt bei Volvo Penta anfangen.
Doch dass man nach getaner Arbeit auch das Kühlwasser wieder auffüllen sollte, fällt mir erst reichlich spät ein.
Wenigstens ist es mir eingefallen...
Jetzt aber los! Es schneit und in Resolute wird der Winter wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir müssen hier schnellstens weg!


22.08.2009
Wieder mal über die Barrow Strait und hinein in den Peel Sound.
Geht aber nicht, da ist schon wieder Eis.
Wir tasten also die Eiskante ab, und finden irgendwann auch einen Durchschlupf. Im Peel Sound kommt sogar Wind auf, der uns mit ziemlichen Wellen, zum Glück von hinten, unserem Ziel entgegen schiebt.
Mit jedem Meter wächst auch unsere Zuversicht.
Jetzt oder nie! Nur der elende Nebel macht uns zu schaffen.
Die Strecke kennen wir ja nun schon zur Genüge. So freuen wir uns immer, wenn wir einen schwierigen Abschnitt ohne Eis überwunden haben. Geduld und Glück ist die Devise, sagen wir uns und die Zuversicht steigt und steigt. Später begegnen wir der OCEAN, einem anderem Segler, der die Passage von Ost nach West angeht.
Die Frage, ob wir denn die PERITHIA sind (auf uns wird schon gewartet), ein paar freundliche Worte, Eisberichte werden getauscht und schon geht´s weiter.


Ein einziges Problem haben wir allerdings, da wir auf eine andere als die ursprünglich vorgesehene Route ausweichen mussten, fehlen uns ein paar Seekarten.
Also kramen wir die Reservepapierkarte heraus. Das ist leider nur eine recht große Übersichtskarte, die eigentlich nur bei komplettem Systemausfall in der Not das Land zeigen soll.
Da wir aber kein schwieriges Stück zu bewältigen haben, gehen wir das Risiko ein.
Was sollen wir auch sonst tun?
So nähern wir uns, bis dato ungeschoren, unserem Etappenziel Gjoa Haven.
Doch nichts geht gut, es wäre ja auch zu einfach. Kurz vor dem Ziel nimmt der Nebel nochmals derart zu, das man die Hand vor Augen nicht sieht.
Also auch die Hafeneinfahrt nicht. Unsere Übersichtskarte zeigt sowieso nur grobe Umrisse an.
Schlichtweg, wir wissen nicht wohin.
Langsam tasten wir uns in eine riesige Bucht, von der wir annehmen, es könnte die Richtige sein. Allerdings ist es etwas flach. Die Wassertiefe pendelt so zwischen zwanzig und einem Meter. Bei unseren 1,65 m nicht unbedingt das Beste.
Vor, zurück, links rechts - so geht das nicht!
Zu allem Überfluss glaube ich, von dieser Bucht gelesen zu haben. Riesige Ausmaße, flacher Strand und sehr geringe Tiefe. Wer hier vom Wind erwischt wird, für den war's das. Zum Glück weht nicht die leiseste Brise und da wir nicht mehr weiterkommen, beschließen wir zu warten. Am nächsten Morgen, das gleiche Spiel. Die Sonne scheint über uns und wir sitzen im Bodennebel, der sich hartnäckig drei Meter über dem Wasser hält, fest. Irgendjemand muss uns doch die Koordinaten von Gjoa Haven geben können. Der Ort ist höchstens 5 nm entfernt und doch für uns unerreichbar. Ich versuche die Coast Card anzufunken - nichts. Alle Kanäle, die mir so einfallen, nichts. Gegen Nachmittag dann ist es endlich so weit, der Nebel löst sich auf, die Sicht wird besser. In der Ferne taucht ein Motorboot auf und saust auf uns zu. Ich zünde eine Handfackel an und denke mir so, das müsste ja wohl nicht zu übersehen sein. Überall auf der Welt gilt eine rote Handfackel als Seenotzeichen. Wir kommen uns ein bisschen vor wie auf der TITANIC. Der fährt doch tatsächlich vorbei! Aber egal, der Nebel ist mittlerweile verschwunden, und wir können die ersten Häuser ausmachen.


Wir waren einfach nur eine Bucht zu früh dran.
Bei strahlendem Sonnenschein laufen wir endlich nach ewigem Gesuche in den Hafen ein. Dort liegt schon die SILENT SOUND vor Anker.
Wir freuen uns, das letzte, uns noch entgegenkommende Boot, hier zu treffen.
Der Ort selber begeistert uns nicht so sehr. Staubig und dreckig, erinnert er irgendwie an eine Bergbausiedlung. Es gibt das übliche Hotel, zwei Einkaufsläden mit enormen Preisen und das war's auch schon. Hier kommt der Liter Milch mittlerweile auf einen Preis von über 4 $ und eine Packung Cornflakes auf 8 $.


Wir lassen uns aber rasch aufklären. Den Leuten selber hier sind die Preise relativ egal.
Da die ganze Gegend hier ähnlich wie ein Indianerreservat im öffentlichen Blickfeld steht und es sich noch dazu um die Ureinwohner handelt, bekommt jeder was er braucht.
Nur an der Perspektive hapert es gewaltig.
Gjoa Haven ist laut Statistik die geburtenreichste Gemeinde Kanadas.
Wir sehen junge Mädchen, die ein Kind an der Hand halten, ein zweites auf dem Rücken tragen, schwanger und dabei selber fast noch Kinder sind.
Verwundert lassen wir uns erklären, dass nach alter Inuittradition das ganze Dorf für die Kindererziehung verantwortlich ist. Sehr oft werden die Kinder von den Großeltern adoptiert, so dass jeder immer die Kinder der nächsten Generation großzieht.
Verständlich bei Müttern, die kaum 14 Jahre alt sind.
Später erfahren wir auch, dass sowohl das Kind vom Staat versorgt wird als auch, dass es für die Adoption zusätzlich 2000 $ gibt.
So hat am Ende jede Tradition auch einen ganz unmittelbar praktischen Sinn.
Jetzt verwöhnt uns das Wetter mit bestimmt 15 ° C und Sonne pur. Wir erholen uns von Kälte und Nebel, Kathrin holt das Sprossen- Keimglas raus, um uns Vitamine zu ziehen, wir machen unsere Mails fertig und Tassi genießt - wie immer.


Ich kämpfe erneut meinen verzweifelten Kampf mit dem Thermostat.
Am Ende kleistere ich das Ding mit Silikon ein. Vielleicht hält das dicht. Irgendwie werde ich den Motor schon noch auf Temperatur bringen.
Morgen geht`s dann weiter.
Langsam wird die Zeit für uns eng. Von unserem nächsten Ziel, Cambridge Bay, ca. 220 nm entfernt, sind es noch 1600 nm bis zur Behringstraße.
Und die führen durch das Nordpolarmeer.
Wir sollten uns also langsam sputen! Die erste Hälfte der Strecke Gjoa Haven - Cambridge ist recht anspruchsvoll.
Dauernd Untiefen und ein Gewimmel an Wasserstraßen, die ständig die Richtung wechseln. Das Ganze ist recht gut mit Peilzeichen ausgestattet.
Trotzdem müssen wir zu zweit ran. Einer behält unter Deck die GPS Daten und Routenvorgaben im Auge, der andere steuert den Autopiloten vom Deck aus.
Das geht recht gut, ist aber über die Stunden ermüdend.
Zudem haben die Kanadier hier eine Forschungsstation. Je mehr man sich dieser nähert, umso weniger funktioniert die Navigation. Was immer die hier erkunden, es stört massiv Kompass und GPS.


Die zweite Hälfte dagegen führt wieder über offenes Wasser. In Ermangelung einer Karte habe ich mir im Vorfeld Wegpunkte besorgt und auf unser vorhandenes Kartenmaterial im Laptop übertragen.
Zusammen funktioniert das wunderbar. Ich sitze im warmen und muss nur gelegentlich die Richtung zum nächsten Wegpunkt vorgeben.
Die einzige Gefahr hier ist ab und zu ein schlafender Wal.
Auf dem Radar aber recht gut zu erkennen, lassen sie sich recht einfach umsteuern.
Kathrin hat die zweite Wache und verschläft den ganzen Spaß.
So geht es geruhsam bis nach Cambridge Bay.
Die Passage ist erst einmal geschafft - Nun müssen wir "nur" noch das Eismeer hinter uns lassen…!!!




14.08.2009 Aufbruch in Resolute


Ein Blick auf die neuesten Eiskarten lässt uns an Aufbruch denken. (klicken zum Vergrößern)

Über Nacht ist es zwar wieder ein bisschen eng in unserer Bucht geworden. Wir werden aber bestimmt einen Ausgang finden.
Also: Start durch die Nordwest- Passage am 14.08.2009 um 12.00 Uhr



12.08.2009 Der Eisbär

Hier in Resolute hängen überall Plakate, auf denen vor Polarbären gewarnt wird und einige wichtige Verhaltensregeln aufgestellt werden. Zum Beispiel:

" gehe immer in Gruppen,
" lass deine Kinder nicht aus den Augen,
" campe nur in einem gesicherten Camp,
" lass keine Essenreste liegen,
" sage jemandem wohin du gehst und wann du wieder kommst,
" bedenke, dass der Bär ein exzellenter Schwimmer, ein guter Kletterer ist und sehr schnell rennen kann,
" somit ist er ein extrem gefährliches Raubtier

Nun gut, dass wissen wir ja eigentlich!
Als wir unserem ersten Bären dann aber in Natura begegnen, laden wir doch lieber vorsichtshalber unser Gewehr und stellen es griffbereit. Obwohl der Bär einen wirklich possierlichen und freundlichen Eindruck macht (wir erinnern an "Knut") nehmen wir die Flinte am Abend mit ins Schlafzimmer…!




10.08.2009 Resolute Bay

Über die Bucht schallt der Ruf: "Danger! Eis!"
Es ist 2.00Uhr morgens. Ich stecke den Kopf aus dem Bett und zur Luke raus und traue meinen Augen nicht. Der Wind hat gedreht und treibt ganze Berge von Eisschollen in die Bucht. Und das mit einer enormen Geschwindigkeit. Zeit, etwas zu unternehmen. Draußen ist es saukalt und extrem windig. Jetzt finde erst mal, so auf die Schnelle, die richtigen Klamotten… Das französische Boot ist als erstes klar und sucht sich einen Weg durch die Schollen aus der Bucht hinaus. Kathrin kämpft mit dem Anker, der unter einer Scholle verschwinden will. Ich habe zwar das Glück, windgeschützt zu stehen, aber alle Hände voll zu tun, um eine Kollision zu vermeiden. Die Amerikaner von der FIONA, die neben uns liegt, tauchen nun auch endlich auf und versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Derweilen hat sich das Eisfeld vor uns so verdichtet, dass an ein Durchkommen nicht mehr zu denken ist. Wir starten noch einen halbherzigen Versuch, aber es wird nichts. Sowieso sind wir der Meinung, lieber hier vorne in der Nähe des Ufers erwischt zu werden, denn keiner hat wirklich Lust, kilometerweit draußen zwischen dem Eis stecken zu bleiben. Mittlerweile wird es nun aber langsam doch ein bisschen eng. Vor uns rückt das Eisfeld unaufhörlich näher und hinter uns wird`s langsam flach. Wir jonglieren noch ein wenig durch die Schollen, viel ist aber nicht mehr zu machen. Die FIONA erwischt es zuerst. Da sie 35 cm mehr Tiefgang hat als wir, läuft sie auf Grund. Da steht sie nun wirklich nicht an der besten Stelle.


Wir klemmen uns erst mal an eine Eisscholle und versuchen, uns einen Überblick zu verschaffen. Ganz an der Seite der Bucht sieht es an sich gar nicht so schlecht aus. Davor ist eine kleine Landzunge, die das Gröbste etwas abhält. Bloß - wie hinkommen? Das einzig Vernünftige, das wir jetzt noch tun können, ist, einen sicheren ruhigen Platz im Eis zu suchen. Zum Glück finden wir eine große stabil aussehende Eisinsel, die anscheinend auf Grund sitzt. Sie hat eine gerade Seite, die wie geschaffen für die PERITHIA ist. Mit ein bisschen Arbeit sind die Unebenheiten schnell beseitigt und wir knoten uns fest.


Eine bessere Wahl hätten wir gar nicht treffen können. Um uns herum kracht und knirscht es, schieben sich Schollen zu ganzen Gebirgen übereinander. Vor uns haben sich aber zum Glück ein paar größere Blöcke festgesetzt und schirmen uns ab. Wir liegen wie an einer kleinen Mole. Auch die Fiona hat unverschämtes Glück. 2 Meter vor ihr bleibt das Eis stehen. Beide Boote haben so nicht eine einzige ungewollte Eisberührung. Wir kochen uns erstmal einen Kaffee und warten den Morgen ab. Der Wind legt sich und wir können in aller Ruhe schauen, was zu tun ist. Die gesamte Bucht hat sich innerhalb kürzester Zeit mit Eis gefüllt. Es ist unglaublich, in welcher Geschwindigkeit das passiert. Die Flut kommt langsam und damit kehrt auch wieder Bewegung ins Eis zurück. Es wird Zeit, langsam von hier zu verschwinden. Also steuern wir den letzten, so leidlich eisfreien Bereich der Bucht an und gehen vor Anker.
Nun sind wir also in Resolute angekommen. Hier werden wir abwarten müssen, bis das Eis im "Larsen Sound" und der "Victoria Strait", dem schwierigstem Abschnitt der Nordwest-Passage, uns ein Durchkommen ermöglicht.
Eine Ortsbesichtigung ist schnell abgeschlossen. Ein paar Häuser, ein Laden und eine Pension. Eine Siedlung für 250 Menschen am Ende der Welt, so will es scheinen.


Kein Baum, kein Strauch, nur Schotter so weit das Auge reicht. Um uns einen Überblick zu verschaffen, steuern wir zuerst die Pension an. Im Office treffen wir auf Phil, den Manager.


Er ist im Ort der Ansprechpartner für alles. Die Pension ist so etwas wie ein Treffpunkt hier. Ständig kommen oder gehen Leute, Kaffee und Saft sind frei und es gibt Fernsehen und Internet. Auch der Kontakt zu den einheimischen Eskimos ist schnell hergestellt. Den Anfang machen, wie überall auf der Welt, die Kinder.
Auf der PERITHIA zurück, dauert es nicht lange und das erste Kanu läuft zur Bootsinspektion aus. Alles wird begutachtet und in Augenschein genommen. An Berührungsängsten leiden sie jedenfalls nicht.
Bei unseren späteren ausgedehnten Wanderungen durch das Dorf treffen wir auf Josh. Er wohnt gegenüber vom einzigen Laden, und wir kommen ins Gespräch. Er bietet uns seine Hilfe an - Wäsche waschen oder Duschen - selbstverständlich sind wir herzlich willkommen.


Unser erster Besuch bei ihm und seiner Familie endet allerdings beinahe mit einem Missverständnis. Wir stehen vor der Tür und klopfen, aber es macht keiner auf. Klopfen oder gar Klingeln gibt es hier nicht. Die Türen sind offen und wenn man etwas möchte, geht man rein.
Schon wegen der Bären darf keine Tür, auch bei Abwesenheit verschlossen sein. Jedes Haus dient somit als Fluchtweg. Überhaupt sind Bären im Ort keine Seltenheit. Wir erfahren, dass ein Tag vor unserer Ankunft welche im Ort gesichtet…
Oh! Wahnsinn! Am Boot schwimmt ein Bär vorbei und hält doch tatsächlich auf die nächste Scholle zu.


Kathrin rufen, Gewehr laden, Fotoapparat holen - ist alles eins!
Knut (wir nennen ihn mal so) lässt sich zum Glück Zeit und legt sich erst einmal auf ein Nickerchen nieder. Noch gestern Abend hat das Eis bis ans Boot herangereicht. Also schleppen die Eskimos hier ihre Gewehre doch nicht nur zum Spaß mit sich herum…
So vergehen die Tage hier recht abwechslungsreich. Resolute Bay ist immer für eine Überraschung gut.
Josh zeigt uns die einzige Sehenswürdigkeit vor Ort - ein Haufen Säbelzahntigerknochen oder so etwas ähnlich und die gesamte Steinige Umgebung.
Wenn wir wollen, können wir jederzeit sein Quad nehmen¸ er stellt es uns einfach so zur Verfügung.


Leider muss Josh am Donnerstag ins Krankenhaus und es heißt: Abschied nehmen.
Dabei überreicht er uns eine Tasche, voll gepackt mit Lebensmittel und allem was man sonst so brauchen könnte!
Wir verstehen das als Gastgeschenk und sind über das Ausmaß der Gastfreundschaft, sowie die Selbstverständlichkeit mit der diese ausgeübt wird, doch recht überrascht.
Somit vergehen die Tage des Wartens auf eine Eisfreie Passage überraschenderweise recht schnell und angenehm.
Sogar das Wetter zeigt sich wieder von seiner besten Seite. Trotz allem können wir uns unter keinen Umständen vorstellen, hier zu leben. Resolute ist doch "etwas" abgeschieden von der Welt... Zweimal im Jahr kommt ein Versorgungsschiff für größere Bedarfsgüter wie Fernseher, Waschmaschinen oder ähnlichem vorbei. Der Rest per Flugzeug. Da kann es schon mal vorkommen, dass übers Wochenende die Zigaretten ausgehen. Dann ist halt Warten angesagt. Resolute ist 1946 von den Amerikanern gegründet wurden und verfügt über eine Landebahn für Jets die über den Nordpol fliegen und in Not geraten. Seit Gründung des autonomen Inuitstaates Nunavut ist hier, glaube ich aber nicht mehr viel passiert.
Knut auf seiner Scholle, treibt derweilen langsam in der Bucht umher.


Wir hoffen, die Batterien vom Fotoapparat halten noch ein Weilchen durch…
Einheimische kommen mit Autos und Quads zum Fotografieren an den Strand, bis es unserem Polarbären wohl zu laut und hektisch wird und er über die Eisschollen von dannen läuft.


09.08.2009 Von Upernavik (Grönland) nach Resolute Bay (Canada)

Heute starten wir also zum eigentlichen Ziel unserer Reise.
Die Durchquerung der Nord-West- Passage. Wir wollen gleich früh beizeiten starten, schnell noch die letzten grönländischen Kronen ausgeben und los.
Doch irgendwie zieht sich alles in die Länge. Wie üblich, sind wir auf der Suche nach einem Internetzugang.
Zum Glück haben wir mittlerweile schon Erfahrung in solchen Dingen. Wir gehen also ins nächste Bürogebäude und fragen.
Es findet sich immer ein netter Mensch, der mal eben seinen Schreibtisch für uns räumt.
Zurück zur PERITHIA, wartet schon der Maschinist der DAGMAR AAEN, die einen Tag vor uns im Hafen festgemacht hat, auf uns.
Er hat Glück, ich habe die letzten Kronen in Bier umgesetzt.
An sich wollten wir ja los, aber nun nutzen wir die Gelegenheit und beschließen, uns den wirklich schicken Schoner, mal genauer anzuschauen. Ich muss schon sagen, ein wirklich schönes Boot. Alles perfekt durchdacht und umgebaut.
Nur, dass ich so einige kenne, die nicht in die Kojen passen würden...! Die sind wirklich sehr eng. (Außer Bim natürlich, der ist jetzt schlank!) Ich denke, mittlerweile ist es 23.00 Uhr, jetzt aber Leinen los!
Auf zum nördlichsten Punkt unserer Tour (74°41.488 N; 094°50.493 W).


Die Baffin Bay ist ruhig und die Eisberge halten sich in Grenzen. Zu ruhig. Schon am nächsten Morgen geht`s dann los mit dem Theater. Zufällig schaue ich raus und wundere mich: "Wieso fahren wir eigentlich Schlängellinien?"
Doch ehe ich so richtig darüber nachdenken kann, ist es auch schon wieder vorbei. Jetzt werden es Kreise. Kathrin sucht schon mal die Bedienungsanleitung des Autopiloten raus, vielleicht steht da ja was Brauchbares drin.
Inzwischen tue ich das, was ich schon lange nicht mehr getan habe. Ich steuere selber. Zumindest versuche ich es. Jetzt müsste man nur noch die Richtung wissen.
Da haben wir nun 2 Kompasse. Jeweils einen pro Steuer. Nur, der eine zeigt nach links und der andere nach rechts. Und der Vergleich mit dem Handkompass hat noch eine dritte Variante zu bieten.. OK, wir haben ja noch unser GPS.
Ein Abgleich mit dem Kompass bringt mir so ungefähr die Richtung. Irgendwann bekomme ich mit: die Kompassscheibe ist irgendwie träge. Sie reagiert unendlich langsam.
Wir ziehen also so unsere Schlängel und überlegen. Ich hätte nicht gedacht, die Auswirkungen des Magnetpols, der dessen Lage sich ständig verändert, schon hier zu spüren. Kalt ist auch noch und es regnet.


Wir versuchen es für`s erste mit einer neuen Kalibrierung des Autopiloten. Vielleicht hat er ja ein Einsehen. Ein,zwei Stunden später -ich richte mich schon mal auf eine ungemütliche Nacht ein- haben wir endlich Erfolg und das Ganze beruhigt sich ein wenig.
Zwar fahren wir immer noch in Bögen und ab und zu auch mal einen Kreis, aber wir fahren!
Wir schätzen wieder mal, wie gemütlich und warm es doch unter Deck ist. Vorausgesetzt, die PERITHIA tut ohne zu Murren ihren Dienst. Langsam kommt nun unter wolkenverhangenem Himmel der "Lancaster Sound" in Sicht.
Die Einfahrt zur Passage. Mitten in der Nacht und vollkommen unspektakulär schlingern wir am Cape Walter Bathurst vorbei. (Ich nehme mir vor, unbedingt nachzuschauen, wer das wohl gewesen sein mag)
Ich sitze am Kartentisch und behalte die Monitore im Auge, Kathrin schläft und wir wechseln die Rollen nach 4 Stunden. Auf andere Boote braucht man hier nicht aufzupassen, wir sind wie üblich, seit Tagen das einzige Schiff.
Im Sound fahren wir mit 280 ° Kartenkurs gen Westen. Bis Resolute Bay sind es noch ca. 250 nm; also zwei Tage.
Ca. 50 nm vor dem Ziel befindet sich Cape Riddle. Hier in der Bucht liegt ein Matrose der Fränklin Expedition begraben. Auch die Überreste eines alten Eskimohauses sowie einen Tschuktuck kann man besichtigen.


Kurz vor Resolute beginnen dann die Eisfelder. So ca. 2 nm breit bereiten sie aber keine besonderen Schwierigkeiten, wir steuern immer an der Eiskante entlang. Ein wenig Sorgen kommen erst kurz vor dem Ziel. Hoffentlich ist die Einfahrt zur Bucht wenigstens frei.
Aber - Glück gehabt. Wir steuern in eine große ruhige eisfreie Bay und sind am Ziel.
Oder besser gesagt am Anfang der Passage. Geankert ist schnell. Wir schwojen zusammen mit zwei anderen Booten, die wir schon kennen und die das gleiche Ziel haben wie wir, bei genügend Platz und freuen uns darauf, endlich wieder eine Nacht unbesorgt und ruhig durchschlafen zu können.
Doch es sollte völlig anders kommen.
Mitten in der Nacht wecken uns laute Pfiffe, Rufe und wildes Geschrei:
Danger!!! Ice!!! Danger!!! Ice!!!


06.08.2009 Von Ilulissat nach Upernavik

Von Ilulissat aus geht's nun wieder zurück nach Aasiaat. Wir wollen doch mal sehen, ob uns an diesem schönen Fleck das Anglerglück hold ist. Laut Aussage der dortigen Fischer sollten wir nach höchstens 10 min mindestens einen Fisch an der Angel haben. Wir sind gespannt. Die Fahrt zurück erweist sich allerdings als schwieriger als erwartet. War noch auf der Hinfahrt, die Gegend um Ilulissat relativ eisfrei, hat über Nacht der Wind gedreht und gewaltige Eisfelder direkt vor die Hafeneinfahrt geschoben. Schon vom Hafen kann man das riesige Eisfeld bewundern.


Nützt aber alles nichts, wir tasten uns langsam voran und suchen den günstigsten Weg durch das Gewirr aus Schollen, kleinen und großen Brocken. Den Fischern nachahmend, bleibt uns gar keine andere Möglichkeit, als langsam durch und das Eis beiseite schieben. Wenn`s wenigstens nur ein schmaler Gürtel wäre, aber so zieht sich der Spaß über Stunden hin. Kathrin steht vorne im Bug und gibt die Richtung vor und ich versuche hinten so schnell wie möglich, mal mit mehr - mal mit weniger Gas, auf ihre Zeichen zu reagieren.

Wir nutzen auch die Zeit, um ein paar Fotos zu schießen - bei der Kulisse!!! Und Kathrin unternimmt den einen oder anderen Ausflug im Dingi.


Durch das viele Geschabe und Gedungse wird wahrscheinlich irgendwann ein neuer Anstrich für die PERITHIA fällig werden. Das hat aber noch Zeit bis wir wärmere Gefilde erreicht haben. Es werden bestimmt nicht die letzten Knüffe sein, die wir einstecken müssen. So sind wir dann auch erst am nächsten Morgen wieder in Aasiaat zurück.
Wir verabreden uns mit unserem Freund Bjane, der eigentlich Elektriker ist, aber behauptet, der geborene Fischer zu sein. Wir treffen uns also an der Mole, und entern sein Boot.
Meine Hightech-Angel brauche ich hier allerdings nicht, wir angeln nach der herkömmlichen Methode. Das ist recht einfach, man benötigt nur einen kurzen Stock. Auf diesem ist die Sehne samt Blei mit Haken aufgerollt. Das war's auch schon.
Ich schau mir das Ding an und mache mir so meine Gedanken, wie ich denn den versprochenen Fisch dann eigentlich aus dem Wasser bekommen soll. Aber wir werden sehen.
Wir sausen also dahin, wo die großen Fische sein sollen und rollen schon mal den Faden ab. Zwei Bier später einigen wir uns auf zu schlechte Strömungsverhältnisse und packen erst mal wieder alles ein.
So testen wir dann der Reihe nach die besten und fischreichsten Stellen der Gegend. Ich schiele ab und an nach dem Bier, das auch nicht unbedingt mehr im Kasten wird.
So einigen wir uns auf einen letzten verzweifelten Versuch. Jetzt wirklich an der auf jeden Fall richtigen Stelle…!
Mich wundert nur, dass um uns herum überall Fischerboote zu sehen sind, wahrscheinlich haben die uns den Fisch schon weggeschnappt. Doch siehe da, es hat sich was am Hacken verheddert. Rund, schleimig und ganzschön dick. Für mich sieht es aus wie eine Kreuzung zwischen Kugelfisch und Seegurke. Das Zeug angeln wir dann ständig, nur das man es nicht essen kann.


Zwischendurch kommen auch noch ein paar Stachelfische mit rauf. Die sind zu allem Elend auch noch gefährlich: "man sollte sich vor der Rückenflosse in acht nehmen!" lassen wir uns sagen.
Aber plötzlich wird es schwer am Strick. Ich hole ein und der Fang ist geglückt. Ein gewaltiges Prachtexemplar! Es muss an dem kalten Wasser oder am Schreck liegen, jedenfalls hat er nicht einmal gezappelt und läst sich widerstandslos von mir ins Boot wuchten.


Um unser Anglerglück nicht überzustrapazieren, packen wir jetzt ein und fahren nach Hause zurück. Aus den 10. min. sind ja inzwischen auch schon 3 h geworden.
Es ist mittlerweile Abend und wir beschließen, heute mal zu Hause zu bleiben und einen Fernsehabend zu veranstalten. Über unseren "Gigantenfisch" freut sich Tassi, der ihn dann auch komplett verputzt. Er hatte auch ungefähr seine Größe.
So leid es uns tut, aber irgendwann müssen wir weiter. Die Passage wartet nicht auf uns. Wir wollen am nächsten Morgen früh beizeiten aufbrechen. Doch fällt mir jetzt noch unsere Gasleitung ein, die ich schon die ganze Zeit umbauen wollte, es aber nie geschafft habe. Soviel Zeit muss noch sein.
Zum Glück kennen wir einen Klempner. Kurt hat schon die Auspuffanlage vom Generator neu designd und macht sich nun voll Eifer über die Gasleitung her. Alles fertig, wird getankt und Wasser gebunkert.


Danach verabschieden wir uns von unseren neugewonnenen Freunden, die uns wirklich nach besten Kräften geholfen und unterstützt haben und legen ab in Richtung Upernavik.
Da wir nun Grönland bald verlassen, lassen wir das erlebte noch einmal Revue passieren. Dabei fällt uns auf: wir haben hier in der ganzen Zeit nicht eine einzige schlechte Erfahrung gemacht und ausnahmslos nette und hilfsbereite Menschen getroffen. Die Leute hier sind stolz auf ihre Heimat und freuen sich, diese anderen zu zeigen.
Leider macht uns diesmal das Wetter einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Es bläst gewaltig und natürlich genau von vorn. Da wir nahe der Küste entlang segeln wollen, ist mit kreuzen hier kein Blumentopf zu gewinnen.
Auch haben wir, ehrlich gesagt, gar keine so richtige Lust. Wir sind eher auf zwei geruhsame Tage ohne viel Stress eingestellt. Es warten ja auch wieder eine Menge Bilder, die sortiert und vorbereitet werden wollen.
So laufen wir nach ca. 30 nm Gehoppse über die Wellen für die Nacht den kleinen Hafen God Haven an. Zum Anlegen haben wir dann auch drei Möglichkeiten. Längsseits an einen recht schrottig aussehenden großen Fischerkahn, am Fähranleger oder als viertes Boot an einem Dreierpack kleinerer Fischerkähne. Wir entschließen uns für letzteres, was sich später als sehr klug erweisen sollte.
Früh um 6.00 legt der große Kahn ab und um 7.00 kommt die Fähre. Das wäre beinah eine kurze Nacht geworden.
Angelegt und festgemacht, kraxeln wir über die Boote in Richtung Mole. Das ist gar nicht so einfach, die Fischkutter sind allesamt wesentlich höher als die PERITHIA. Besonders der letzte. An Bord des vorletzten kleinen ist ein freundlicher Fischer, der mir zuwinkt, um mir den besten Weg zu seinem großen Nachbarn hinüber zu zeigen. Ich schwinge mich also in schwindelerregende Höhen und hangele an der glitschigen Bordwand hinauf. Kaum oben angekommen, erblickt der nette Fischersmann dann Kathrin.
Und siehe da, natürlich wird sofort eine Leiter geholt und wirklich solange festgehalten, bis der weibliche Besuch auch ja sicher von Bord geleitet ist.
Das Dorf selbst ist klein aber interessant.


Wir merken deutlich, dass wir langsam in nördlichere Gefilde kommen. Die Häuser werden kleiner und sind im ihrem Stil eher winterfester gebaut. Und jedes hat eine Menge Hunde, denen man ansieht, dass sie nicht zur Touristenattraktion gehalten werden.
Es wird aber kein langer Abend, wir bummeln ein bisschen durch das Dorf, kehren noch kurz im Dorfkrug ein und klettern dann recht bald zurück zur PERITHIA. Am nächsten Morgen stehe ich beizeiten auf, um so schnell wie möglich abzulegen. Immerhin sind es noch ein paar Meilen bis zum nächsten Ziel. Das Wetter spielt wieder mit, nur das Barometer macht ein bisschen Sorgen. Es fällt stetig. Elendig sind die vielen Eisberge, welche aus der Discobucht und den angrenzenden Fjorden ins offene Meer treiben.


Es gibt hier eine Masse Gletscher, die ununterbrochen für Nachschub sorgen. Die Eisgiganten sind nicht zu übersehen, haben aber leider die Unart, ab und an mit viel Getöse auseinanderzubrechen. Somit treibt meist hinter einem großen noch ein ganzer Rattenschwanz voll kleinerer Klumpen. Die sind schlecht auszumachen und erfordern ständige Aufmerksamkeit. Übrigens haben wir uns gewundert, aus welchem Grund die Einheimischen hier, nur mit GFK Booten durch das Eis fahren.
Die Antwort auf unsere Frage erstaunte uns dann doch ein wenig. Aluminium wird bei den hiesigen kalten Temperaturen spröde und hält damit einer etwaigen Kollision mit Eisklumpen nicht stand.
Na, die sollten es ja wissen, freuen wir uns in anbetracht unseres Plasterumpf`s.
So wie ich dieses schreibe, gibt es übrigens plötzlich einen gewaltigen Schlag. Da war wohl was im Weg. Ein, sagen wir mal ca. PKW großer Brocken. Sogar Kathrin ist aufgewacht und kommt ganz erschrocken aus der Kajüte gesaust. Die sofortige Kontrolle zeigt zum Glück, wir haben noch mal Schwein gehabt.
So geht es sorgenfrei bis nach Upernavik, wo wir die DAMAR AAEN noch einmal treffen. Hier tanken wir, kaufen das Nötigste ein, suchen noch ein Internet und brechen dann in Richtung Canada auf.


27.07.2009 Von Nuuk zur Discoinsel

Bevor wir alles zur Weiterfahrt klarmachen, denke ich zum wiederholten Mal an unser Reststück Fischernetz.
Das schleppen wir nun schon seit dem Mittelmeer am Ruder unter uns her. Da das Wasser in den nächsten Monaten wohl nicht unbedingt wärmer werden wird, beschließen wir einstimmig (mit einer Gegenstimme von Kathrin…), es ist an der Zeit, es zu entfernen.
Das Wasser hat zurzeit ca. 3° C, was nicht unbedingt warm ist. Da mir aber der Neoprener nicht passt, bin ich recht zuversichtlich und gebe gerne gute Ratschläge.
Kathrin taucht also todesmutig in die Fluten und erklärt nach eingehender Inspektion des Ruders, da wäre nichts zu sehen.
Ich denke, das trübe Hafenwasser behindert die Sicht, irgendwo muss es ja sein. Noch ein Versuch und siehe da, das Netz mitsamt den dazugehörigen Schwimmkörpern kommt zum Vorschein und ist schnell entfernt.


Mein Vorschlag, jetzt noch eine Kontrolle der Schraube vorzunehmen, löst dann allerdings keine großen Begeisterungsstürme mehr aus und Kathrin ist froh, wieder aus dem Wasser zu kommen.
Getreu dem Motte "Gebranntes Kind scheut das Feuer" füllen wir nun vor der Weiterfahrt erst mal unsere sämtlichen Dieselvorräte auf.
Dummerweise ist Wochenende, und sämtliche Grönländer dieser Gegend scheinen einen Wasserausflug machen zu wollen. An der Tankstelle geht es zu wie auf der Hainstraße. Es ist gar nicht so einfach mit unserer PERITHIA zwischen all den kleinen Booten zu navigieren.


Alles voll, brauchen wir nur noch Wasser für die Tanks und ab geht`s. Das Meer ist relativ eisfrei, so dass wir eigentlich keine größeren Probleme in Richtung Aasiaat zu bewältigen haben.
Einzig die Lichtmaschine gibt irgendwann ihren Geist auf. Unser Notgenerator läuft zwar nicht unbedingt gut, aber ein bisschen Strom bringt er noch. Somit keine Sorgen.
Wir fahren direkt an der Küste entlang und bewundern die herrliche Aussicht. In Aasiaat angekommen sind wir das einzige Segelboot und finden auch schnell einen guten Platz zum anlegen.
Es gilt wieder die 2,80 m Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut zu beachten, was das Ein- und Aussteigen immer zu einer Kletterpartie werden läst.
Da wir ja nun 2 Tage auf dem Boot waren, beschließen wir erst mal, uns die Beine zu vertreten und uns den Ort anzuschauen. Aasiaat ist ein relativ kleines Nest, hat aber sogar einen eigenen Flughafen.


Und -ich bin erhört worden- eine Bar! Wir also rein.
Es kommt natürlich, wie`s kommen muss. Kaum sitzen wir, bekommen wir zu 100 % Besuch am Tisch.
Immer weiblich und nie nüchtern. Zum Glück füllt sich der Laden mit einem Schlag und wir geraten mitten in eine Party. Irgendwer hat irgendeinen Besuch bekommen, jemand wird 50 und der örtliche Lehrer hat endlich Viagra erhalten.
Die Eskimos haben, wie die Indianer auch, noch einen Zunahmen.
Als "immer stehender Penis" vorgestellt wird, weiß Kathrin dann nicht genau, wohin mit ihren Augen.
Die Nacht, die taghell ist, endet dann fünf Uhr morgens in einem Privatklub. Wir haben eine Menge nette Leute getroffen. Das hilft uns natürlich sehr bei der Reparatur unserer kleinen Wehwehchen an der PERITHIA.
Ich stehe mal bei Zeiten auf, und denke mir so, mal sehen, wer sich noch an die Versprechen vom letzten Abend erinnern kann. Schon hupt`s und nach einem Kaffee fahren wir zu sämtlichen Werkstätten, die wir so benötigen.
Die Lichtmaschine ist schnell ersetzt und `nen schicken neuen Generator haben wir auch. Da es im Ort kein öffentliches Internet gibt, können wir den Computer in einem Büro benutzen.
Da es uns hier gefällt, verschieben wir unsere Abfahrt auf morgen. Das bringt uns eine Einladung zum Abendessen und wir sitzen die halbe Nacht in einem Wintergarten beim Grillen.
Eigentlich sind das hier alles Fischer, denke ich und versuche ein par Tipps zu bekommen. Meine bisherigen Angelerfolge lösen dann allerdings Erstaunen aus. 10 min pro Fisch scheint hier die Regel zu sein.
Also werden wir einen Angelausflug unter fachmännischer Leitung unternehmen. Ich bin gespannt!
Über kurz oder lang müssen wir dann aber doch los. Die Satellitenbilder zeigen eine recht eisfreie Zone für die nächsten 40 nm an.

Eiskarte folgt noch

Kaum aus dem Hafen raus, heißt es aber erst mal -Maschinen Stopp-. Wir sind mitten in eine Walherde geraten. Es ist unglaublich, diese riesigen Tiere schwimmen doch direkt um unser Boot herum. Es prustet, schnieft und schnauft mal vor uns, mal neben uns, mal hinter uns.
Manchmal denken wir: "hoffentlich sieht der Wal auch, dass wir auch noch da sind." Kathrin stürzt zum Fotoapparat um die Bilder ihres Lebens zu schießen. Natürlich ist der Akku runter…


Wir trösten uns damit, dass das bestimmt nicht die letzen ihrer Art gewesen sind.
Ilulissat rückt langsam näher. Damit auch das Eis. Hier ist die Geburtsstätte der größten Eisgiganten überhaupt. Im Slalom die Eisberge zu umrunden geht eigentlich ganz gut.
Schlimm sind nur die Treibeisfelder, durch die wir hindurch müssen. Wahrscheinlich brauchen wir für die PERITHIA bald einen neuen Anstrich. Ab und an knirschelt es schon mal. Das lässt sich aber nicht vermeiden.
So erreichen wir um Mitternacht im Zickzack den Hafen von Ilulissat und stellen fest: der ist ganz schön voll. Nach eingehender Inspektion sichten wir die DAGMAR AAEN.


"Arved Fuchs wird uns schon nicht fressen!" denken wir und machen längsseits fest.
Soweit ist alles gut, nur am nächsten Morgen beansprucht ein großer Trawler unsere Anlegeplätze. Zwei Segler suchen in einem recht überfüllten Hafen einen neuen Platz. Zum Glück ist das nicht wie auf einem Supermarktparkplatz. Hier wird geschoben und gedrückt und umgeparkt, bis es passt.
Ilulissat ist eine Touristenstadt. Ein paar Kaffees, 4 Restaurants, viele Souvenirläden und Ausflugsangebote.
Einzigartig ist der Gletscher hier, der tief eingeschnittene Fjords mit Eisbergen und Eisfeldern verstopft. Wir beschließen, dass das die Kulisse für "ein paar Schnappschüsse" für unseren Hauptsponsor ISY sein soll!
Seine elektronischen Seekarten haben uns bisher hervorragend den Weg gewiesen. Es gibt absolut nichts zu bemängeln!
Wir werden uns also die größte Mühe geben.
Das lest Ihr im nächsten Bericht und im Fotoalbum macht Ihr Euch dann selbst ein Bild, ob es uns gelungen ist.


17.07.2009 Von St. John`s nach Grönland

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, unsere Dieselvorräte aufzufüllen, wollen wir endlich los.
Zwar müssen wir mit den Kanistern im Auto eines Freundes losziehen, packen aber den Kofferraum so voll wie irgend möglich.
Alles passt dann doch nicht rein, wird aber reichen, denken wir.
Genau dieses soll sich später als fataler Fehler herausstellen.
Dass im Hafen langsam Nebel aufzieht, stört uns nicht weiter. Wasser bunkern und los geht`s. Da wir die gleiche Route wie ein junger Franzose haben, starten wir zusammen.
Außerhalb des Hafens ist die Sicht mittlerweile so schlecht geworden, dass man die Hand vor Augen nicht sieht.
Oder auch den Franzosen.


Nur mit Hilfe des Radars können wir seine Position wenigsten auf dem Monitor verfolgen. So geht das nicht!
Über Funk beschließen wir - wir haben die technischen Möglichkeiten, sicher durch den Nebel zu kommen - er noch eine Flasche Brasilianischen Rum.


Also laden wir ihn zu uns ein, binden seine CHIMERE hinten an, stellen den Autopilot und den Radaralarm ein und fangen schon mal an, Zitronen zu stampfen.
Am nächsten Morgen ist zwar der Nebel weg, aber auch immer noch null Wind. Unter Motor geht es langsam weiter.
Eigentlich wollten wir die Kanadische Küste nordwärts segeln um später die Labradorsee nach Grönland zu queren. Die Eiskarten von der Küstenwache machen dem allerdings einen Strich durch die Rechnung.
Nördlich ist überall Eis. Die erste kleinere Scholle sehe ich schon auf dem 48°. N. Nun gut, dann eben direkt Kurs NNO.
Zwei Tage ohne Wind und jetzt mit Wind von vorn. Die See hat wohl beschlossen, uns zu zeigen, dass es auch anders geht.
Es baut sich ein richtig schöner Sturm auf. 3 Tage nur Wind, dicke, fette Wolken, Regen - nix mit Sonne.


Wir kämpfen an drei Fronten: Zum ersten bläst der Wind genau aus unserer Richtung.
Die PERITHIA hat aber durch ihre Rollgenuar nicht unbedingt die besten -Hart am wind Eigenschaften-. Um nicht zu viel abzufallen, muss ich die Genuar so groß wie möglich fahren, da sonst die Rolle den Wind abreisen läst. Das bringt natürlich eine Schräglage, an die man sich erst mal gewöhnen muss.
Zweitens schießen wir über die Wellen und knallen auf der anderen Seite wieder runter. Das gibt jedes Mal einen gewaltigen Schlag. Also reffen wir weiter; dadurch kommen wir auf ca. 60° zum Wind und zu den Wellen.
Die gehen nun über uns und machen das Boot sauber. Bald ist alles nass. Unser Verdeck hält zwar den Belastungen stand aber es läuft durch alle Ritzen.
Der Generator scheint bei der Schaukelei nicht zu funktionieren, kein Strom und nichts wird warm, geschweige denn trocken.
Und schließlich zu allem Überfluss:
Ein Blick auf unser frisch, auf den Azoren repariertes Großsegel, sagt nichts Gutes…! Jetzt hole mal einer bei den Wellen das Segel runter und den Ersatz wieder hoch. Am Mast festgebunden und klitschnass, bekommen wir es aber dann doch noch hin und es kommt wie`s kommen muss - richtig lange hält das auch nicht!
Der Beschluss, neue Segel zu kaufen, fällt noch in diesem Sturm.
Dummerweise beginnen die Probleme erst. Durch den großen Druck auf der Genuar können wir sie nicht vollständig einrollen.
Der Meter, der noch draußen hängt, macht das Boot nicht mehr manövrierbar.
Wie können steuern wie wir wollen, der Bug wird immer zur Seite gedrückt - Zeit zum Ablaufen.
Mit dem Wind läuft die PERITHIA hervorragend und wir haben Zeit zum überlegen: Wir sind ungefähr auf der Hälfte.
Das Problem;
wir haben zwar noch massenweise andere Segel, aber ohne Groß sind wir aufgeschmissen.
Kurz denken wir daran, umzukehren und in St.John`s erstmal wieder alles zu richten.
Das würde aber aus Zeitgründen den Abbruch der Passage bedeuten. Also werden wir aus zwei Segeln eins machen.


Wir vollführen das Kunststück, die Genuar zu bergen und machen uns ans Flicken.
Mit dem "Strickliesel" (Ahle) geht es eigentlich.
Man näht von oben: einer hält fest, der andere zieht die Nadel durch. Jetzt muss der Faden von der anderen Seite durch eine Öse gezogen werden.
Dazu muss man aber unter das Segel. Und das bei jedem Stich.
Wir haben jedenfalls früh morgens angefangen und es tatsächlich bis in die Nacht hinein geschafft.
Guten Mutes warten wir auf den nächsten Tag und das Wetter beruhigt sich sogar ein bisschen.


Ich steuere mit der elektronischen Windsteuerung. Das hat den Vorteil, dass das Boot immer im gleichen Winkel zum Wind fährt. Es gibt also keine bösen Überraschungen.
Zeit zum Aufräumen und Boot wenigstens einigermaßen wieder klarmachen. Am nächsten Morgen dann zeigt sich die Labradorsee wieder von ihrer besten Seite.
Herrlich glatt und strahlender Sonnenschein. Sofort steigt die Laune. Alles wird so langsam trocken, die Heizung geht wieder und es kommt der erste Eisberg in Sicht.


Um euch alle, zu Haus gebliebenen, auch recht gut mit Fotos zu versorgen, beschließen wir, so nah wie möglich ranzusteuern.
Plötzlich liegt ein leises Grummeln in der Luft, das schnell zu einem Grollen anschwillt.
Mit gewaltigem Getöse löst sich ein recht ansehnliches Eisstück und rauscht in die See. Na zum Glück waren wir noch nicht da.
Es ist gigantisch! Wie erforschen und fotografieren den Koloss von allen Seiten.
Erst jetzt fällt mir ein, ich habe keinen Whisky mit. Eis hätte ich genug…


Mit dem Wetterumschwung wird es richtig schön. Sonne satt, ca. 20 C und wir tuckern durch eine spiegelglatte See.
So nach zwei Tagen überschlage ich dann doch mal die Vorräte in den Dieseltanks. So richtig gut sieht das nicht aus.
Um auch sicher anzukommen, beschließen wir eine weitere Kursänderung zum nächstgelegenen grönländischen Hafen.
Wie unser Barometer es richtig voraussagt, gibt es dann natürlich nicht den leisesten Lufthauch. Aber wir kommen an.
Mit den letzen Litern Diesel erreichen wir die heißersehnte grönländische Südküste und stehen vor einer riesigen Eisbarriere.
Der ganze Küstenabschnitt ist versperrt. Der Ort Nanortarik bleibt für uns unerreichbar.
Der Student von der UNI Bremen, der diese Woche für die Karten verantwortlich war, hat wahrscheinlich verschlafen oder besseres zu tun gehabt, denn die Uni-Eiskarte zeigte eine eisfreie Küste an.
Wir überlegen und stellen schon mal fest, wir haben ein Problem: Kein Wind, kein Sprit und an das Eis möchten wir auch nicht driften.
Doch wie sagt man? -Das Glück ist mit den Unwissenden-
Seit 9 Tagen sehen wir den ersten Fischtrawler. Ich funke ihn an, erkläre ihm unsere Misere. "No Problem!" kommt aus dem Radio und der Trawler wendet.


Ich habe dann einige Mühe bei ihm längsseits zu gehen. Immerhin reicht unser Mast nur bis zu seiner Rehling. Kathrin übt sich schon mal im Auffangen der Wurfleine und ein Matrose lässt einen 20 Liter Kanister herab.
Natürlich freuen wir uns über die unkonventionelle Hilfe und versuchen zu bezahlen. Doch mehr als der Austausch von Fotos ist nicht drin.
20 Liter sind 7 h und das bedeutet für uns 40 nm. Unseren Funkspruch muss aber auch die Küstenwache abgehört haben.
Jetzt taucht doch tatsächlich ein Polizeiboot auf und fragt nach woher und wohin und ob alles in Ordnung ist.
So viele Boote an einem Tag haben wir schon lange nicht mehr erlebt. "Habt ihr nicht vielleicht 20 Liter Diesel?" Man kann ja mal fragen…
Auf der anderen Seite wird gerechnet. Bis nach Nuuk, was ich als Ziel angebe, sind es doch noch 300 nm. Gut, mutiger werdend, einigen wir uns: 100 l müssten es schon sein.
"OK!! Bitte stoppen und warten!" lautet die Antwort. Alsbald wird ein Schlauchboot zu Wasser gelassen und zwei Matrosen kommen zu uns.
Ich suche derweilen sämtliche zur Verfügung stehenden Kanister zusammen und entschließe mich, 10 zwanziger tun`s auch. Mehr krieg ich in der Eile nicht zusammen.
Wir bieten wieder unsere Doller an, bekommen sie aber genauso wenig los.
Der Diesel sei ein Geschenk des Gouvernements. Und ein paar aktuelle Eiskarten gibt es noch obendrauf. Man wünscht uns eine gute Reise und wir dürfen sogar noch ein paar Fotos schießen.


Das ist wirklich nett, wir bekommen alles gratis.
Von einer Unmenge an Eisbergen, riesige oder kleinere, die wir im Slalom umfahren, mal abgesehen, fahren wir nun wieder völlig sorgenfrei zu unserem nächsten Ziel.
Frederikshab, ein kleiner Ort in einem Fjord. Als Europäer würde man ihn als recht abgelegen beschreiben.
Ein kleines Kaff, nicht mal ne Kneipe. Es gibt aber nette Leute, und wir bekommen erstmal eine Ortsbesichtigung.
Einen Geldautomaten gib es auch und ich frage bei der netten Frau von der Post noch nach dem Wechselkurs.
Sie hat ihn natürlich nicht im Kopf, würde aber gerne nachschauen. Zur Sicherheit wird noch die Kollegin herbeigeholt und der Computer befragt.
Sie werden dann auch fündig und Kathrin und ich beschließen, wir haben gar keinen soo großen Hunger. Ein Essen für zwei tut`s auch….
So drehen wir noch ein paar Runden und gehen dann zum Hafen zurück. Dort ist erst mal klettern angesagt. Bei Flut geparkt, stehen wir 2,80 m tiefer als wir wieder zurückkommen.


Weiter geht es mit Ziel Nuuk, 230 nm. Mittlerweile wird es nachts auch nicht mehr dunkel, was die Navigation um die nicht enden wollenden Eisriesen erheblich erleichtert.
Wir fahren direkt an der Küste entlang und bestaunen die Landschaft.
Sonne pur.


Uns fällt auf, wir haben noch nicht einen einzigen Baum gesehen. Nur Stein und Fels, soweit das Auge reicht.
Aber doch irgendwie ergreifend, wenn man sich überlegt: was für ein riesiges Gebiet und wie dünn besiedelt!
Nuuk selber hat einen sehr kleinen Hafen für seine Größe. Wir legen hier im Dreierpack oder mehr an. Wobei wir uns dadurch schnell im Gespräch mit anderen Seglern befinden.


Die Stadt selber besteht aus den üblichen Holzhäusern und aus -dem -Boden -schießenden Neubausiedlungen, Kaufhäuser, Banken, Kneipen - alles da.
Ach so, wir können wieder zu zweit essen gehen. Nach nochmaliger Nachfrage nach dem Wechselkurs hier entpuppte sich der Postcomputer in Frederikshab wohl als defekt.
Unsere Sorgen, wir sind hier unter die Ölmultis geraten und können uns das Essengehen nicht leisten, waren unbegründet.
Morgen wird noch eingekauft und getankt. Dann geht's weiter in Richtung Discoinsel zur Geburtsstätte der Eisgiganten.
Wir rechnen mit ca. 3 Tagen. Aber bitte bedenkt, wir sind mit dem Segelboot unterwegs und nicht mit dem Zug, der einen Fahrplan einhalten kann (oder auch nicht…)
Also nicht ungeduldig werden!

03.07.09 23:03 Uhr Sondermeldung aus St. John's Neufundland

"Hallo Dieter, sind heute immer noch nicht weggekommen, der Dieselmäcke hat uns versetzt.
Es gibt eine Routenänderung:
unsere amerikanischen Nachbarn haben Eiskarten von der hiesigen Coast Gard und deshalb fahren wir morgen direkt an die grönländische Westküste nach NUUK.
Wir rechnen mit ca. 8 Tagen.
An der Neufundlandischen / Lapradorischen Küste ist zu viel Packeis eingezeichnet (übrigens anders als auf den Eiskarten der Uni Bremen).
Wir werden wohl bald Eis sichten!

Also bis bald. Peti und Kathrin


11.06.09 - 02.07.09
San Miguel (Azoren) - St. John's (Neufundland-Kanada)


Unsere Crew ist geschrumpft.
Bruni hat ihren Überlebenskampf trotz Zwangsernährung mit Traubenzuckerlösungen per Infusionen nach 3 Wochen endgültig verloren und wir haben sie auf den Azoren seemännisch bestattet. Ein trauriges Ereignis, aber leider unumkehrbar.
Völlig entgegengesetzt entwickelt sich Tassi dafür zunehmend zum Seemann und springt entweder an Deck herum oder faulenzt und schläft.


Über`n großen Teich…

Ich schicke es gleich voraus: unsere Überfahrt zum amerikanischen Kontinent ist recht geruhsam und ohne abenteuerliche Ereignisse verlaufen.
Außer Wasser von oben und unten und irgendwie von überall, dicken Wolken, ab und zu Sonne und 3 Tage undurchdringlichem Nebel gab es keine schlimmen Wetterkapriolen.
Sturm und Monsterwellen haben uns verschont, dafür gewöhnen wir uns so langsam an kalte Temperaturen: (Luft: 9° bis 13°; Wasser: 6° bis 10°C) Wärmer wird es nun in den nächsten 5 Monaten mit Sicherheit nicht mehr!
Tja, stellt sich die Frage, was machen die eigentlich 14 Tage lang, nur umgeben von Wasser und Luft 24 Stunden in trauter Zweisamkeit?
Erstaunlicherweise gab es den Moment der Langeweile überhaupt noch nicht. Dafür sind unsere Bordbibliothek und unser Bordfilmarchiv zu gut gefüllt.
Außerdem sind wir fleißig beim Englischlernen, auch wenn sich das in unserem "hohen Alter" schwieriger als gedacht herausstellt. Die Vokabeln wollen einfach nicht so richtig hängenbleiben…!
Dem Zubereiten von leckeren Mahlzeiten (inklusive Brotbacken) widmen wir uns ganz besonders, denn unser Appetit ist enorm!
Und dann hatten wir ja auch noch Geburtstag!
Apropos; DANKE FÜR EURE LIEBEN ? GLÜCKWÜNSCHE!
Eigentlich sind wir es gewohnt, mit Familie, Freunden und Bekannten zu feiern und nicht allein zu Hause zu sitzen. Das ging ja nun diesmal nicht, aber es gab trotzdem eine Bootsparty.
Wir haben jede Menge Luftballone aufgeblasen, gefragt: "wer soll alles dabei sein?" und jedem Ballon das typische Gesicht aufgemalt.
Im und auf dem Boot verteilt, tanzten dann alle im Wellengang zu Bob Dylan`s näselnder Bluesmugge bis zum nächsten Tag.


Ein Festmenü durfte natürlich auch nicht fehlen; statt Fisch gab`s Rinderrouladen mit Kartoffeln und Rotkraut und zum Dessert Vanillepudding mit Erdbeeren.
Während unserer gesamten Überfahrt gab es übrigens immer (nicht nur in Landnähe) Vögel in unserem Umkreis. Nun sind wir keine Ornithologen und können nicht sagen, was für welche, aber wir dachten daran, wo Vögel sind, muss es auch Fische geben. Weit gefehlt!
Außer einmal: Wir schippern so vor uns hin und da sitzen ungefähr 40 - 50 Stück wie auf einem Teich in einem Radius von einer Meile beieinander. Und als wir dann in unmittelbarer Nähe vorbeifahren, leuchtet es sehr hell unterm Wasser.
Plötzlich taucht ein dunkler Körper, so lang wie unser Boot, neben uns wie in Zeitlupe auf und stößt eine große Wasserfontäne aus: ein Pottwal!
Wir sind total begeistert und sehen in der Ferne in 2 Meilen rund um uns herum Wasserfontänen. Es muss eine große Walherde sein.
Wir rühren uns nicht von der Stelle, auch nicht um den Fotoapparat zu holen, denn sonst könnten wir ja irgendetwas verpassen! Diese Begegnung zeigt uns sehr deutlich, wie klein wir doch sind und wer eigentlich hierher auf den weiten Ozean gehört.
Ansonsten haben wir sooft Begleitung von Delfinen, dass wir schon nur noch nach ihnen schauen, wenn es mehr als fünf sind.


Einmal war sogar ein Delfinbaby dabei!
Es ist immer wieder faszinierend; sie schwimmen voraus, um wieder umzukehren, unter dem Boot durchzutauchen und andersseitig zurück. Dabei drehen sie sich und springen aus dem Wasser, als wenn sie an diesem Spiel genau soviel Spaß hätten wie wir. Man kann gar nicht anders- unweigerlich steht man mit einem breiten Grinsen im Gesicht da und freut sich, diesen tollen Tieren in ihrem freien, natürlichen Lebensumfeld zu begegnen.

Endlich - nach zwei Wochen - Land in Sicht: Neufundland!


Wir entscheiden uns für den Haupthafen St. John`s.
Er liegt in einer großen Bucht und somit gut geschützt und wir sind die einzigen Segler.
Es gibt zwei kleine Schwimmstege, was uns das Anlegen sehr erleichtert. Hier hat es ungefähr 1,5 m Ebbe und Flut.
Das sollte man bei der Bemessung der Festmachleinen nicht vergessen.
Kaum festgemacht freuen wir uns, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und gehen erst mahl frühstücken.
Dabei beschleicht uns dann allerdings das schlechte Gewissen. Vielleicht sollten wir doch erstmal beim Zoll vorbeischauen. Wir suchen und finden also die zuständige Behörde und unserer Einreise nach Kanada gestaltet sich als völlig problemlos.
Der Zoll will nur schnell das Boot inspizieren, aber was gibt es da schon zu sehen?
Nur -Old Gun Stick- (unsere Flinte) muss in den Waffenschrank.
Nach eingehender Begutachtung wird Kathrins Kleiderschrank diesmal für nicht so richtig einbruchsicher befunden und -Old Gun Stick- erhält ein Fahrradschloss als Sicherung und muss während unseres Aufenthaltes hier auf die Polizeiwache umziehen.
Nun liegen am -Platz der zwei Hunde-, so heißt unsere Anlegestelle und mittlerweile kommen noch zwei weitere Segler.
Ein schöner alter amerikanischer Kutter und ein "Zwergenboot" (8m) aus Frankreich.
Beide wollen, wie sie uns erzählen, auch nach Grönland.



St. John`s ist eine typisch kanadische Stadt; bestehend aus einer Mainstreet und einem Haufen Holzhäusern.
Nur das eben alles sehr weitläufig ist. Einen Supermarkt finden wir deshalb auch nicht in unmittelbarer Nähe. Wir fragen nach und erfahren, alle Märkte sind -wie überall- außerhalb.
Klar, in Kanada wird durch die Weitläufigkeit jeder Meter mit dem Auto zurückgelegt.
Unser neuer Kanadischer Freund meint, zu Fuß ist es zu weit, er kommt in einer halben Stunde und fährt uns. Wieder zurück vom Shopping, bekommen wir Besuch von einem Kanadier, der irgendwie erfahren hatte, dass wir (wieder mal; aber diesmal ein nur kleines …) Segelproblem hätten. Nur leider würde der Segelmacher gleich schließen und morgen ist Kanadatag - d.h. Feiertag.
Von unserer Idee -Do it your self- ist er aber gar nicht angetan und beschließt, wir fahren sofort los um mal nachzufragen. Segelmäcke hat dann auch wirklich gleich Feierabend. Aber die zwei Nähte gehen auch noch. Einmal angefangen, lässt er sich allerdings durch nichts davon abbringen, wirklich alles zu kontrollieren und jede noch so kleine Naht nach zu nähen.
Uns fällt auf, dass wir eigentlich keinen dieser ersten 3 auf dem amerikanischen Kontinent kennengelernten Leute nach Hilfe gefragt haben.
Anscheinend sind alle Kanadier hier sehr Kontaktfreudig. Ständig steht jemand bei uns am Boot und fragt nach woher, wohin und ob wir was brauchen und bietet seine Hilfe an.
Obwohl wir so schnell wie möglich weiter fahren wollten, entscheiden wir uns für einen Tag länger hier, denn den Feiertag hier dürfen wir uns nicht entgehen lassen und gehen dann mal zur Party.
Da es ganz schön kalt ist, mummeln wir uns an. Hier ist man aber irgendwie andere Temperaturen gewöhnt.



So stehe ich also mit Felljacke neben kurzärmeligen Mädels im Minirock.
Countrymusic ist angesagt. Und sogar hartgesottene Biker schwingen das Tanzbein.


Heute am dritten Tag müssen wir aber wirklich weiter.
Kathrin muss noch kurz unters Boot tauchen. Wir schleppen doch schon seit dem Mittelmeer ein Stück Fischernetz am Ruder mit.
Dass muss ab. Zum Glück passt unser Neoprener nur Kathrin… !

Dann noch tanken und die Wassertanks füllen und wir steuern als nächstes die Stadt Nain (für uns die nördlichste Stadt in Neufundland) an.
Die ca. 600 nm sollten noch eisfrei sein!


01.06.09 - 10.06.09
Sines (Portugal) - San Miguel (Azoren)


Abweichend von unserem ursprünglichen Plan haben wir uns für die Route Sines - Azoren - Neufundland entschieden.
Der Umweg ist nicht allzu weit. Das Problem ist nur mal wieder, es ist kein Wind.
Zum Glück haben wir ja auch einen Motor. Wir tuckern also los und hoffen auf bessere Bedingungen.
Um den Speiseplan aufzubessern, könnte jetzt auch mal ein Fisch ins Netz bzw. an die Angel gehen! Doch anscheinend hat sich die gesamte portugiesische Fangflotte gegen uns verschworen und fischt nachts immer genau vor uns.
Jedenfalls - kein Fisch! Unsere neue Taktik ist: Boot günstig in den Wind und auf fliegende Fische warten. Einmal hat's geklappt und nachts verheddert sich doch tatsächlich einer in unserer Persenning. Leider war er so schnell wie er kam auch wieder verschwunden.
Jedenfalls kommt's wie`s kommen muss, nach: kein Wind - kommt: viel Wind.
Dummerweise genau von vorne. Durch unsere Rollgenua haben wir natürlich nicht die besten Möglichkeiten am Wind.
Also motoren wir unter Hilfe vom Großsegel. Der Wind scheint hier wie festgenagelt zu sein - stetig aus West. Einzig - er wird immer mehr; mittlerweile haben wir Windstärke 7 Bft.
Aber man gewöhnt sich auch an 4-5 Meter hohe Wellen recht schnell. Was uns auffällt, es ist nirgendwo ein anderes Boot unterwegs. Das kommt uns natürlich nachts zu gute. Unser Radar späht alles bis 12 nm weit aus und würde uns bei Gefahr warnen.
Tage später, und der Wind baut sich immer noch auf. Ich überlege schon mal, ob es besser ist, die Wellen sehr schräg oder doch nicht ganz so schräg zu nehmen. Dummerweise komme ich zu keinem Entschluss.
Plötzlich - ein lauter Knall und das Großsegel ist hin. Bis heute weiß ich nicht, woran das wohl gelegen hat. Segel rein, um zu retten was zu retten ist, ist alles eins.
Die ehrenvolle Aufgabe, das Wrack zu bergen und das Reserve-Groß in den Mast zu bringen, fällt natürlich mir zu. Es ist an und für sich gar nicht so schwer. Nur schaukelt es gewaltig und es sind so 35 m² Stoff, die irgendwie gebändigt werden wollen.
Es spritzt gewaltig und "Clean Devil" leistet gute Dienste. Die Arbeit an Deck ist erledigt und weiter geht es.
Aus Windgründen entschließen wir uns in San Miguel einen kleineren Hafen anzulaufen, um ein bisschen Diesel zu tanken. Leider ist die Hafeneinfahrt so eng und dunkel, dass wir erst mal davor ankern um den Tag abzuwarten. Wir schlafen also erst und legen vormittags an.
Sofort sind helfende Hände zur Stelle und wir werden ordnungsgemäß und fachmännisch vertäut.
Ich habe natürlich vergessen, 1,8 m Tide!
Wir steigen mit unserem Kanister an Land und fragen schon mal nach einer Tankstelle. Im Dorf gibt es allerdings keine. Doch sogar dieses Problem wird uns wie selbstverständlich abgenommen. Jemand holt sein Auto und los geht's.
Derweilen entdeckt jemand, dass eine unserer Bugleinen nicht mehr so ganz in Ordnung ist. Also bleibt er die ganze Zeit am Boot und bewacht die Leinen.
Ich würde sagen, dass war mit Abstand der freundlichste Hafen überhaupt. Das letzte Stück bis Ponta Delgada dann unter Motor und wir legen in einer an sich schönen Marina an.
Hier soll es die besten Versorgungsmöglichkeiten auf den ganzen Azoren geben. So richtig merken wir aber nichts davon.
Es ist wieder wie in jedem südländischen Hafen. Es passiert eigentlich nichts, außer man macht es selber. Mittlerweile haben wir aber ein dickes Fell und harren so der Dinge die da kommen oder eben nicht kommen…
Interessant ist, dass hier gerade die Saison eingeläutet wurde.
Jetzt spielt jeden Tag eine Hardrock-Band und es ist mächtig was los. Leider ungefähr 50 m neben uns.
Heute haben wir endlich unsere Segel zurückbekommen. Nach mehreren Telefonaten und Gesprächen nähere ich mich auch der abschließenden Installation unserer Internetanlage. Funktests mit einem Freund auf dem portugiesischen Festland haben zudem gezeigt, dass wir problemlos über tausende nm funken können. Da soweit alles in Ordnung scheint, werden wir heute Abend die Leinen losmachen und Richtung Neufundland starten. Noch sind wir im Zeitplan, müssen uns aber langsam sputen. Außerdem sind wir sehr gespannt auf die "SILENT SOUND" von der
OPEN PASSAGE EXPEDITION die uns von der anderen Seite der Nordwestpassage entgegenkommt.


01.06.2009
Gibraltar - Sines (Lissabon)


Die letzte Etappe bevor es für uns in nördlichere Gefilde geht.

Umgeben von Spanien begegnen wir in Gibraltar sowohl englischem altehrwürdigen als auch modernen kommerziellem Flair; (fish and ships in Pubs, rechter Straßenverkehr, typisch englische Polizisten mit ihrer schicken Kopfbedeckung, Investitionsangebote von Eigentumswohnungen direkt an der Marina für sehr "Betuchte")
Im Hafen geht`s sehr international zu.
Es gibt immer wieder interessante Details zu entdecken. Zum Beispiel finden wir es sehr erstaunlich, dass es möglich ist, dass mitten in der Marina ein Boot einfach so langsam versinkt und es keinen gibt, den es kümmert!
Ganz Tourist - wollen wir uns natürlich den berühmten Affenfelsen anschauen.
In diesem Naturreservat leben ein paar Affen frei und posieren unglaublich souverän für die Kamera. Es wird dringend empfohlen, keinerlei Anlockungsversuche durch Anfüttern oder ähnliches zu versuchen.
Wir halten uns selbstverständlich daran, keiner von uns hat Lust auf einen Affenbiss!
Weiter auf dem Weg nach Portugal hoffen wir, dass uns vielleicht der Atlantik günstigeren Wind beschert, aber umsonst!
Ein paar mal setzen wir alles, was wir an Segeln haben, aber bei Windstärke 2 bzw. direkt von vorn haben wir ohne Motor keine Chance, zügig voranzukommen.
Wir stehen unter Zeitdruck, denn wir wollen spätestens am 1. Juni von Portugal erst Richtung Azoren - dann Norden starten.
Und es gibt noch eine Menge, was wir in Portugal erledigen müssten.
Da wären: der Flansch am Motorkühlwassersystem, der Impeller für den Außenborder, die Batteriesäure und ein Funkspezialist wäre auch nicht schlecht - um nur einiges zu nennen.
Eigentlich alles nicht so problematisch, aber irgendwie dauert alles eine kleine Ewigkeit bis ein Teil bestellt werden kann, es dann da ist, jemand kommt, geschweige denn - jemand repariert!
Aber hier in Sines hat uns Fips, der hier in Alenteju sein zweites zu Hause hat, an einen guten Freund verwiesen.
Oliver scheint uns hier ein ganzes Stück weiterbringen zu können; er kennt wirklich Hinz und Kunz, sogar einen Funkspezialisten!
Schnell macht uns Bernd klar, dass es nicht ganz so unkompliziert ist, wie wir dachten: einfach mal schnell Kurzwellenfunk installieren, auf `nen Knopf drücken und mir nichts - dir nichts sind wir weltweit internetfähig und können mails senden und empfangen - so einfach geht es dann doch nicht!!!
Deshalb ist unser nächster Eintrag auch manchmal nicht ganz so zeitnah.
Nicht die Geduld verlieren!
Es gibt also noch einiges zu tun - trotzdem wollen wir an unserem Starttermin 1.Juni festhalten, es sei denn…


21.05.2009
Von Algier nach Spanien


Die Fahrt nach Spanien ist ereignislos, um nicht zu sagen: l a n g w e i l i g!
Wir fahren bei Windstärke 1 (wenn überhaupt) unter Motor und sind enttäuscht, dass wirklich so gar kein Lüftchen geht, um wenigstens den Blister zu setzen.
Weit und breit ist kein Land, kein Boot, kein Fisch in Sicht.
Außer zwei Schildkröten, die einfach so an uns vorbeischwimmen, (und leider zu schnell wieder untertauchen, um sie zu fotografieren) passiert wirklich gar nichts.
Wir schippern mit unserer Perithia träge durch das spiegelglatte Wasser gen Westen und jeder von uns sucht sich irgendeine Beschäftigung; Uwe befasst sich endlich intensiv mit dem Kurzwellenfunk, Eisi liest die Proviantfibel (und weiß jetzt wie man Haifisch konserviert), ich kämpfe mit dem Computer und Bruni und Tassi schlafen.
Zum Glück haben wir einen großen Vorrat an Schokolade, gesalzenen Nüssen und anderen Knabbereien (die neuen Rundungen werden schon langsam sichtbar…)
Aber irgendwann kommt hoffentlich auch wieder Wind!
In Cartagena bleiben wir länger als gewollt um einen Flansch am Kühlwassersystem des Motors erneut einzukleben, uns mit neuen Fischködern (die uns dann hoffentlich auch mal Erfolg bescheren!) und uns Proviant zuzulegen - für den kleinen Hunger zwischendurch…!
Dann geht's auf nach Gibraltar.


05/2009
Nordafrika - Tunesien und Algerien


Eine aufregende Berichterstattung unseres Abstechers nach Nordafrika -Tunesien und Algerien verfasst von Peti.

10.05.2009
Von Pantelleria, der letzten kleinen italienischen Insel bis Tunis sind es ungefähr 130 nm.
Das heißt, wenn wir rechtzeitig starten, kommen wir noch im Hellen in Tunesien an.
Also um 4.00 Uhr morgens geht's los. Kaum zu glauben, aber es kommt sogar ein bisschen Wind auf.
Wind von achtern heißt: Blister! Und das bedeutet ein ganz schönes Stück Arbeit! Also wuchten wir den Segelsack nach vorn und hoch das Ding.
Natürlich falsch rum. (grün ist außen). Blister wieder runter, umdrehen und noch mal hoch.
Endlich sitzt dieses Riesenteil am richtigen Fleck.
Wir sausen dahin und es kommt natürlich wie es kommen muss: "Ich glaube der Wind frischt auf!" Einen Blister unter Wind zu bergen ist alles andere als eine angenehme Sache.
Der Bug ist nicht so breit, es wackelt wie Sau und ich versuche ca.70m² Segeltuch trocken ins Boot zu bekommen.
Jedenfalls gelingt es rechtzeitig. Im Laufe der nächsten Stunden frischt der Wind immer mehr auf.
Das bedeutet, unsere Segel werden immer kleiner.
Bei Windstärke 8 bf. könnte man eigentlich auch die Segel von der "Günstsch" (das ist unsere kleine Jolle zu Hause) nehmen.
Tunis nähernd gibt es dann eine betonnte Fahrrinne, die es zu treffen gilt.
Die Bucht vor Tunis ist sehr flach, ca. 7 m tief. Dem entsprechend hoch sind auch die Wellen.
Wir versuchen jedenfalls die Tonnen zu umfahren und steuern den einzigen ausgewiesenen Yachthafen an.
Es ist ein kleiner Hafen und wir sehen nur einen Platz, der noch frei ist. Leider hinter einem Armeeboot.
Egal - Fender raus und ran.
Es muss aber einen Wachhabenden geben, jedenfalls steht plötzlich die halbe Tunesische Marine am Kai und wehrt sich vehement gegen unser Anlegemanöver.
Einer Invasion gleichkommend ignorieren wir ihre Abwehrversuche und Matrose Eisermann ist plötzlich verschwunden.
Zum Glück hat der Gegner das Genfer Abkommen unterschrieben… und fischt den verlorengegangenen Matrosen wieder auf und stellt ihn recht nass an der Mole ab.
Nach endlosen, zähen Verhandlungen bekommen wir dann einen anderen Platz empfohlen.
Dieser erweist sich zwar als genauso in der Sperrzone, aber es wird ein deutschsprechender Verhandlungsführer hinzugezogen.
Ich erkläre ihm, dass ein Auslaufen bei diesem Wind nicht möglich ist. Er übersetzt und alles ist gut.
Sofort haben wir helfende Hände beim vertäuen, es wird Strom gelegt und alles ist in bester Ordnung.
Nur noch das Einklarieren mitten in der Nacht. Ein Auto kommt und wir sollen doch bitte mitkommen. OK!
Die Fahrt geht zum nahegelegenen Fährhafen. Dort schnell einen Stempel und zurück.
Am Boot warten schon zwei nette Herren vom Zoll und möchten gerne an Bord.
Die üblichen Fragen: "Haben sie Alkohol Zigaretten oder Waffen dabei?"
Matrose Eisi, jetzt wieder trocken, läuft zur Hochform auf, kredenzt Gebäck und Wein und alle sind zufrieden. Nur unterschreiben müssen wir noch.
Dazu gehört natürlich auch ein Stempel. "Sachlich geprüft und bestätigt" wird anerkannt und alle sind weg.
Abgesehen von den 3 Herren, die wohl einer anderen Behörde angehören und unbedingt noch unsere Pässe kopieren wollen.
Am nächsten Morgen wird uns jetzt unmissverständlich erklärt, wir sollen doch lieber einen anderen Hafen anlaufen.
Also gut. 5nm weiter ist ein kleiner sehr schöner Yachthafen, wo sich sogar die Einklarierungsprozedur als recht einfach gestaltet.
Ein lustiger Hafenpolizist und ein bei uns allen fiebermessender Gesundheitsinspektor und wir sind herzlich willkommen.
Das Städtchen Sidi bou Said erweist sich als eine recht ansehnliche Ansammlung von Souvenirständen und ist wirklich einen Spaziergang wert.
Jetzt im Hafen liegend haben wir auch Zeit, dass unerklärliche Leck in unserem vorderen Wassertank aufzuspüren.
Wasser rein - auftitschen - Wasser rein - wechseln sich ab und wir kommen natürlich nicht weiter.
Das Loch muss vorerst bleiben.

11.05.2009
Wir checken aus und los geht's in Richtung Algier. Der Wind steht günstig, das heißt: wieder Blister und Groß.
Eigentlich könnte man ja auch mal ein schönes Foto für unseren großzügigen Sponsor ISY schießen.
Immerhin sind wir ja mit seinen Seekarten unterwegs. Und das sehr gut!
Eisi macht also das Beiboot klar, wir hieven es an und lassen es zu Wasser.
Kathrin staffiert sich mit Windbreaker (CleanDevil) und Rettungsweste aus, Walky Talky noch klargemacht und los geht's.
Oder auch nicht. Unser fast neuer, aus der Werkstatt kommender Motor hat kein Kühlwasser.
Wie auch, wenn der Impeller kaputt ist.
Aber egal, wir verschieben die Reparatur auf später und lassen Kathrin im Beiboot zurück um eben auf sie zuzusegeln.
10 min. später ist sie weg. Man will gar nicht glauben, wie schnell so ein kleines Boot außer Sicht ist.
Dazu wickelt sich der blöde Blister auch noch um den Vorstag. Also fahren wir Kreise um das Ding wieder zu entwirren.
Danach suchen wir Kathrin. Zum Foto unter vollen Segeln ist es jedenfalls nicht gekommen.
Stunden später, ich sitze unten und schreibe am Logbuch, plötzlich ein lautes Schaben und dann ein Knall.
Ich hoch und Motor aus - ist alles eins. Was ist passiert?
Da hat doch irgendein Fischer sein Netz ausrangiert und wir müssen natürlich genau mitten reinfahren.
Abgeschnitten ist es ja schnell. Nur - schleppen wir den Rest unterm Boot mit.
Irgendjemand muss im nächsten Hafen wohl tauchen gehen.
Dazu schlägt das Wetter jetzt um. Der Wind kommt natürlich von vorne und so soll es die ganze Nacht und den nächsten Tag bleiben.
Dummerweise nimmt er auch noch zu und mit ihm auch die Wellen.
Eisi und ich diskutieren darüber, ob sie nun 3 oder 4 Meter hoch sind.
Jedenfalls geht uns langsam der Diesel aus und wir beschließen, den nächsten Hafen zum tanken anzulaufen.
Wollen doch mal sehen, wie es in einem algerischen Hafen so zugeht.
Leider haben wir nicht bedacht, dass Donnerstag ist. Und das bedeutet hier Wochenende und nichts geht.
Also fahren wir dann doch noch eine Nacht durch um in Algier zu tanken.
Hier begrüßt uns als erster ein netter Hafenpolizist, und vermisst unsere algerische Flagge.
Er ist aber zu beruhigen, wir wollen ja schnellstmöglich eine kaufen.
Jetzt folgen ganze Heerscharen von Inspekteuren und Kontrolleuren. Es wird fleißig geschrieben und kopiert.
Noch schnell eine Plombe an unseren Waffenschrank, dass heißt Kathrins Kleiderschrank ist jetzt blockiert.
Natürlich kommt auch unser Stempel ("sachlich geprüft und bestätigt") reichlich zum Einsatz.
Irgendwann sind alle zufrieden, gehen wieder von Bord aber wir sitzen fest.
Denn einen Einreisestempel bekommen wir nicht, heute ist Freitag.
Das heißt immer noch Wochenende - und kein Diesel.
Dafür wird uns eine Wache zur Seite gestellt, es soll uns ja nichts passieren…!
Weil wir nicht vom Boot dürfen, übernimmt die Hafenbehörde sogar unsere Einkaufsliste, so dass wir immerhin auf Staatskosten Tomaten und Brot geliefert bekommen.
Nur eben keinen Diesel!

16.05.2009
Neuer Tag - neues Glück:
Nach mehreren Anrufen erscheint unser eigens bestellter Agent um zu fragen was wir eigentlich wollen.
Wortreiche Erklärungen später ist dann wieder mal alles klar, wir sollen nur warten. Was wir ja gewöhnt sind.
Mittlerweile scheint auch anderen Booten aufgefallen zu sein, dass wir schon recht lange auf dem "Abstellgleis" liegen.
Der Kapitän vom Nachbarboot lässt zwei seiner Leute Schläuche verlegen und spendiert uns Frischwasser und ein unbekannter Holländischer Kapitän namens "Babbelo" oder so ähnlich lässt uns zwei Büchsen Kaffee und Fruchtsaft bringen.
Stunden später, wir können es kaum glauben, erscheint ein völlig neues Gesicht bei uns, möchte auch mal unsere Pässe sehen und erklärt uns, in drei Minuten seien wir frei!
Jedenfalls wird Eisi langsam ungeduldig und plädiert für sofortiges Ablegen, da drei Minuten hier ja wohl heißen: drei Stunden - mindestens!
Nur mit Mühe gelingt es mir, ihn zu überzeugen, dass es dann doch nicht so gut sei, die Perithia in Ermangelung von Wind zu rudern.
Letztendlich kommt doch dann wirklich noch Agent Abdou und -welch Wunder-wir verlassen in seiner Begleitung den Hafen.
Allerdings geht es nur in ein Büro mitten in der Stadt.
Aber es gibt hier 4 Räume mit Computern und Internet, die wir während des Wartens nutzen können.
Wir haben also inzwischen eine Sondergenehmigung, bekommen ein "Helferli" sowie einen Fahrer zur Seite gestellt und können einkaufen.
(Dummerweise vergisst Eisi beim Gemüsekauf zu fragen wo der Liqueurshop ist)
Wir verabreden uns noch schnell für den Abend zu einer nächtlichen Sihgtseeingtour und starten den Versuch, nun endlich auch an Diesel zu kommen.
Dazu funke ich zuerst den Kapitän of Port an und erkläre ihm mein Anliegen.
Dummerweise spricht er nur französisch - aber egal.
Wir fahren erst mal los und suchen die Tankstelle, was ihm wohl nicht so ganz gefällt.
Recht schnell werden wir von einem Polizeischlauchboot geentert.
Für Gegenmaßnahmen bleibt keine Zeit. Zum Glück gelingt es uns aber, darzulegen, dass wir nichts Böses im Schilde führen, sogar algerisches Geld haben und nur die Tanke suchen.
Wider erwarten bekommen wir jetzt Begleitschutz zu einer wirklich allen internationalen Umweltbestimmungen entsprechenden…! Zapfsäule.
(im Übrigen der billigste Diesel den ich jemals getankt habe; 0,11€ pro Liter!)
Das bedeutet, wir füllen jeden Behälter, den wir finden können. Noch ein kurzer Funkspruch zum Hafenmeister und wir könnten morgen ablegen.
Inzwischen ist auch Abdou mit dem versprochenen Bier, das er durch die Kontrollen geschmuggelt hat, angekommen und wir gehen Kebab essen.
Die nächtliche Sihgtseeingtour führt dann auch direkt in die nächste Bar- ich dachte gar nicht, dass es solche in Algerien gibt!
Einige Drinks später lässt Abdou es sich nicht nehmen, uns zu sich nach Hause einzuladen, damit wir unbedingt echte algerische Küche, die seine Mama auf den Tisch bringt, kennenlernen. In Abdou`s "Kinderzimmer" darf geraucht werden und wir staunen, über Sortiment und Auswahl von alkoholischen Getränken für moslemische Verhältnisse.
Eisi entdeckt seine Tanzkünste und wir veranstalten eine recht ausgelassene Party bis morgens um zwei.
Ein prima Abschluss unseres Besuches in Algier- obwohl wir von der Stadt nicht viel gesehen haben. Alles in allem würde ich sagen, in Algerien braucht alles vieeel Zeit, 250 $ für einen persönlichen Agenten… aber ansonsten sind die Leute hier sehr nett.


05/2009
Korfu - Malta - Pantelleria

Wir sind nun endlich am 02.05.2009 16.00 Uhr in Korfu gestartet


Die Fahrt nach Malta verläuft ruhig, um nicht zu sagen - langweilig.
Wir hoffen auf ein bisschen mehr Wind, damit wir zügig vorankommen.
Bis auf ein paar Mitfahrer, die die Gelegenheit nutzen
(wo kommen hier nur die Vögel her?)


und ein paar Delfine, die uns ein Stück begleiten, passiert eigentlich nichts.


Von Malta gibt es von uns nicht so viel zu berichten; wir halten uns hier nur kurz auf.


Wir machen einen kleinen Bummel durch das altehrwürdige Hafenviertel "Marsamxett" und die Bekanntschaft eines sehr unfreundlichen und unkorrekten Taxifahrers.
(wer hat nicht schon mal im Ausland die Diskussion um einen ausgeschalteten Taxameter und den darauffolgenden Fahrpreis in schwindelerregender Höhe geführt…?)
Na ja, man lernt eben nie aus!
Wasser und Strom getankt, noch ein paar Lebensmittel gekauft und am nächsten Tag geht's weiter Richtung Algier mit Zwischenstopp in Pantelleria und Tunis.



04/2009
Unser Starthafen - Korfu

Die zwei Wochen bis zum Start vergehen wie im Flug. Die letzten Vorbereitungsarbeiten halten uns ganz schön auf Trab. Schleifen, streichen, schrubben, Batteriewechsel ist angesagt. Man muss sich mal vorstellen, es gibt noch unbefüllte Batterien, Woher jetzt die Säure nehmen? Segelcheck, letzte Elektrikarbeiten und was sonst noch so alles an "Kleinigkeiten" zu tun ist (es nimmt kein Ende…) machen uns zu besonders oft und gerngesehenen Kunden in Baumarkt, Boots-, Elektroladen und Segelmacherwerkstatt.


Neben Tierarzt und Eingewöhnung von Bruni und Tassi gibt es zum Glück dann doch noch ein bisschen Kultur.


Zum Beispiel Ostern:
an Griechenlands höchstem Feiertag, nach dem julianischen Kalender eine Woche später als bei uns und auf Korfu besonders farbenprächtig und aufwendig gefeiert, sind tausende Menschen, auf den Strassen.
Groß und klein, jung und alt begleiten am Karfreitag, angeführt von Blaskapellen die vielen Trauerprozessionen durch die Stadt.
Am Ostersamstag wird's dann gefährlich.
Vorgewarnt wissen wir natürlich: Punkt 11.00 Uhr werden in der ganzen Stadt aus allen Fenstern und Balkonen mit Wasser gefüllte Tonkrüge auf die Straße geworfen.
Besser ist, rechtzeitig Deckung zu finden!
Es gibt für diesen eigentümlichen Brauch drei Erklärungen:
Die Venezianer pflegten am Neujahrstag, alte Gegenstände (Geschirr, Möbel usw. ) aus dem Fenster zu werfen.
Das neue Jahr sollte dann neue bringen. Die Korfioten übernahmen das für Ostern.
Die alten Gegenstände wurden durch tönerne Krüge ersetzt; die mit Wasser gefüllt werden, damit sie beim Aufprall mehr Lärm machen.
Einer anderen Erklärung nach hat dieser lautstarke Brauch heidnischen Ursprung.
Ostern markiert den Beginn der fruchtbaren Jahreszeit.
Die Natur erwacht aus dem Winterschlaf und geerntete Früchte werden in neuen Gefäßen gesammelt; die alten wirft man weg. Eine dritte Variante besagt, dass die Leute so ihren Ärger über den Verrat des Judas ausdrücken wollen.
Die Volksfeststimmung danach war richtig ansteckend.
Wir hätten nie gedacht, dass wir mal zu Blaskapellenmusik den Takt mitwippen.


Leider sind so viele Menschen unterwegs, dass es schier unmöglich ist, irgendwo ein Bier zu bestellen!
Sonntag um Mitternacht schließlich wird unter freiem Himmel die Auferstehungsmesse zelebriert,
das war dann schon ein für uns unvergesslicher,ergreifender Anblick.
Zehntausende von Kerzen in den Fenstern der umliegenden Häuser und den Händen der Gläubigen.
Es sah aus, als seien wir die einzigen ohne Kerze.
Musikalische Ergüsse in Altgriechisch Orthodox, und ein choreographisch toll abgestimmtes Feuerwerk, dazu die küssenden und sich umarmenden Menschen um uns herum, lassen uns sehr bewegt den "Nachhauseweg" zu unserer Perithia antreten.

Doch der Kultur noch nicht genug; Zur Herkunft unseres Bootsnamens:
Der Vorbesitzer unseres Schiffes, Herr Spiros Salvanos benannte es nach seinem Geburtsdorf: Perithia, übersetzt: "schöne Aussicht auf" wahrscheinlich der älteste Ort auf Korfu in Griechenland. Wir haben mal gehört, dass man ein Boot nicht umbenennen sollte- das brächte Unglück.
Also bleibt es unsere Perithia und "schöne Aussicht auf" … eine tolle Reise, …. eine schöne Zeit oder … spannende Erlebnisse passt ja auch irgendwie!
Nun wollen wir wenigstens den Ort, dessen Name unser Boot trägt, einmal gesehen haben.
Er soll inzwischen verlassen sein, deshalb erwarten wir ein paar alte Ruinen.


Nach langer kurvenreicher Fahrt über Straßen, die leider nicht in unserer eigens gekauften Karte eingezeichnet sind, erreichen wir den "verlassenen" Ort und sehen als erstes eine Taverne, der sich eine zweite, dritte usw. anschließt.
Soviel zu Geheimnisvollem oder Mystischem, das wir vielleicht ein bisschen erwartet haben.
Aber so wird das alte verlassene Perithia eben wiederbelebt.
Abschließend gesagt, ist Korfu für uns wegen seiner, für griechische Verhältnisse eher untypischen weil sehr üppigen Vegetation, eine der schönsten Inseln dieses Landes und für einen Besuch nur zu empfehlen.


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